Märkte und Geldhäuser bleiben bis Mittwoch geschlossen
Argentinien will Wirtschaft von Dollar lösen

Die argentinische Regierung will zur Bewältigung der Finanzkrise des Landes die rezessionsgeplagte Wirtschaft vom Dollar auf den Peso umstellen und bald auch den Wechselkurs vollständig entkoppeln.

rtr BUENOS AIRES. Auf Dollar lautende Bankguthaben und Kredite sollen in die Landeswährung umgetauscht und die gesperrten Einlagen der Bürger teilweise wieder freigegeben werden. Der am Sonntagabend von Wirtschaftsminister Jorge Remes Lenicov in Buenos Aires vorgelegte Wirtschaftsplan sorgte an den spanischen Finanzmärkten am Montag für Unsicherheit und belastete vor allem Bankentitel. Die Märkte und Geldhäuser in Argentinien blieben geschlossen und sollen erst am Mittwoch wieder öffnen.

Wenn die Zeit dafür reif sei, werde auch der Peso-Wechselkurs vollständig freigegeben, sagte Lenicov bei der Präsentation des Wirtschaftsplans. Zunächst sollen alle auf Dollar lautende Schulden im Verhältnis eins zu eins in Peso umgewandelt werden. Auf Dollar lautende Ersparnisse werden dagegen zum offiziellen Wechselkurs von 1,40 Peso je Dollar getauscht. Damit verlieren die Dollar-Einlagen der Bürger und Unternehmen effektiv an Wert, da der argentinische Peso an den Devisenmärkten zuletzt bis auf rund zwei Peso je Dollar gefallen war. Seit knapp vier Wochen unterliegt die argentinische Landeswährung zum Teil dem freien Spiel des Marktes. Daneben existiert aber auch ein vor allem für die Exportwirtschaft vorgesehener fixer Wechselkurs von 1,40 Peso je Dollar.

Lenicov appellierte an die Kreditgeber des Landes: "Argentinien braucht internationale Hilfe, um so schneller aus der Krise wieder herauszukommen." Er hoffe, in dieser Woche Verhandlungen mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) aufnehmen zu können. Der Fonds hatte Ende vergangenen Jahres Kredite über 22 Mrd. Dollar eingefroren und die Freigabe von weiteren Sparbemühungen des hoch verschuldeten Landes abhängig gemacht. Lenicov kündigte an, am Dienstag einen "Sparhaushalt" für 2002 ins Parlament einzubringen.

Die Schließung der Banken und Märkte am Montag und Dienstag war bereits am Wochenende erwogen worden, nachdem das Oberste Gericht die seit Dezember bestehenden Abhebungsgrenzen für verfassungswidrig erklärt hatte. Zurzeit können Kontoinhaber nur maximal 1500 Peso monatlich abheben. Mit dieser Maßnahme sollte die Liquidität der Banken gesichert werden, die 2001 einen Rückgang der Einlagen um 20 bis 25 % hinnehmen mussten. Die Beschränkungen hatten gewaltsame Proteste ausgelöst und zum Sturz der früheren argentinischen Regierung geführt. Wegen der geringen Menge an umlaufendem Bargeld waren die Konsumausgaben stark zurückgegangen, was viele Einzelhändler an den Rande des Konkurses gebracht hatte. Analysten beurteilten die Maßnahmen der Regierung überwiegend kritisch. "Die Regierung versucht die Bevölkerung zu zwingen, den Peso zu akzeptieren, obwohl offensichtlich ist, dass diese den Dollar vorzieht", sagte Omar J. Borla, Volkswirt bei Santander Investment in New York. Am Mittwoch werde der Peso daher voraussichtlich stark unter Druck geraten.

An den spanischen Aktienmärkten fielen am Montag die Aktienkurse der Banken, die in Argentinien engagiert sind. Die Maßnahmen der Regierung und auch das Urteil des Obersten Gerichts über die Abhebungsbeschränkungen hätten zu erhöhter Verunsicherung geführt, sagten Händler. Es gebe Sorgen, dass vielen argentinischen Banken der Ruin drohe, wenn sie die Dollar-Kredite in dem für sie teuren Kursverhältnis von eins zu eins umtauschen müssten. "Dies könnte der letzte Anstoß für ausländische Institute sein, das Land zu verlassen", hieß es in einem Marktkommentar von Ibersecurities ActivoBank. Die Aktien der beiden größten spanischen Banken Santander Central Hispanoy und Banco Bilbao Vizcaya Argentaria verloren überdurchschnittliche 2,8 beziehungsweise 2,6 %. Beide Banken sind an argentinischen Instituten beteiligt. Ihr Engagement beläuft sich auf jeweils bis zu fünf Prozent ihres Gesamtkapitals. Der Gesamtmarkt lag rund 1,4 % im Minus.

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