Märkte unter schlechten Vorzeichen
Wall Street - nachbörslich notiert: Viel Warten, wenig Hoffnung

Was für ein Wochenstart. Die Nachricht vom Selbstmord eines El Paso-Topmanagers, der Rausschmiss von Tyco-Chef Dennis Kozlowski, schlechte Nachrichten aus dem Pharma-Sektor, neue 52-Wochen-Tiefs für die Biotech-Werte, pessimistische Aussichten für Intel und die übrigen Chip-Hersteller, ... an den US-Märkten war am Montag nichts zu holen.

NEW YORK. Nachbörslich erholten sich zumindest einige Aktien von ihren Kursstürzen - nicht so Tyco. Denn Anleger haben weiter allen Grund, die Papiere zu meiden. Weniger der Abschied Kozlowskis selbst dürfte ihnen Sorgen machen, und auch die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen Steuerbetruges dürften nach einer Reihe handfester Bilanzskandale keinen Anleger mehr dauerhaft aus dem Markt treiben. Doch dass Tyco und Kozlowski die Kündigung als "Rücktritt aus persönlichen Gründen" tarnten und Anleger damit erneut hinters Licht führten, ärgert Investoren. Und dass das Unternehmen am Abend bekannt gab, Kozlowski erwarte eine Millionen Dollar schwere Abfindung, gibt ihnen den Rest. Nachdem das Papier am Montag 26 % abgegeben hatte, verschlechterte es sich nach der Schlussglocke weiter und steht heute vor weiteren Verlusten.

Papiere von El Paso dürften sich hingegen erholen. Schon am Montagnachmittag hatte die Aktie erste Verluste begrenzt, nachdem gemeldet worden war, der Finanzchef sei schwer krank gewesen und habe sich vermutlich nicht aus beruflichen, sondern aus privaten Gründen das Leben genommen. Das verringert die Tragödie nicht, erspart dem ohnehin gebeutelten Energiesektor aber wohl einen weiteren Skandal.

Auch die Papiere von Intel und anderen Chip-Herstellern erholten sich nach der Glocke leicht. Das ist nicht überraschend. Wenige Tage vor einem Quartals-Update hat Panik nach pessimistischen Kommentaren zu großen Verkäufen geführt, Stunden später kommt eine technische Gegenreaktion nicht überraschend. Wie weit diese Bestand haben wird, ist fraglich, zumal der Markt am Dienstagmorgen eine schlechte Nachricht zu verkraften hat: Der Chiphersteller Flextronic wird seine Prognosen im laufenden Quartal wohl nicht einhalten.

Als ein weiteres Tech-Schwergewicht wird in dieser Woche Hewlett-Packard für Aufmerksamkeit sorgen, und zwar schon heute. Das Unternehmen hält sein erstes Analystentreffen seit dem Merger mit Compaq ab, und die Erwartungen sind durchwachsen. Beim kleinen Brokerhaus SG Cowen geht man davon aus, dass sich das Management "vorsichtig zum makro-ökonomischen Umfeld" äußern wird und dass die Konsenserwartungen der Wall Street für Gewinne wohl zu optimistisch seien. Toni Sacconaghi, Analyst bei Sanford Bernstein, denkt wohl eher an Entlassungen als an steigende Umsätze, wenn er mit höheren Gewinnen rechnet: "Die Einsparungen bei den Mitarbeitern sind dabei zuverlässiger als Prognosen auf den Umsatz in einem Umfeld weiterhin schwacher IT-Ausgaben", meint er.

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