Mäßige Gewinnaussichten und nachgebender Aktienkurs
Aegon-Chef hinterlässt schwieriges Erbe

Der zweitgrößte niederländische Versicherungskonzern Aegon N.V. wird künftig von einem Amerikaner geführt.

sbe DÜSSELDORF. Donald Shepard, 55, übernahm gestern den Chefposten von Kees Storm, 59. Vertrauen in Menschen anderer Kulturen war für den stets fröhlich auftretenden Storm einer der Schlüssel zum Erfolg. Mit dem Vorrücken des ersten Ausländers an die Spitze eines niederländischen Finanzinstituts beweist Aegon, dass dieses Motto weiter gilt. Doch für Shepard, der nach sieben Jahren im Aegon-Vorstand immer noch nicht Niederländisch spricht, wird es nicht einfach sein, in die Fußstapfen des bisherigen ersten Manns zu treten. Denn Storm schrieb nicht nur als Marathonläufer Erfolgsgeschichte, sondern machte Aegon zu einem der weltweit größten Versicherer. Der Nettogewinn stieg in seiner neunjährigen Amtszeit um mehr als das Fünffache auf 2,4 Milliarden Euro, der Marktwert des Konzerns wuchs von 8 auf 41 Milliarden Euro.

Storm verlässt den Konzern noch dazu zu einem Zeitpunkt, wo der Wettbewerb schwieriger ist. Die Geldmaschine Aegon kommt ins Stocken, die bisher stets absehbar guten Gewinnaussichten sind erstmals mäßig, der Aktienkurs gibt nach. Aber Shepard, der seit mehr als 30 Jahren für Aegon arbeitet, hat Durchsetzungsvermögen. Unter seiner Regie stiegen die Niederländer in den USA zum fünfgrößten Versicherer auf. Der unversteuerte Gewinn verbesserte sich um das Zwanzigfache und liefert inzwischen 70 Prozent des Gesamtergebnisses. Shepard ist nicht umsonst der bestbezahlte Mitarbeiter. Er tritt aber bescheiden auf. Analysten trauen ihm zu, die Fahrt von Aegon wieder zu beschleunigen. Große Veränderungen will Shepard nicht anstoßen. Gleichwohl fragt sich die Amsterdamer Finanzwelt, ob er den unverrückbaren Widerstand Storms gegen das Allfinanzkonzept eventuell doch aufgibt und Aegon mit einer Bank zusammenschließt.

Quelle: Handelsblatt

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