Magazin-Bericht dementiert
Bush-Regierung: Kein verzögerter Anti-Terrorplan

Das Weiße Haus hat Medienberichte dementiert, wonach ein konkreter Plan der scheidenden Clinton-Regierung zur Bekämpfung des El-Kaida-Netzwerks von der neuen Bush-Regierung Anfang 2001 verschleppt worden sei.

dpa WASHINGTON. Wie das "Time"-Magazin am Montag berichtete, hatte Bill Clintons Top-Terrorexperte Richard Clarke der neuen Nationalen Sicherheitsberaterin Condoleeza Rice seine Einschätzung der Gefahr durch El Kaida geschildert und einen konkreten Plan gegen das Terrornetzwerk erläutert.

So wurden darin eine massive Unterstützung der Nordallianz im Kampf gegen das Taliban-Regime in Afghanistan angeregt, das El Kaida Zuflucht gewährte. Des weiteren wurden verdeckte Operationen gegen Terrorzellen in Afghanistan empfohlen, gefolgt von Luftangriffen und auch der Einsatz von Bodentruppen. Gleichzeitig sollten die Finanzströme des Netzwerks unterbrochen werden, zitierte das Magazin. "Time" zitierte einen Mitarbeiter der neuen Regierung mit den Worten, alles was Präsident George W. Bush nach dem 11. September im Kampf gegen El Kaida und die Taliban unternommen habe, sei in dem Plan bereits empfohlen worden.

Ein Sprecher des Weißen Hauses, Sean McCormack, erklärte zu dem Bericht, die Clinton-Regierung habe der neuen Regierung keinen "aggressiven" neuen Plan zur Bekämpfung des El-Kaida-Netzwerks übergeben. Vielmehr sei die neue Regierung nur allgemein über die Bedrohung informiert worden.

Demgegenüber sagte der Sicherheitsberater des damaligen Präsidenten Bill Clinton, Sandy Berger, laut "Time"- Magazin, er habe die neue Regierung genau über die Bedrohung durch El Kaida informieren und konkreten Pläne vorlegen lassen.

Die Clinton-Regierung sei in den letzten Monaten ihrer Amtszeit überzeugt gewesen, dass der Terrorismus eine riesige Gefahr darstelle. Nach dem Bombenanschlag auf das Kriegsschiff "U.S.S. Cole" im Oktober 2000 mit 17 getöteten Amerikanern sei der konkrete Plan erarbeitet worden, der am 20. Dezember Sicherheitsberater Berger präsentiert wurde. Berger und andere Regierungsvertreter beschlossen nach Informationen der Zeitung aber, den Plan nicht direkt auszuführen, weil sie nicht wenige Wochen vor dem Amtswechsel einen Krieg beginnen wollten.

Deshalb habe Berger aber darauf bestanden, seine Nachfolgerin genau zu informieren und habe mehrere Treffen angesetzt. Rice ließ nach Angaben der Zeitung zu dem Bericht lediglich erklären, sie könne sich an kein solches Treffen mit Berger erinnern. Kritiker erklärten, die Bush-Regierung habe den Plan nicht übernehmen wollen, weil er von Clinton stammte. Zudem sei die neue Regierung zunächst mehr mit den Plänen für einen nationalen Raketenabwehrschild beschäftigt gewesen.

So zirkulierte der Plan monatelang in verschiedensten Formen im Weißen Haus weiter, bis er Präsident George W. Bush vorgelegt wurde. Am 4. September sei er schließlich von den Verantwortlichen im Weißen Haus gebilligt worden.

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