Magazinbericht
Clement hat Meisterprinzip im Visier

Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) will nach einem Bericht des "Spiegel" deutlich schärfer in die Handwerksordnung eingreifen als bisher bekannt. Der Minister wolle etwa die Hälfte der 94 Berufsbilder des Regelwerks vom so genannten Meisterprinzip befreien, berichtete das Magazin am Wochenende. Damit solle es auch Gesellen künftig möglich sein, einen eigenen Betrieb zu gründen. Bislang ist dafür eine Meisterprüfung Voraussetzung.

Reuters BERLIN. Eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums wollte Einzelheiten des Berichts nicht kommentieren. Sie sagte jedoch, Ziel der von Clement geplanten Reform sei es, "die Handwerksordnung zu flexibilisieren, um Existenzgründungen im Handwerk zu erleichtern und die Ausbildungstätigkeit zu fördern". Auch Clement wollte sich am Rande einer Parteiveranstaltung in Aachen am Samstag nicht zu Einzelheiten äußern. Man sei mit den Handwerkskammern im Gespräch, und er sei zuversichtlich, dass eine einvernehmlichen Lösung erreicht werden könne, sagte der Minister. Der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), Dieter Philipp, zeigte sich zu Kompromissen bereit, nannte aber eine vollständige Aufhebung des Meisterprinzips fatal.

Ministerium: Clement stellt Konzept in Fraktion vor

Die Sprecherin sagte, Clement wolle Einzelheiten seiner Vorschläge zunächst am Dienstag der SPD-Fraktion präsentieren. Deshalb nehme das Ministerium nicht zu Einzelheiten Stellung.

Nach dem "Spiegel"-Bericht will der Minister ein Meisterprinzip nur noch für Berufe gelten lassen, bei denen durch fehlerhafte Ausübung eine Gefahr für die Allgemeinheit ausgehen könnte. Dazu gehörten etwa alle Berufsbilder, die mit Gesundheit zu tun haben oder aber mit der Installation von Gas und Elektrizität. Auch die meisten Bauberufe sollten wie bisher in der so genannten Anlage A bleiben, in denen die Berufe mit Meisterprinzip aufgelistet sind. Clement wolle aber auch hier Gesellen ermöglichen, eigene Betriebe zu gründen. Voraussetzung sei eine zehnjährige Berufserfahrung.

Als handwerksähnliche Tätigkeiten - und damit vom Meisterprinzip befreit - würden nach den Plänen des Ministers künftig etwa das Berufsbild des Stuckateurs und des Parkettlegers eingeordnet, heißt es in dem Bericht. Von der Ausgliederung seien insgesamt rund 270 000 Arbeitnehmer, rund 40 % aller Beschäftigten im Handwerk, betroffen.

ZDH: Clements Vorschläge hätten fatale Auswirkungen

Philipp kündigte in einem Interview der "Neuen Osnabrücker Zeitung" an, der ZDH werde in Kürze ein eigenes Konzept vorlegen. Der Verband wolle auf das so genannte Inhaberprinzip verzichten. Danach könne jeder einen Handwerksbetrieb als Personengesellschaft führen, wenn er einen Meister einstelle. Zudem sollten Berufe mit vergleichbarer Ausbildung - etwa Techniker und Industriemeister - einen Handwerksbetrieb auch ohne Meisterprüfung führen dürfen.

Die von Clement geplanten Eingriffe in die Handwerksordnung lehnte Philipp hingegen ab. Gesellen nach zehn Jahren die Gründung oder Übernahme eines Betriebes zu erlauben, werde "fatale Auswirkungen" haben. Der Meisterbrief sei die Voraussetzung für eine hohe Ausbildungsquote im Handwerk, sagte Philipp.

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