Magazinbericht setzt Mutter HVB unter Druck
Bank Austria bestreitet Bilanzmanipulationen

Ein Pressebericht über mögliche Probleme beim Börsengang der österreichischen Bank Austria (BA) hat gestern die Aktie der Muttergesellschaft Hypo Vereinsbank - (HVB) zeitweise fallen lassen. Das Wirtschaftsmagazin "DM Euro" hatte über angebliche Bilanztricks durch komplexe Stiftungsmodelle des österreichischen Instituts berichtet, die zu Gewinnkorrekturen und einer Neubewertung der Bilanz führen könnten. Die HVB-Aktie büßte daraufhin zeitweilig 5 % ein. Sie erholte sich jedoch schnell wieder, nachdem der Bericht von BA und HVB dementiert worden war.

HB FRANKFURT/M. "Der Vorwurf von Bilanztricks geht völlig ins Leere", sagte ein Sprecher der BA. Kurz vor Börsenschluss lag die HVB-Aktie nur noch mit 1,6 % im Minus.

Der Börsengang der Tochtergesellschaft ist ein Eckpfeiler des Bemühens der HVB, ihre Kapitalausstattung zu verbessern. Die Kernkapitalquote soll nach den Plänen von Konzernchef Dieter Rampl von derzeit 5,7 % auf 7 % Ende des Jahres steigen. Der anvisierte Verkauf von 25 % der BA-Anteile Anfang Juli soll 1,1 Mrd. bis 1,3 Mrd. Euro einbringen. Trotz des jüngsten Berichts wollen sowohl HVB als auch BA an dem Zeitplan für die Aktienemission festhalten. Im Emissionsprospekt für den Börsengang würden die Stiftungslösungen umfassend dokumentiert, sagte der Sprecher.

Laut "DM Euro" hat die österreichische Bank in den vergangenen drei Jahren durch die Verkäufe von Beteiligungen und Immobilien in Milliardenhöhe ihre Bilanz aufpoliert und auf diese Weise immerhin 38 % ihres Gewinns erzielt. Käufer waren drei Stiftungen. Im Gegenzug habe die Bank Genussrechte erhalten. Der Bank Austria stehen demnach 95 % der Erträge zu, die den Stiftungen aus den Immobilien und Beteiligungen zufließen. Im Vorstand der Stiftungen ist unter anderem Gerhard Randa vertreten, der bis März an der Spitze der BA stand und heute im HVB-Vorstand sitzt.

Der entscheidende Punkt ist laut "DM Euro", dass die Stiftungen trotz ihrer formellen Unabhängigkeit nach den internationalen Rechnungslegungsregeln IAS in der Bilanz der BA konsolidiert werden müssten. Ähnlich wie herkömmliche Zweckgesellschaften, in die Unternehmen bestimmte Aktivitäten auslagern, müssten die Stiftungen voll in die Bilanz einfließen, weil die BA bei ihnen das Sagen habe und die Risiken trage. Das Magazin beruft sich dabei auf die Einschätzung von Wirtschaftsprüfern. Dies könnte zu Wertberichtigungen auf das Stiftungsportfolio führen, die auf das Ergebnis der BA durchschlagen würden. In deren Büchern stehen die Genussrechte derzeit mit einem Wert 1,76 Mrd. Euro.

Die BA hält die Vorwürfe für haltlos. Zwar räumte der Sprecher ein, dass die österreichische Bank zwischen 1999 und 2001 rund ein Dutzend Immobilien und etwa 20 Industriebeteiligungen an die Stiftungen veräußert habe. Allerdings habe die Bank keine Kontrolle über die Stiftungen und ihre Beteiligungen. Somit handle es sich auch nicht um Zweckgesellschaften im Sinne von IAS. Diese Auffassung hätten drei Wirtschaftsprüfer mehrfach bestätigt - Deloitte & Touche, KPMG und die öffentlich rechtlichen Prüfer des österreichischen Sparkassenverbandes. Abschreibungen seien nicht zu erwarten, stellte der BA-Sprecher klar.

Er fügte hinzu, dass Randa in allen Fällen nur einer von drei Stiftungsvorständen sei. Den Kontrollgremien gehöre im übrigen auch Wolfgang Houska an, Aufsichtsrat der Ersten Bank, des größten Konkurrenten der BA.

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