Magere Gehaltsrunden in Krisenzeiten
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In der aktuellen Konjunkturflaute stagnieren die Gehälter oder steigen nur noch leicht. Verhandlungen über ein höheres Einkommen sind deutlich schwieriger als noch vor drei Jahren. Personalchefs müssen sich mit der Frage auseinandersetzen, was Boni, Aktienoptionen und sonstige Incentives in der Krise taugen.

Sechskommafünf Prozent - eine Zahl spaltet das Land. Kämpferisch wie lange nicht mehr hat die IG Metall vor einigen Monaten das Ende der Bescheidenheit verkündet und damit bei Arbeitgebern und Wirtschaftsexperten heftige Proteste ausgelöst. Auch viele Arbeitnehmer fragen sich angesichts von Firmenpleiten, Massenentlassungen und magerer Umsätze, ob ein derart hoher Zuschlag überhaupt gerechtfertigt ist.

Andererseits: Seit 1996 sind die Nettolöhne in Deutschland lediglich um zwei Prozent gestiegen. Nach Angaben des statistischen Bundesamtes legten die Bruttogehälter im Jahresschnitt um 2,2 Prozent zu. Angesichts einer Inflationsrate von derzeit 2,5 Prozent bleibt für die meisten Beschäftigten letztlich kaum mehr übrig. Die Erfahrung machen auch viele Fach- und Führungskräfte. In den vergangenen Jahren waren sie mit üppigen, von Tarifverhandlungen weitgehend unabhängigen Aufschlägen verwöhnt worden, Hochqualifizierte konnten oft mehr als zehn Prozent herausholen. Inzwischen stagnieren die Gehälter jedoch oder steigen nur noch leicht. Verhandlungen über ein höheres Einkommen sind deutlich schwieriger. Nur besonders gesuchte Spezialisten können noch Zuwächse deutlich über dem Durchschnitt erzielen.

Vor drei Jahren sah das noch ganz anders aus. Vom Jobeinstieg zu sagenhaftem Wohlstand war es scheinbar nur ein kurzer Weg. So konnte sich EM.TV-Chef Thomas Haffa damit brüsten, dass alle seine Mitarbeiter Millionäre seien. Möglich machte das ein neues Entlohnugsmodell: Zu einem vergleichsweise geringen Festgehalt gab es üppige Aktienoptionen. Seit dem Absturz der Börse sind diese oft wertlos, ihre Besitzer deutlich ärmer, wenn nicht sogar arbeitslos.

Ähnlich müssen sich die vielen Empfänger von Prämien und Bonuszahlungen auf eine Nullrunde einstellen. "In den vergangen fünf Jahren haben die variablen Bestandteile im Management stark zugenommen", erklärt Wilhelm Friedrich Boyens, Partner bei der Personalberatung Egon Zehnder. Wenn das Unternehmen viel Geld verdient, lohnt sich dieses Modell auch für die Mitarbeiter. Bröckeln jedoch die Gewinne, führt es zu empfindlichen Einkommenseinbußem.

In der aktuellen Konjunkturflaute stehen die variablen Bezahlmodelle deshalb auf dem Prüfstand. Personalchefs müssen sich mit der Frage auseinandersetzen, was Boni, Aktienoptionen und sonstige Incentives in der Krise taugen, wer sie erhalten soll und wie sie zu bemessen sind. Unsicherheit auch auf Seiten der Mitarbeiter. "Vor allem Berufseinsteiger suchen derzeit Sicherheit und sind bereit, Einschränkungen beim Variablen Gehalt hinzunehmen, wenn dafür das Fixum steigt", erzählt Marcus Schmidt, Geschäftsführer bei der Personalberatung Hanovermatrix. Grund ist die Ungewissheit darüber, was am Ende herauskommt.

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Quelle: Wirtschaftswoche

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