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Magische Moon-Cakes

Nun fliegen sie also doch. Die beiden Taikonauten Fei Junlong und Nie Haisheng. Seit gestern ziehen sie mit ihrem "Magischen Schiff" - wie die chinesische Raumkapsel "Shenzhou" in der Übersetzung heißt - ihre Kreise um die Erde.

Nun fliegen sie also doch. Die beiden Taikonauten Fei Junlong und Nie Haisheng. Seit gestern ziehen sie mit ihrem "Magischen Schiff" - wie die chinesische Raumkapsel "Shenzhou" in der Übersetzung heißt - ihre Kreise um die Erde. Vor zwei Jahren hatten beide bereits gehofft, der erste Chinese im All zu sein. Damals gehörten die Militärpiloten zu den auserwählten Kandidaten, mussten dann aber einem anderen den Vortritt lassen.

Jetzt hat es geklappt. Und die Männer in ihren weißen Raumanzügen wirkten richtig cool, als sie gestern Vormittag in der chinesischen Provinz Gansu in die Rakete kletterten. Feines Schneetreiben wirbelte um ihre Köpfe, ringsum Militär und heftiges Fähnchenschwenken. Ein paar staatstragende Worte von Premierminister Wen Jiabao über "den Willen, das Vertrauen und die Stärke" des chinesischen Volkes - dann aber los, Richtung Mond. "Wir sehen uns Peking", sollen sie vor dem Start noch gesagt haben. So, als wollten sie mal eben Brötchen holen. Echte Haudegen eben, diese beiden Bauernsöhne.

Und nervenstark, wie zumindest die chinesischen Medien berichten. "Es gibt nichts, worüber wir uns Sorgen machen müssten", wurden sie vor dem Trip ins All im staatlichen Fernsehen zitiert. Kein Wunder: Beide haben angeblich schon mal ihre Militärjets todesmutig zur Erde zurück gebracht - der eine ohne Sprit, der andere ohne Motor. Stimmt, runter kommt man immer.

Sorgen machen sich eher die anderen. Etwa die Amerikaner. Sie fürchten, dass China mit der Eroberung des Weltalls irgendwann die US-Militärsatelliten ausschalten könnte. Zudem könnte China sein Raumfahrtprogramm ebenfalls für militärische Zwecke nutzen. Doch Peking ist recht spät dran: Das Reich hat erst 40 Jahre nach Russland und USA einen Mann ins All geschossen. Zudem hat China gestern erneut betont, dass es seine Pläne im Weltall nur für friedliche Zwecke nutzen werde.

Der Politiker war nach den wichtigen Beratungen über den künftigen Fünf-Jahres-Plan ins Wüsten-Raumfahrtzentrum gereist, um die Taikonauten persönlich zu verabschieden. Und nach dem Bilderbuchstart um punkt 9 Uhr Ortszeit und dem Eintritt in die Erdumlaufbahn um 9.21 Uhr sah man dann Chinas Premier sichtlich gelöst und erleichtert im Staats-TV plaudern.

Für die Regierung in Peking war weniger das Wetter oder die komplizierte Technik ein Risiko bei dem streng geheimen Projekt, sondern die diesmal zugelassene Live-Übertragung. Ein nationaler Flop auf Millionen von Bildschirmen - das erschüttert nicht nur Demokratien.

Doch alles lief glatt und die mediale Freiheit hat in China wieder Grenzen. Was die beiden Taikonauten wirklich in ihrem "Magischen Schiff" in den kommenden fünf Tagen alles treiben, wird die Welt wohl nie erfahren. "Das Leben im All ist voller Geheimnisse", meinte denn auch Pilot Nie gestern mehrdeutig.

Das stimmt allerdings nicht ganz: Schon kurze Zeit nach dem Start meldete die Nachrichtenagentur Xinhua, die beiden hätten als kleine Stärkung Ananas-Küchlein vertilgt. Es passt einfach zu schön: Die Pasteten heißen in China nömlich "Moon-Cakes". Perfekte Dramaturgie. Und China jubelt.


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