Magisches Datum 24. Juni: Indexumstellung der Deutschen Börse
Neugewichtung der Indizes verspricht Gewinne

Aktienindizes informieren nicht nur über die Entwicklung von Märkten und Sektoren. Ihre Zusammensetzung beeinflusst auch die individuelle Anlageentscheidung, denn Kursbarometer messen den Erfolg des eigenen Depots. Zeichnen sich Index-Veränderungen ab, sollten Anleger frühzeitig reagieren.

FRANKFURT/M. Am 24. Juni ist vieles anders - zumindest bei den Aktienindizes der Deutschen Börse. Dann werden erstmals, wie bereits im August 2000 angekündigt, alle Index-Titel nach ihrem Streubesitzanteil gewichtet. Als Streubesitz werden die Aktien bezeichnet, die sich tatsächlich am Markt kaufen oder verkaufen lassen. Bislang orientiert sich das Gewicht eines Titels an allen Aktien. Außerdem wird für die Indizes nur noch eine Aktiengattung - also entweder Vorzugs- oder Stammaktien - berücksichtigt.

Der SDax, Auswahlindex für kleinkapitalisierte Werte, hat darüber hinaus am 24. Juni nur noch 50 Mitglieder. Im Nemax-50 notieren dann erstmals Technotrans, Elmos und Mühlbauer. Sie ersetzen, wie bereits Anfang Mai beschlossen, Broadvision, Pixelpark und Trintech, den Dubliner Spezialisten für Zahlungslösungen, im Börsenolymp des Neuen Marktes.

Entsprechende Anpassungsbewegungen dürften schon im Vorfeld des 24. Juni für stärkere Kursausschläge sorgen, glauben Experten. Aktien, deren Gewicht sich erhöht oder die neu in einen Auswahlindex aufgenommen werden, legen tendenziell zu. Die Gründe: Mehr und mehr Anleger, auch internationale Investoren, werden auf diese Werte aufmerksam. Außerdem müssen Aktienfonds, die einen Index nachbilden, sich ebenfalls an die veränderten Gewichte oder die neue Index-Zusammensetzung anpassen. Aktien mit einem künftig geringeren Indexgewicht dürften hingegen verlieren.

Auf Termine achten

Anleger, die kurzfristig auf die Gewinner dieser Veränderungen spekulieren wollen, sollten zu folgenden Terminen die Kurse im Auge behalten:

Am 19. Juni veröffentlicht die Deutsche Börse nach 20 Uhr Listen mit der vorläufigen Indexgewichtung der jeweiligen Aktien.

Am 21. Juni nach Handelsschluss werden alle Kursbarometer auf Streubesitz umgestellt.

Am 14. August entscheidet die Börse dann über mögliche Auf- und Absteiger in allen Indizes - also auch im Dax und MDax. Diese Veränderungen werden am 23. September wirksam.

Besonders im Fokus werden Analysten zufolge die neuen Streubesitzgewichte bei den 100 größten Unternehmen stehen. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass nach Sektoren die Bereiche Software und Technologie, Banken und Finanzdienstleister sowie Chemie und Pharma zulegen werden. Dagegen reduzieren sich die Gewichte für Versicherungen, Handel und Konsum, Automobile und Transport.

Im Deutschen Aktienindex (Dax) werden die fünf größten Werte zusammen ein Gewicht von 45 Prozent haben, glaubt Commerzbank-Analyst Achim Matzke. Die zehn größten Dax-Werte machen dann bereits 73,4 Prozent des Index aus. Analysten der Deutschen Bank nennen in einer Studie als Gewinner der Streubesitzgewichtung Siemens, die Deutsche Bank und Eon. Als Verlierer gelten wegen ihres hohen Staatsanteils die Deutsche Telekom, wegen ihrer Überkreuzverflechtungen die Münchener Rück, wegen des Vorhandenseins mehrerer Aktiengattungen BMW. Relativ gesehen gewinnen Adidas an Gewicht, Degussa und FMC verlieren hingegen.

Im MDax gewinnen die Deutsche Börse, Continental und Merck absolut an Gewicht, auch Jungheinrich, Zapf und IWKA verbessern sich. Als Verlierer werden Beiersdorf, AMB Generali und BHW gehandelt. Gewichtungsgewinner im Nemax-50 sind laut der Studie der Deutschen Bank Singulus, BB Biotech und Aixtron. Bei Comdirect, Medion und SAP SI werden die Gewichte hingegen reduziert.

Ob es sich für Anleger auch lohnt, auf eventuelle Dax-Aufsteiger im September zu setzen, ist Experten zufolge bislang zweifelhaft. Zwar qualifizieren sich derzeit Altana, Beiersdorf und die Deutsche Börse für die erste Liga. Allerdings muss es auch Absteiger geben, die die erforderlichen Indexkriterien (mindestens Platz 35 bei Umsatz und Marktkapitalisierung) nicht mehr erfüllen. Andernfalls gibt es keinen Austausch. Doch bisher sind Absteiger nicht in Sicht.

Quelle: Heike Herbertz
Petra Hoffknecht
Handelsblatt / Redakteurin
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