Magnetbahn-Projekt in Schanghai voll im Zeitplan
Transrapid rast erfolgreichem Test entgegen

Der Transrapid rast in Schanghai einem erfolgreichen VIP- Testlauf am 31. Dezember mit Chinas Premier Zhu Rongji und Bundeskanzler Gerhard Schröder entgegen. "Seit dem 22. November fährt der Transrapid täglich zwischen dem Flughafen in Pudong und der Innenstadt mit Spitzengeschwindigkeiten von 438 km/h die gesamte Strecke ab", berichtet ein deutscher Manager.

mg PEKING. Nach über 100 Testfahrten kann die 31 km lange Strecke nun in rund acht Minuten zurück gelegt werden. Bislang werden die Züge allerdings nur am Tage getestet, denn die vollautomatische Steuerung lässt noch auf sich warten. "Die Vorbereitungen laufen noch, der TÜV wird noch zwei Wochen da sein", sagt Günter Weckerlein, für Ost- und Zentralasien zuständiger Chef bei Siemens Transportation in Schanghai.

Die chinesischen Auftraggeber haben die deutschen Firmen im Konsortium zur Zurückhaltung im Umgang mit der Presse ermahnt. Als der Transrapid beim ersten Testlauf vor ein paar Wochen nur mit vier Stunden Verzögerung in Bewegung kam, blamierten sich die Verantwortlichen bei 30 ausgesuchten chinesischen Journalisten, die man eigens geladen hatte. Doch seitdem hat der Schnellzug eine beeindruckende Testserie hingelegt. Die Chinesen haben den TÜV Rheinland mit der technischen Abnahme beauftragt.

Auf dem Projektleiter Kommander Wu lastet eine immense Verantwortung. Die Stadtregierung von Schanghai hat ihm allein die Entscheidung über den Testlauf am 31.12. übertragen. Wu will die vorläufige Betriebserlaubnis trotz der konstant erfolgreichen Testfahrten erst am 16.12. erteilen, sagt ein Vertrauter. Dann erst entscheidet sich, ob der offizielle Testlauf an Silvester stattfinden kann. So lange muss selbst Bundeskanzler Schröder warten. Er will mit den Ministern Clement und Stolpe sowie mit NRW-Ministerpräsident Steinbrück am 29. Dezember nach China kommen. Das bestätigen chinesische Regierungskreise.

Schröder wird zunächst in Peking mit der politischen Führung zusammen treffen, bevor er am 30. weiter nach Schanghai reist. Als Höhepunkt des Besuchs - dem vierten innerhalb von weniger als vier Jahren - folgt am Silvestertag morgens die Testfahrt. 250 Fahrgäste, darunter 100 Deutsche, werden am offiziellen Test für die weltweit erste kommerzielle Transrapid-Strecke teilnehmen, heißt es. Ungeachtet dessennimmt allerdings die Kritik chinesischer Experten an der deutschen Technologie zu. Im Staatsfernsehen CCTV trat am Wochenende Prof. Shen, einer der führenden Wissenschaftsberater von Zhu auf und forderte mit Blick auf die Fernstrecke Peking- Schanghai, "aus dem Irrweg des Transrapid heraus zu kommen". Gefordert wurde: "Die Schiene soll der Entwicklungstrend unseres Landes sein".

Doch nicht Japans Shinkansen, der TGV oder der ICE werden ins Spiel gebracht, sondern ein chinesisches Geheimprojekt, das in Zhuzhou in der Provinz Hunan entwickelt wurde. Vor acht Tagen veröffentlichte eine chinesische Zeitung erstmals das streng geheime Projekt mit Name "ChinaStar". Der Triebzug absolviert zurzeit Testläufe für Geschwindigkeiten bis zu 300 km/h. Von der "Geheimwaffe des Eisenbahnministeriums", so die Zeitung "21st Century Global Report", sollen innerhalb von zwei Jahren 15 Stück hergestellt werden. Professor Shen, der in CCTV indirekt Premier Zhu vorwarf, er wolle als Transrapid-Befürworter "seine Beliebtheit bei der Bevölkerung" steigern", bestätigte in der Sendung erstmals offiziell das geheime Zugprojekt und brachte es als mögliche chinesische Lösung für die Fernstrecke Peking - Schanghai ins Gespräch.

Währenddessen verdichten sich aber Hinweise auf einen Transrapid- Anschluss für die 130 km lange Strecke Peking-Tianjin. Weil der Flughafen von Peking aus den Nähten platzt, soll bis zu den Olympischen Sommerspielen 2008 der Airport der Hafenstadt Tianjin als zusätzliches Terminal an Peking angebunden werden.

"Die hohe Präsenz chinesischer Politiker bei unserem Projekt in Schanghai gibt uns Anlass zu der Hoffnung, dass es weiter geht", sagte ein Sprecher der Thyssen-Krupp/Siemens-Gesellschaft Transrapid International in Berlin. Und genauso hoffe man, dass die Präsenz deutscher Politiker am 31. Dezember bei der Testfahrt "positive Auswirkungen" für die beiden deutschen Magnetbahnprojekte in Nordrhein-Westfalen und Bayern habe.

Quelle: Handelsblatt

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