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Mahner im Cyberspace

Keine Wirtschaft ohne Rechtsstreits, und beim digitalen Wirtschaften gilt es, besonders viele neue Felder zu klären. Kein Wunder, dass deshalb auch die Zunft der Juristen sich spezialisiert, und in den USA hat sie einen Star: Lawrence Lessig.

Er gilt als der Dekan des Cyber-Rechts. Kaum ein Prozess, kaum ein Disput um digitale Rechte, in dem seine Meinung nicht gefragt oder zitiert würde. Er hat die Regierung im Anti-Kartell-Prozess gegen Microsoft beraten, er gab im Prozess um die Musiktauschbörse Napster eine Expertenmeinung ab, die den Dienst zunächst vor dem Abschalten bewahrte.

Für die Befürworter eines starken Urheberrechtsschutzes ist der Umgang mit Lessig allerdings nicht die reine Freude - schließlich ist der Rechtsprofessor, der an der renommierten Stanford University lehrt, ein ständiger Mahner und Prediger für den verantwortungsvollen Umgang mit Macht. "Unternehmen und starke politische Interessensvertretungen versuchen, sich selbst zu schützen und missbrauchen dazu die Urheberschutzrechte", kritisiert der Jurist. Mit wirklichem Schutz von Eigentum hätten diese Kampagnen wenig zu tun. Schließlich werde durch starkes Copyright, wie es jetzt existiere, nicht der Erfindungsgeist geschürt, sondern lediglich das wirtschaftliche Interesse der einflussreichen Parteien und Firmen geschützt.

"Es geht um Geld und Macht", resümiert der 40-Jährige. Viel Hoffnung für seine Mission hat er indes nicht: Er glaubt, dass eine Handvoll Unternehmen längst dabei ist, das Internet in ein Paradies für Marketing-Abteilungen zu verwandeln - und niemand merkt`s. Schon vor Jahren warnte er in seinem Buch "Code is Law" vor einer nicht mehr zu stoppenden Kräfteverschiebung im Internet, die kleine, erfinderische Unternehmen ohne Einfluss lässt. Damals wurde er als unverbesserlicher Pessimist und Schwarzmaler beschimpft. Heute bekommt er E-Mails, die seinen Weitblick von damals gleichermaßen loben und beklagen. "Es ist noch schlimmer geworden, als ich es mir vorstellte", resümiert Lessig. Und lässt sich dennoch nicht entmutigen, immer wieder auf die Konsequenzen einer solchen Kräfteverschiebung hinzuweisen: "Ich hoffe, dass es eines Tages allen klar ist, warum Disney die Rechte an Mickey Mouse nicht für alle Ewigkeit besitzen sollte."

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