Mailand setzt Partnerschaften statt Fusionen auf die Tagesordnung
Borsa Italiana erwägt eigenen Börsengang

Im Gegensatz zu früheren Bekundungen schließt die Mailänder Börse einen eigenen Börsengang nicht mehr aus. Der Vorstandschef der Borsa Italiana SpA, Massimo Capuano, erklärte, dass alle Möglichkeiten geprüft würden.

MAILAND. Er räumte jedoch ein, dass ein Börsengang in erster Linie von den eigenen Aktionären abhänge. Die Borsa Italiana befindet sich drei Jahre nach ihrer Privatisierung vollständig im Besitz großer italienischer Banken und Wertpapierhandelshäuser.



"Wenn gewichtige Märkte, wie Frankfurt oder nun auch Euronext an die Börse gehen oder dies planen, dann dürfen wir das nicht übersehen", sagte Capuano in Mailand. Die Handelsplätze befänden sich in einer "Ära der Börsengänge." Gründe dafür gebe es zu Hauf: ein IPO versorge die Börsenbetreiber nicht nur mit frischem Geld, sondern auch mit einer Akquisitionswährung, um flexibler Unternehmensentscheidungen fällen zu können.



Nachdem die Borsa Italiana im Jahr 2000 noch auf eine Integration in die damals geplante, später gescheiterte, Superbörse iX von Frankfurt und London gesetzt hatte, glaubt Capuano heute stärker an Partnerschaften als an Fusionen. "Fusionen haben sich wegen der unterschiedlichen nationalen Rechts- und Regelrahmen als äußerst schwierig erwiesen", gibt er zu. Da aber die Kunden, also Banken und Händler, globale Bedürfnisse hätten, sei es für Börsen unmöglich, auf Dauer allein zu bleiben. Erstes Ziel müsse sein, grenzüberschreitende Transaktionen billiger anzubieten. Während nationale Börsengeschäfte für Händler Kosten von etwa einem Euro verursachten, läge die Belastung bei cross-border Geschäften bei etwa 10 Euro. Vor allem Back-Office-Aktivitäten, wie Clearing und Settlement, seien in diesem Zusammenhang noch viel zu teuer, so Capuano. "Hier ist der Druck für eine Integration am Größten".



Kein Handlungsbedarf bei Handelssystemen

Was die Handelssysteme betrifft, sieht Capuano weniger Handlungsbedarf. Das Mailänder System der Firma SIA habe sich bewährt, die Händler seien zufrieden. Das bedeute aber nicht, dass es nicht auch andere gute Systeme gebe, gibt Capuano Spekulationen Nahrung, die von Anwendungen der deutschen Xetra-Plattform im Ausland sprechen. Auf alle Fälle glaubt die Borsa, dass ein einheitliches Handelssystem in Europa wünschenswert wäre.



Capuano zeigte sich aber äußerst bemüht, in Sachen internationale Partnerschaften keine Hektik aufkommen zu lassen. "Wir sind nicht Angst erfüllt, dass wir uns jetzt sofort mit jemandem verbünden müssen." Die Borsa Italiana habe in den letzten Jahren ein beeindruckendes Wachstumstempo hingelegt und rangiere heute nach London, Frankfurt und Paris auf dem vierten Rang in Europa. Das tägliche Handelsvolumen ist im vergangenen Jahr um 70 % auf 3,4 Mrd. Euro gewachsen. Der Umsatz der Borsa Italiana ist in den zurückliegenden drei Jahren von 14 Mill. auf insgesamt 150 Mill. Euro gestiegen.



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