Mainzer Sender fordert bis zu 2 Euro mehr – Fernsehwerbemarkt weiter in schlechter Verfassung: ARD und ZDF wollen Gebühren erhöhen

Mainzer Sender fordert bis zu 2 Euro mehr – Fernsehwerbemarkt weiter in schlechter Verfassung
ARD und ZDF wollen Gebühren erhöhen

Angesichts sinkender Werbeeinnahmen und hoher Programmkosten fordern ARD und ZDF höhere Gebühren. ZDF-Intendant Schächter rechnet mit einer Anhebung von 8 bis 12 Prozent.

MAINZ/DÜSSELDORF. Das ZDF rechnet fest mit einer Anhebung der Rundfunkgebühren ab 2005. Europas größter Fernsehsender geht von einer jährlichen Steigerung um 2 bis 3 % aus. "Das ist eine realistische Zahl", sagte Intendant Markus Schächter, der vor einem Jahr den Sender übernahm. "Wir gehen davon aus, dass es eine bescheidene Gebührenerhöhung geben wird." Derzeit beträgt die Rundfunkgebühr 16,15 Euro monatlich. Bei einer Erhöhung zwischen 8 bis 12 Prozent über den Gebührenzeitraum 2005 bis 20008 würde sie 17,44 oder 18,09 Euro betragen. Die bisherige Gebührenperiode läuft Ende 2004 aus.

Bis Ende April müssen ARD und ZDF bei der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfes (KEF) ihre Wünsche anmelden. Die KEF bewertet dann bis Ende des Jahres, ob die Sender tatsächlich mehr Geld brauchen. "Die ARD hält eine Gebührenanpassung für notwendig", sagte gestern ein Sprecher ohne konkrete Zahlen zu nennen. ARD-Kreise gehen von einer Anpassung zumindest entsprechend der jährlichen Inflationsrate aus. Das entspricht etwa den Vorstellungen des ZDF. Ob es jedoch zu einer Gebührenerhöhung kommt, ist keineswegs ausgemacht. Auch eine Nullrunde ist möglich, heißt es in KEF-Kreisen.

ZDF und ARD ziehen - wenn es ums Geld geht - nicht unbedingt an einem Strang. Denn die Mainzer wollen zu Lasten der ARD einen höheren Anteil am Gebührenaufkommen. Den forderte Schächter schon vor Monaten vor dem Fernsehrat. Derzeit erhält das ZDF lediglich 4,01 Euro aus der Rundfunkgebühr. "Der Anteil ist variabel - auch in Zukunft", sagte Rainer Conrad, Vorsitzender der KEF, dem Handelsblatt. Bereits in den letzten Jahren stieg der Anteil des ZDF Stück für Stück. Während sich die Finanzlage bei der ARD vergleichsweise gut darstellt, stöhnt das ZDF unter seiner "strukturellen Unterfinanzierung". "Wir gehen mit einem Defizit von 200 Mill. Euro in die neue Gebührenperiode", sagte Schächter. Trotz unterschiedlicher Interessen wollen ARD und ZDF einen Streit um die Gebührenmilliarden vermeiden. "Es wird keine öffentliche Verteilungsdiskussion geben", verspricht Schächter. Hinter den Kulissen wird jedoch längst kontrovers diskutiert.

Am Sparwillen der Mainzer lässt Schächter keinen Zweifel. In diesem Jahr seien die Kosten um 72 Mill. Euro gesenkt worden. Danach werden es jährlich 50 Mill. Euro sein. Bis 2006 will das ZDF 300 Planstellen einsparen.

Die Mainzer mussten im letzten Jahr herbe Verluste bei den Bruttowerbeeinnahmen hinnehmen. Wie Schächter mitteilte, seien 2002 die Einnahmen um 21 % eingebrochen; das entspricht 31 Mill. Euro. Zuletzt beliefen sich die Werbegelder auf etwa 160 Mill Euro. Derzeit beträgt der Anteil des ZDF am Fernseh-Werbemarkt 2,1 %, der ARD 2,6 %. Der Marktführer RTL kommt hingegen auf 29,4 %.

An eine Erholung des Werbemarktes glauben weder die öffentlich-rechtlichen noch die privaten Sender. "Einen Aufwärtstrend sehen wir in diesem Jahr nicht. Wir rechnen frühestens 2005 mit einer Erholung", sagte eine Sprecherin der ARD-Werbetochter. "2003 wird ein schwieriges Jahr", bestätigte auch der ZDF-Chef.

Auch die TV-Konzerne RTL Group und Pro Sieben Sat 1 Media stellen sich weiter auf harte Zeiten ein. "Während die italienischen und französischen Werbemärkte gegenwärtig wenigstens Anzeichen für das Erreichen der Talsohle oder eine ganz leichte Erholung zeigen, wird der deutsche TV-Werbemarkt auf Grund der schlechten Wirtschaftslage und des geringen Verbrauchervertrauen weiterhin schwächer", stellten die Medienanalysten der WestLB Panmure kürzlich fest. Die Bank rechnet mit einem Rückgang des deutschen TV-Werbemarktes von 1,5 % in diesem Jahr.

Angesichts der Krise wird der Ruf der Privaten und einzelner Ministerpräsidenten lauter, ARD und ZDF sollten sich aus der Werbung zurückziehen. Insbesondere der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber unterstützt ein solches Anliegen. Dieser Idee haben der ARD-Vorsitzende Jobst Plog und Schächter jedoch eine Absage erteilt. Auf den "Vitalisierungsschub" durch Werbung könne nicht verzichtet werden, unterstreicht Schächter. KEF-Vorsitzender Conrad verweist darauf, die fehlenden Werbemillionen müssten dann durch Gebührengelder kompensiert werden. Insider gehen bei einem Werbeverbot von einer zusätzlichen Erhöhung um rund 2 Euro aus.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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