Mainzer Sender will sich als Marke außerhalb des Fernsehens präsentieren
Gericht nimmt ZDF-Medienpark unter die Lupe

Der vom scheidenden Intendanten Dieter Stolte initiierte ZDF-Medienpark sorgt für Zündstoff: Per Gerichtsurteil wollen drei Freizeitpark-Unternehmen das 250 Millionen Mark teure Projekt in Mainz verhindern. Geht es nach dem Willen des Senders, soll der Park im Frühjahr 2004 seine Tore öffnen.

HB MAINZ/KÖLN. Das ZDF will sich nicht nur als Senderfamilie, sondern vor allem als Marke profilieren. Teil dieser Marketingstrategie ist der geplante ZDF-Medienpark in Mainz. Heute verhandelt das Oberlandesgericht Koblenz, ob der Freizeitpark gegen das Wettbewerbsrecht verstößt. Stellvertretend für die Branche wollen drei Freizeitparks den Betrieb von Fahrgeschäften durch die größte Fernsehanstalt in Europa gerichtlich untersagen lassen. Sie befürchten große Verluste, sollte das ehrgeizige Projekt tatsächlich Wirklichkeit werden.

Wie das ZDF gestern betonte, fließen keine Rundfunkgebühren in das gewaltige Projekt. Die Finanzierung erfolge durch private Investoren. Der Sender ist über die Tochter ZDF Enterprises GmbH, Mainz, als Minderheitsgesellschafter beteiligt. Der Geschäftsführer der MPEG ZDF Medienpark Projektentwicklung GmbH & Co. KG , Peter Wagner, hat alle Hände voll zu tun, für das umstrittene Projekt zu werben. Insgesamt will das ZDF 250 Mill. DM für den Medienpark auf dem 55 Hektar großen Gelände in Mainz-Lerchenberg ausgeben. Der Sender erwartet jährlich rund 1,4 Mill. Besucher. Die Attraktionen sollen insbesondere Bezug zum Programm haben, beispielsweise zu Sendungen wie "Terra X", "Traumschiff", "Sportstudio" oder "Derrick". Alle Formate, in denen das ZDF Kernkompetenzen besitze, seien für den Medienpark attraktiv, betont ZDF-Kommunikationschef Philipp Baum an.

Zuletzt hatte das Mainzer Landgericht im Mai vergangenen Jahres die Klage abgelehnt. Nach Ansicht der Richter sei der Medienpark des ZDF im Mainzer Stadtteil Lerchenberg ein zulässiges Mittel, um Zuschauer an den öffentlich-rechtlichen Sender zu binden. Der Park, der nach den bisherigen Planungen im Frühjahr 2004 eröffnet werden soll, verletze weder das Rundfunk- noch das Wettbewerbsrecht. Er sei ein geeignetes und zulässiges Mittel des Programm-Marketings.

Den Klägern vor dem Koblenzer Oberlandesgericht sind vor allem die Fahrgeschäfte und Simulatoren ein Dorn im Auge. Der Holidaypark GmbH in Haßloch (Pfalz), das Phantasialand Schmidt und Löffelhard in Brühl und die Senne GmbH-Großwild & Co. KG in Stukenbrock (Westfalen) sehen im ZDF-Medienpark eine unzulässige Konkurrenz. Ein solches Projekt sei mit den Aufgaben einer öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalt nicht vereinbar. Ein Gutachten des sächsischen Medienrechtlers Christoph Degenhart, zuletzt Kritiker der Online-Pläne von ARD und ZDF, kritisierte auch die Ausrichtung und Dimension des Projektes. "Wenn Rundfunkanstalten sich zu wirtschaftlich ausgerichteten Multimediaunternehmen oder Unternehmen der Unterhaltungsindustrie entwickeln, gefährden sie ihre verfassungsrechtliche Legitimation", erklärte Degenhardt.

"Wir erwarten enorme Umsatzverluste", warnte gestern Phantasieland-Gründer Gottlieb Löffelhard. Er sieht wie die anderen Kläger eine Wettbewerbsverzerrung durch das Mainzer Projekt. Der Park werde sicher ein Zuschauermagnet, da er intensiv im ZDF-Programm beworben werde. "Wir müssen hingegen 80 000 DM für einen Werbespot bei den Öffentlichen-Rechtlichen zahlen", erklärte Löffelhard. Wie groß der Werbeeffekt und damit die Wettbewerbsverzerrung sei, habe er bereits vor zehn Jahren selbst erfahren. Damals lud er die ZDF-Sommerhitparade nach Brühl ein. Zum ersten und letzten Mal in der Geschichte des Phantasialandes sei dann der Freizeitpark in der Nähe von Köln wegen Überfüllung geschlossen worden. Durch die geschickte Ausgründung über eine Betreibergesellschaft praktiziere das ZDF zudem eine "Verschleierungstaktik". Im Grunde genommen wolle der Sender den Freizeitpark mit Gebührengeldern betreiben.

In Mainz selbst stößt das ehrgeizige Vorhaben auf Widerstand. Eine Bürgerinitiative der betroffenen Stadtteile befürchtet Lärm- und Verkehrsbelästigungen. Vor allem der gewaltige Nachbau des Luxuskreuzers aus der ZDF-Serie "Traumschiff" sorgt für Ärger. Mit einer Länge von 150 Metern und einer Höhe von 28 Meter verschandele das Schiff die Landschaft, erklärt die Bürgerinitiative.

Für Intendant Dieter Stolte ist der ZDF-Medienpark Teil einer Dachmarken-Strategie. Neben Senderbeteiligungen wie Arte, Phoenix und 3Sat sowie Online-Kooperationen wie mit T-Online ist der Medienpark für ihn ein Baustein im Plan, das ZDF als Mediengruppe stärker zu etablieren.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%