"Mal richtig draufhauen"
Bin Laden wird zur Zielscheibe des Spotts in Amerika

"Die Leute wollen einmal richtig auf ihn draufhauen", sagt ein Ladenbesitzer in Fisherman's Wharf, dem Touristenviertel von San Francisco. Dort werden seit kurzem "Pinatas" mit dem Abbild Osama bin Ladens verkauft. Die als Partyspaß beliebten "Pinatas" sind mit Süßigkeiten gefüllte Pappfiguren, auf die man so lange einschlägt, bis sie platzen und der Inhalt zu Boden fällt.

dpa SAN FRANCISCO. Viele Amerikaner haben den Terroristenführer längst zur Zielscheibe von Hass und Spott erkoren. Mit Computerspielen kann man Bin Laden jagen und töten, mit Pfeilen auf seinen Kopf zielen und mit Gewehren Bin-Laden-Schieß-Scheiben durchlöchern. Die vielleicht geschmackloseste Verunglimpfung des Extremisten hat die Firma Makempay auf den Markt gebracht: Toilettenpapier mit einer Karikatur und der Aufschrift "Time's up! You lose!" (Deine Zeit ist abgelaufen! Du verlierst!). Einem Sprecher zufolge wollte die Firma dem amerikanischen Volk damit etwas "Greifbares" geben und auf humorvolle Weise Erleichterung verschaffen.

Bin Laden ist derzeit in den USA allgegenwärtig. Sein Bild prangt auf Kaffeetassen, Golfbällen und Baseballkappen. Neben T-Shirts mit patriotischen Emblemen, wie Flaggen und Freiheitsstatuen, ist häufig auch eine Bin-Laden-Karikatur zu finden, zum Beispiel im Wild-West- Stil mit der Aufschrift "Wanted, Dead". "Das ist eine uralte amerikanische Verhaltensweise", sagt der Kulturforscher Christopher Geist in der "New York Times". "Wir verteufeln unseren Erzfeind. Wir dämonisieren und entmenschlichen ihn. Das hilft uns dann, zusammenzuhalten, Energie zu entwicklen und die Wut zu verarbeiten."

In den USA ist auch wieder Galgenhumor erlaubt. Im Internet zirkulieren Bilder von einer verschleierten Freiheitsstatue und von George W. Bush mit Turban und langem weißen Bart, für den Fall, dass Amerika von der Taliban überrannt wird. Die satirische Fernsehshow "Saturday Night Live" machte sich über den vom Bildschirm verschwundenen Vize-Präsidenten Dick Cheney lustig, der sich nun angeblich in einer Berghöhle versteckt hält.

Ob Osama bin Laden beim amerikanischen Gruselfest Halloween Ende des Monats eine Hauptrolle spielen wird, ist allerdings fraglich. Das "House of Humor", einer der größten Kostümläden bei San Francisco, hat keine Bin-Laden-Masken im Sortiment. Sie kenne auch keine anderen Geschäfte, die so etwas verkauften, sagt Danielle Fernandez vom "House of Humor". Stattdessen seien "Uncle Sam"-Kostüme, Freiheitsstatuen zum Überziehen und Flaggen-Outfits in rot, weiß und blau in diesem Jahr der Bestseller.

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