Malaysia sucht nach einem neuen Image
Mahathir umwirbt die deutsche Industrie

Malaysias internationales Image ist schlechter als seine wirtschaftliche Lage. Das ist ein Problem seines Premierministers Mahathir Mohamad.

SINGAPUR. Am Dienstag will er, während seines ersten Regierungsbesuchs in Deutschland seit 1988, in München deutsche Unternehmer und Manager von den Vorzügen Malaysias als Investitionsstandort überzeugen.

Mahathir kann gute Wirtschaftsfakten präsentieren. Das Land erwartet 2002 eine reales Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von gut 3 %. Im Gegensatz zum ungeliebten Nachbarn Singapur, der in die tiefste Wirtschaftskrise seit der Staatsgründung 1965 stürzte, schrammte es 2001 mit 0,4% BIP-Wachstum an einer Rezession vorbei.

Malaysias Zentralbank hat einen Devisenschatz von 31 Mrd. US-$ angehäuft - allerdings "wegen eines stark gebremsten Imports", stellt Mohamed Ariff, Chef des Wirtschaftsforschungsinstituts MIER in Kuala Lumpur fest, "weniger wegen der Exportleistung". Die US-Ratingagentur Standard and Poor?s zum Beispiel hat die Kreditwürdigkeit des Landes von "stabil" auf "positiv" aufgewertet.

"Islamisch bedeutet nicht extremistisch"

"Aber", kritisiert Ariff, "beim Zustrom ausländischer Direktinvestitionen bleibt Malaysia hinter vergleichbaren Nachbarn zurück." So registrierte die Investitionsbehörde Mida 2001 ausländische Direktinvestitionen in der verarbeitenden Industrie von nur 18,3 Mrd. Ringgit (5,5 Mrd. Euro) - 7,5% weniger als 2000. Seit dem 11. September habe es Malaysia als "islamisches" Land schwer, klagte die Ministerin für Internationalen Handel und Industrie, Rafidah Aziz, aber "islamisch bedeutet nicht extremistisch".

"Exzellente Infrastruktur, politische Stabilität und günstige Anbindung an die Region" - so lobt BASF-Vorstand Helmut Becks Malaysias Qualität als Investitionsstandort. Der Chemiegigant, einer der größten Auslandsinvestoren im Land, hat bislang gemeinsam mit dem malaysischen Erdölkonglomerat Petronas, Südostasiens größtem Unternehmen, rund 1 Mrd. Euro in den Aufbau einer eigenen Petrochemie investiert. Über 1 Mrd. Euro hat auch Siemens in den vergangenen vier Jahren investiert. "Das Investment in unsere Fabriken wird sich auf Sicht auszahlen", glaubt Rainer Althoff, Siemens-Chef in Kuala Lumpur. In diesen Tagen wird die von Siemens gebaute Expressbahn vom Internationalen Flughafen (KLIA) in das Zentrum von Kuala Lumpur den Betrieb aufnehmen, für Siemens ein Auftrag von 600 Mill. DM. Das mittelständische Familienunternehmen Elektrisola aus dem Bergischen Land, das seit 1992 in Malaysia High-Tech produziert, verdoppelt seine Investition um 150 Mill. Ringgit (45 Mill. Euro).

Skeptischer sind politische Analysten in Kuala Lumpur. Sie sehen unter der Decke der politischen Stabilität Spannungen zwischen den Bevölkerungsgruppen. Inder und Chinesen mucken zunehmend gegen die Privilegienwirtschaft der Malayen auf. Das Bildungssystem entwickelt Züge einer Apartheid. Typisch für das Meinungsklima nach 21 Jahren Autokratie Mahathirs ist, dass niemand mit Namen zitiert werden will. Viel hängt von Mahathirs Auftritt in München ab. Fällt er wieder in seine alte Verschwörungstheorien des Westens zurück, dann wird das Investoren aus dem Mittelstand eher abschrecken.

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