Maliks Kolumne
Golf multikulturell?

Die verbreitete, aber oft bemerkenswert oberflächliche Diskussion über Unternehmenskultur hat eine Reihe von Irrtümern hervorgerufen. Besonders finden sich diese Missverständnisse in der Diskussion über inter- und multikulturelles Management. Der Gedanke, dass Management kulturabhängig ist, ist zwar naheliegend und plausibel, aber wie fast überall im Management ist Plausibilität ein schlechter Wegweiser.

Das Grundübel besteht darin, dass zu wenig zwischen gutem und schlechtem Management unterschieden wird, aber auch nicht zwischen dem ?Was? und ?Wie?. Außerdem wird oft zu Unrecht vom geografischen Wirkungskreis eines Unternehmens auf die Art seines Managements geschlossen.

Klare Ziele sind entscheidend

Was gute Führungskräfte tun, ist rund um die Welt in allen Kulturen gleich oder ähnlich. Ganz einfach, weil es sich aus den Anforderungen der Organisation ergibt. Das ?Wie? kann jedoch verschieden sein. Es hängt von der Kultur ab, aber auch von der Branche oder besonderen demografischen oder sozialen Gegebenheiten, wie etwa dem Bildungsgrad der Menschen.

So findet man in jeder gut geführten Organisation - nicht hingegen in den schlecht geführten - zum Beispiel klare Ziele und eine funktionierende Kontrolle, unabhängig vom Standort und unabhängig davon, ob es ein Wirtschaftsunternehmen oder eine Non-Profit-Organisation ist. Wie das Unternehmen aber zu Zielen kommt und wie es kontrolliert, kann in den einzelnen Kulturen ganz unterschiedlich sein. Ebenso findet man in gut geführten Organisationen effektive Sitzungen, durchdachte Kommunikationssysteme, effizientes Arbeiten, Leistungsqualifikation und systematische Nachwuchsförderung.

Kulturelle Unterschiede

Selbst wenn man Kultur nicht, wie in diesem Beispiel, ethnisch respektive national-geografisch, sondern nach anderen Kriterien definiert, gilt dasselbe: Ob High- oder Low-Tech-Unternehmen, wissens- oder arbeitsintensive Organisationen, Mode- oder Technik-Branchen - das ?Was? guten Managements ist gleich. Die Äußerlichkeiten des ?Wie? können - übrigens auch in ein und demselben Land - verschieden sein, und sind es in der Regel auch. Zum Beispiel wird ein italienisches Werkzeugmaschinenunternehmen völlig anders geführt, als ein italienisches Modeunternehmen. Andererseits finden wir grosse Gemeinsamkeiten bei Werkzeugmaschinenfirmen rund um die Welt und in Modefirmen in verschiedenen Ländern. Sie ergeben sich in erster Linie aus Besonderheiten von Branche, Produkt und Kunden.

Es gibt daher wenig Gründe, großen Wind um interkulturelles Management zu machen, wenn man einmal von der Selbstverständlichkeit absieht, dass jedes Land Sitten und Gebräuche hat, die jeder schon aus Gründen elementarer Höflichkeit kennen und respektieren sollte. Das hat aber nichts mit Management zu tun, sondern mit Kinderstube und Anstand.

Es ist richtig, dass diese längst nicht mehr selbstverständlich sind, im Wesentlichen liegt das an der hohen Zahl von Managern, die eine moderne Gesellschaft braucht. Von anderen Arten des Managements zu sprechen, nur weil es unerzogene und daher ungezogene Leute selbst in höheren Positionen gibt, ist jedoch ein grober Irrtum.

Internationales Management

Dasselbe gilt für "internationales" Management. Weder dieses, noch das Gegenstück, nämlich nationales Management, hat es je gegeben. Was es gibt, sind national oder international respektive multinational operierende Organisationen, übrigens nicht nur Wirtschaftsunternehmen. Ausschließlich national ausgerichtete und tätige Organisationen mögen - und werden - erhebliche und vielleicht unlösbare Probleme haben, wenn sie plötzlich international tätig werden. Das hat aber weniger mit Managementfragen zu tun, sondern damit, dass die Kenntnisse über andere Länder fehlen.

Management ist richtig oder falsch, gut oder schlecht, aber nicht national oder international, mono- oder multikulturell. Es ist genauso wenig nationen- oder kulturabhängig wie Sport. Golf wird überall - wenn man es richtig machen will - gleich gespielt, so wie Tennis oder Schach. Man kann zwar auf viele Weisen Golf falsch spielen, aber nur auf eine richtig. Gewisse Sportarten mögen in gewissen Ländern nicht sehr populär sein und das hat vielleicht mit Kultur zu tun. So ist Skifahren in den USA gewiss kein Volkssport, wie in der Schweiz oder in Österreich. Wenn Amerikaner aber Ski fahren - und vor allem, wenn sie es gut machen - so tun sie es nach denselben Prinzipien wie Schweizer oder Österreicher.

Die Regeln wirksamen und professionellen Managements sind wie Sprachregeln überall gleich: Gutes und richtiges Englisch ist rund um die Welt gleich, weil es eben nur eine Art gibt, Englisch gut und richtig zu sprechen. Der Beweis dafür liegt gerade darin, dass es außerhalb gewisser gebildeten Schichten fast überall grammatisch falsch und in Stil und Aussprache schlecht gesprochen wird. Deswegen aber von inter- oder multikulturellem Englisch - oder im obigen Beispiel Golf - zu sprechen, kommt weder den Anglisten noch den Golfprofis in den Sinn.

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