Mallorcas Party-Szene ist umgezogen
Nichts mehr los am "Ballermann"

In Mallorcas berüchtigtem Sauftempel ist es ruhig geworden. Der "Ballermann" ist wieder zu dem geworden, was er ursprünglich einmal war: ein banales Strandhäuschen mit etwa 50 Tischen, an dem Urlauber nach dem Baden - oder anstelle des Badens - Bier und Sangría (Rotwein-Bowle) trinken.

HB PALMA DE MALLORCA/MADRID. Es steigt niemand im Überschwang auf die Tische. Kein Betrunkener pöbelt Passanten an. Und das soll der berühmte "Ballermann" sein, der vor wenigen Jahren noch für so viele Schlagzeilen gesorgt hatte? Für die einen war die Strandbar an der "Playa de Palma" einst ein Kultlokal gewesen, an dem man bedenkenlos "die Sau rauslassen" konnte. Für die anderen war sie eine Skandalkneipe, um die man einen möglichst großen Bogen machte.

Heute ist der Strandkiosk auf der spanischen Ferieninsel Mallorca weder das eine noch das andere. Der "Ballermann" ist wieder zu dem geworden, was er ursprünglich einmal war: ein banales Strandhäuschen mit etwa 50 Tischen, an dem Urlauber nach dem Baden - oder anstelle des Badens - Bier und Sangría (Rotwein-Bowle) trinken. "Der Ballermann ist tot", stellt die Wochenzeitung "Mallorca Magazin" nüchtern fest. Das Konkurrenzblatt "Mallorca Zeitung" ergänzt: "Und in vielen Discotheken herrscht statt Stimmung Langeweile."

Mallorca-Besucher, die die Insel zum ersten Mal besuchen und einen verstohlenen Blick auf den "Ballermann" werfen, schütteln verwundert den Kopf. "Diese unscheinbare Bude soll einmal einen solchen Trubel ausgelöst haben?", fragen sie sich. Die Verantwortlichen auf der Balearen-Insel, aber auch viele Mallorca-Fans atmen erleichtert auf. Sie hatten den Wirbel um den "Ballermann" als Ärgernis empfunden. Die Saufexzesse an der Strandbar brachten Mallorca in Verruf. Zuweilen wurde sogar die ganze Insel mit der Skandalkneipe identifiziert.

Das "Balneario 6" wie der "Ballermann" mit spanischem Namen richtig heißt ist nur eines von insgesamt 15 baugleichen "Balnearios" (Strandcafés) am Strand von Palma. Deutsche Kegelclubs hatten die Bar mit der Nummer 6 vor vielen Jahren für ihre Trinkgelage ausgewählt und in "Ballermann" umgetauft. In den 90er Jahren griffen die Medien in Deutschland die Besäufnisse auf. Die "Süddeutsche Zeitung" bezeichnete das Lokal als die "wildeste Kneipe seit der Erfindung des organisierten Erbrechens".

Die lokalen Behörden sahen sich zum Einschreiten gezwungen, denn Mallorcas Ruf als Reiseziel nahm immer mehr Schaden. Die Mallorquiner untersagten das nächtliche Abspielen lauter Musik im Freien, verstärkten die Polizeistreifen und eröffneten in unmittelbarer Nähe des "Ballermanns" ein Polizeirevier. In diesem Herbst sollen an der Strandpromenade noch Überwachungskameras installiert werden.

Der Kampf gegen die "Sauftouristen" hatte Erfolg. Allerdings, so scheint es, schossen die Verantwortlichen ein wenig über das Ziel hinaus. Sie vergraulten auch Urlauber, die man eigentlich gern gesehen hätte. Die einzige Gruppe von Besuchern, die den Kneipen rings um den "Ballermann" die Treue halten, scheinen die deutschen Kegelbrüder zu sein. Sie hatten diese Party-Meile einst so populär gemacht, bevor die Exzesse aufkamen. Der Klatschkolumnist Pedro Prieto vom Lokalblatt "Ultima Hora" beschrieb die trinkfreudigen Kegler einmal so: "Sie schwanken, aber sie schwanken diszipliniert."

Ein großer Teil des jungen Publikums hat sich dagegen für eine Alternative entschieden. Die 17- bis 24-Jährigen verwandelten das einstige Fischerdorf Cala Rajada im Osten der Insel in eine Hochburg des Jugendtourismus. "Das Ortszentrum gleicht im Sommer einem riesigen Schullandheim", schreibt das "Mallorca Magazin". In den Straßen herrsche ein Ambiente von Klassenreise und Abiturfeier.

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