Malone will sich nicht beugen: Kartellamt mahnt Liberty Media erneut ab

Malone will sich nicht beugen
Kartellamt mahnt Liberty Media erneut ab

John Malone will den Forderungen des Bundeskartellamtes nicht nachgeben und damit offenbar auf die Übernahme des Fernsehkabelnetzes der Deutschen Telekom verzichten.

wsj/su/slo DÜSSELDORF. "Wir werden nie dumme, kurzfristig gedachte Dinge tun, nur um ins Gesamtbild zu passen", sagte der Chef des US-Medienkonzerns Liberty Media dem Wall Street Journal. Statt das Telekom-Kabel zu kaufen, könne Liberty einige kleinere Firmen übernehmen und so das Engagement in Deutschland verstärken.

Zunächst hat das Kartellamt aber auch diese Pläne gestoppt und Liberty für den Kauf großer Teile des Kabelnetzbetreibers Telecolumbus abgemahnt. Eine solche Übernahme würde die dominante Stellung von Liberty auf dem Kabelmarkt verstärken, teilte die Behörde gestern mit. Die gelbe Karte für Malone kommt nicht überraschend. Bereits bei der Abmahnung für den Kauf des Telekom-Kabels vor zwei Wochen hat das Kartellamt den Telecolumbus-Kauf und die Auswirkungen berücksichtigt. Die Prüfungsfrist für den Kauf der Telecolumbus-Gesellschaften endet am 13. März, die Frist für die Übernahme der Telekom-Netze am 28. Februar. Das Kartellamt hat Malone mehr Engagement auf den Märkten für schnelle Internetzugänge und Telefonie vorgeschlagen, um die Liberty-Dominanz auf dem Kabelmarkt zu kompensieren.

Malone will in Europa ein neues Kabelimperium aufbauen - nach dem Vorbild seiner Tele Inc., -Communications die er 1999 an den US-Telekomkonzern AT&T verkauft hat. Der Liberty-Chef sieht großer Potenzial auf dem europäischen Kabelmarkt. "Eine Konsolidierung der Branche in Europa würden wir gern sehen", sagte Malone. Dann bestehe die Möglichkeit, dass ein den USA vergleichbarer Kabelmarkt entstehe.

Malone ist in Europa bereits an dem Kabelnetzbetreiber UPC in den Niederlanden und an Telewest in Großbritannien beteiligt. Wenn er alle geplanten Übernahmen in Europa vollendet, wird er mit 18 Millionen Abonnenten der größte einzelne Kabelanbieter. "Das sind keine Geschäfte für Schwächlinge", sagt Malone. "Sie sind langfristig, erfordern viel Kapital und sind nicht ohne Risiko. Aber in den USA hat es gar nicht schlecht funktioniert."

Doch in Europa sind die Fernsehgewohnheiten, die Struktur der Branche und die staatlichen Vorschriften sehr unterschiedlich - ungewohnt für Malone, dessen stürmische Art nicht überall gut ankommt. Beispiel: Deutschland. Malone flog eigens nach Berlin, um Bundeskanzler Gerhard Schröder die Übernahme des Telekom-Kabels schmackhaft zu machen. Bei den Aufsichtsbehörden ist das nicht gut angekommen. "Die Amerikaner haben die Neigung zu denken, ihr Modell funktioniert überall - aber das trifft hier nicht zu", sagt etwa Hans Hege von der Landesmedienanstalt Berlin-Brandenburg.

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