Maltas Premierminister Fenech Adami im Interview
"Mit uns wird die EU komplett"

Warum der Beitritt den Ehrgeiz aller Malteser beflügelt hat und wieso Malta in Essenz ein Mikrokosmos Europas ist. Maltas Premierminister Fenech Adami im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Handelsblatt: Glauben Sie, dass Ihre Kinder und Kindeskinder die Entscheidung begrüßen werden, der EU beizutreten?

Adami: Ja, das werden sie. In Malta ist das Gefühl der Zugehörigkeit zu Europa stark. Der Beitritt ist die Erfüllung eines nationalen Ehrgeizes der Malteser. Wir schauen schon immer auf die EU in dem Sinn, dass Malta Teil Europas ist, Teil der europäischen Geschichte. Malta ist in Essenz ein Mikrokosmos Europas, man braucht nur an die Ritter zu denken, die aus verschiedenen Nationen kamen. Die kommenden Generationen werden den Beitritt zu schätzen wissen, es wird positive Reflexe geben. Ich bin fest davon überzeugt.

Was sind Maltas politische Prioritäten sofort nach dem Beitritt im Mai 2004?

Zunächst einmal den hohen Erwartungen gerecht zu werden. Politisch gesehen glaube ich, dass die EU noch mehr als jetzt eine internationale politische Kraft wird. Und Malta wird eine Stimme in dieser Union von 25 Ländern haben, obwohl es ein kleines Land ist. Wir werden uns nicht aufgeben als ein kleiner Staat, sondern wir werden Souveränität teilen - das ist ein Plus für Malta. Dazu haben wir natürlich auch Ambitionen, aber mit anderen 24 am Tisch zu sitzen, ist bereits sehr positiv für Malta.

Und in der Wirtschaftpolitik?

Ökonomisch gesehen haben wir schon 1970 ein Assoziierungsabkommen mit der EU unterzeichnet, also vor mehr als 30 Jahren, und das hat die Integration der maltesischen Wirtschaft in die Gemeinschaft gefördert. Jetzt haben die Menschen große Erwartungen an unsere ökonomische Entwicklung. Wir wissen natürlich, dass das Opfer beinhaltet, aber ich denke die EU-Mitgliedschaft wird der maltesischen Wirtschaft einen Schub geben.

Wollen Sie Mitglied der Währungsunion werden und wann?

Natürlich, so schnell wie möglich. Wenn wir zu Euroland gehören, ist das von großem Nutzen für uns. Natürlich müs-sen wir die erforderlichen Kriterien erfüllen, vor allem unser Defizit in den Griff bekommen. Im vergangenen Jahr haben wir nicht die Daten erreicht, die wir uns vorgenommen hatten. Aber ich glaube, wenn wir erst mal Mitglied sind, werden vielleicht noch 2-3 Jahre vergehen, aber dann sollten wir es geschafft haben

Obwohl, Großbritannien, Ihr engster Partner in der EU, lebt auch ohne den Euro...

Wir haben keine Wahl, wir müssen in die Währungsunion.

Über die Zukunft der EU wird weiter diskutiert. Sie sind eingebunden. Wohin sollen die Reformen führen, zu einer Art "Vereinigte Staaten von Europa", einem "Europa der Regionen" oder zu einer eher lockeren Konföderation von Staaten?

Ich glaube, wir haben ein Problem der Definition. Wenn man von "Vereinigten Staaten von Europa" spricht, hat man ein Modell im Kopf, aber ich glaube, die EU hat sich als etwas eigenes entwickelt. In anderen Worten: es ist falsch zu sagen, wird die EU wohl eine Art "Vereinigte Staaten von Eu-ropa" werden wie es die USA sind. Nein. Wird es eine Konföderation sein? Nein. Es wird etwas anderes sein. Das Produkt dessen, was sich bislang entwickelt hat, wird definitiv eine Union sein, die die Herausforderung meistern muss, die Identität aller Nationen zu bewahren. Aber diese Staaten müssen zusammen arbeiten. Das ist möglich durch die Schaffung eines gemeinsamen europäischen Außenministers. Es gibt noch Diskussionen über andere Ämter und Machtbefugnisse. Aber ich bin positiv davon überzeugt, dass die Union zu einer engeren Kooperation der Mitgliedstaaten kommt.

Herrscht nach dem EU-Referendum und den Wahlen auf der Insel politische Stabilität oder kann sich der Wind wieder drehen wie 1997?

Die Lage ist stabil. Die Labour Party (MLP), die zweit-größte Partei nach meiner (NP), hat den Kurs gewechselt, sie ist jetzt mit an Bord. Die Gefahr eines Rückschritts besteht nicht mehr. Ich habe das erwartet, dass sie mitziehen.

Und wie ist die öffentliche Meinung in Malta zum EU-Beitritt eingestellt?

Jetzt kann man sagen dass die Entscheidung mehrheitlich Zustimmung gefunden hat. Ich glaube in Malta herrscht generell Genugtuung vor.

Wer werden Ihre Alliierten in der EU sein und werden die Briten ihre Sonderstellung behalten?

Natürlich ist die Beziehung zu Großbritannien besonders eng. Außerdem sind die Beziehungen zu Italien traditionell eng. Kulturell verbindet uns vieles. Dann Spanien. Die europäischen mediterranen Länder und Großbritannien. Wenn es um maltesische Anliegen geht, suchen wir Hilfe.

Was bringt Malta in die EU ein?

Wir sind der südlichste Zipfel Europas, mit uns wird die Union komplett. Unsere Aufgabe wird sein, die mediterrane Dimension der EU zu stärken.

Das Interview führte Regina Krieger.

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