MAN-Chef Rudolf Rupprecht scheut größere Veränderungen
Rudolf Rupprecht: Kämpfer gegen die Zerschlagung

Der Aktienkurs liegt am Boden, der Großaktionär Allianz hegt Verkaufspläne: Der MAN-Chef braucht schnelle Erfolge, wenn er den Mischkonzern zusammenhalten will.

MÜNCHEN. Rudolf Rupprecht ist groß, stämmig und bodenständig - Typ Bilderbuch-Bayer. Dabei wurde der Chef des Münchener Mischkonzerns MAN in Berlin geboren. Doch längst fühlt sich der 61-Jährige fest verwurzelt mit seiner zweiten Heimat. Mit seiner Frau wohnt er in einer konzerneigenen Villa direkt vor der Stadtmauer Augsburgs. Zu seinem Lieblings-Gasthaus in der historischen Innenstadt ist es nur einen Steinwurf weit. Die Wirtin kennt ihn inzwischen: "Herr Dr. Rupprecht ist ein kritischer Gast."

Frisch gemahlenem Pfeffer über Zimteis und Feigen etwa kann Rupprecht nicht viel abgewinnen. Wenn Dinge nicht so sind, wie er es gewohnt ist, kann er richtig grantig werden.

Rupprecht ist ein barocker Typ. Er liebt gewachsene Traditionen, sammelt alte Bücher und bevorzugt gediegenes Mobiliar. Sein ganzes Leben verläuft in geordneten Bahnen. Was den Beruf angeht, sagt er schmunzelnd, "hatte ich keine Wahl. Der Vater war auch schon Ingenieur."

Wenn Rupprecht über große Dieselmotoren für Schiffe redet, gerät er regelrecht ins Schwärmen. Aber diese Momente sind selten. Er hat auch nicht die Geltungssucht anderer Konzernmanager, sondern gilt als jemand, der die Ärmel aufkrempelt und das offene Wort mit den Beschäftigten sucht.

Kaum jemand kennt den Konzern besser als er. Seit 35 Jahren, sein halbes Leben, arbeitet er für MAN. Nach seiner ersten Station im Diesel-Bereich sanierte er die Druckmaschinen-Tochter MAN Roland, anschließend brachte er die Nutzfahrzeuge wieder in Fahrt. Diese Erfolge prädestinierten ihn geradezu, 1996 Nachfolger von Klaus Götte an der Konzernspitze zu werden.

Sanierer-Qualitäten braucht Rupprecht jetzt mehr denn je: Vor allem der Hauptumsatzträger Nutzfahrzeuge bereitet MAN massive Probleme. Im ersten Halbjahr 2001 ist der Gewinn eingebrochen. Dazu kam das Desaster bei der neuen englischen Tochter ERF, die das Ergebnis mit 150 Millionen Euro belastet.

Doch seinem Konzern drohen noch andere, viel größere Gefahren: Der Aktienkurs des Maschinen- und Anlagenbauers ist auf ein Dreijahrestief abgestürzt. Nur noch karge 3,8 Milliarden Euro beträgt der Börsenwert. Unversehens könnte MAN das Opfer einer feindlichen Übernahme mit anschließender Zerschlagung werden.

In der Gerüchteküche brodelt es seit Monaten. VW-Chef Ferdinand Piëch, heißt es, würde sich nach der schwedischen Scania auch gerne die Lkw-Sparte von MAN unter den Nagel reißen.

Bitter für den MAN-Chef: Ausgerechnet in der Not kann sich Rupprecht auf seinen Hauptaktionär Allianz nicht mehr felsenfest verlassen. Denn der Versicherungsriese hat angekündigt, sich von seinen gesamten Industriebeteiligungen zu trennen.

Verzweifelt wehrt sich MAN-Urgestein Rupprecht gegen die drohende Zerschlagung. Gerade in der aktuellen Krise, trommelt er, sei die breite Diversifikation eine Stärke. Doch auch Rupprecht weiß: Mischkonzerne wie MAN bestraft die Börse mit einem Konglomerats-Abschlag. Um Analysten und Investmentbanker zu besänftigen, hat er deshalb bereits mehrfach angekündigt, sich von Randbereichen zu trennen. Passiert ist freilich nicht viel.

Den agilen Ex-Investmentbanker Paul Achleitner, Allianz-Finanzvorstand und MAN-Aufsichtsrat, führte er kürzlich durch die Werkshallen. Ob Rupprecht ihn dabei für den Erhalt von MAN gewinnen konnte?

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%