"Man hat uns eine reingehauen"
Kanada wehrt sich gegen Reisewarnung der WHO

Mit scharfen Worten hat sich Kanada gegen eine SARS-Reisewarnung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gewehrt, die nach Aussage kanadischer Regierungsvertreter politisch motiviert sei. "Offen gesagt, die WHO hat uns eine reingehauen", sagte der Ministerpräsident der Provinz Ontario, Ernie Eves am Donnerstag. Kanada ist das einzige Land außerhalb Asiens, in dem Patienten an dem Schweren Akuten Atemwegssyndrom (SARS) gestorben sind.

Reuters TORONTO. Toronto, die Hauptstadt Ontarios, wurde mit der chinesischen Hauptstadt Peking von der WHO Mitte der Woche als eines von drei Reisezielen genannt, die möglichst nicht mehr angesteuert werden sollen. Die Gesundheitsbehörde der USA schloss sich der WHO-Warnung nicht an und erklärte am Donnerstag, Reisende nach Kanada seien nicht besonders gefährdet, sich anzustecken. In den USA wurde der SARS-Virus der Behörde zufolge bei sechs Patienten festgestellt, 39 Menschen seien wahrscheinlich infiziert.

"Ich denke, da ist Druck durch die Entscheidung für (eine Reisewarnung gegen) China entstanden, und sie brauchten einen weiteren Sündenbock", sagte Donald Low, Chef der Mikrobiologie an einer großen Klinik in Toronto. Gesundheitsministerin Anne McLellan beschwerte sich bei der WHO darüber, dass deren Entscheidung auf der Grundlage veralteter Daten gefallen sei. Die US-Behörde CDC erklärte, die Ausbreitungswege in Kanada seien bekannt und unter Kontrolle. Solange Reisende Vorsicht walten ließen und den Kontakt mit gefährdeten Personen mieden, spreche nichts dagegen, in das Nachbarland zu fahren.

Nach der Reisewarnung sind in der Wirtschaftsmetropole Toronto Konferenzen abgesagt worden, Hotels leeren sich von Geschäftsreisenden und Touristen, und auch die Einkaufsstraßen sind leer. Die Stadt trägt 20 % zur kanadischen Wirtschaftskraft bei.

Die kanadische Zentralbank warnte davor, dass die Ausbreitung der Krankheit das Vertrauen der Verbraucher und Geschäftsleute in die Wirtschaft des Landes erschüttern könne. Es sei aber noch zu früh, um das Ausmaß abzuschätzen, sagte der Vizegouverneur der Bank, Paul Jenkins. Unabhängige Volkswirte haben ihre Prognosen für das kanadische Wachstum unter anderem unter Hinweis auf SARS bereits gesenkt. Die Zentralbank rechnet derzeit mit einem Wachstum von 2,5 %. Darin sind keine Folgen von SARS eingerechnet.

Seit dem Ausbruch der Krankheit haben sich in Toronto und Umgebung rund zehntausend Menschen freiwillig in Quarantäne begeben. 16 Menschen starben an der Lungenkrankheit, und rund 330 Patienten gelten als wahrscheinlich infiziert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%