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Man nehme: Viel Geld und einen nach Internet klingenden Namen

Mit aller Macht und einem recht einfachen Konzept drängen die traditionellen Konzerne ins E-Business.

Das Jahr 2000 ist das Jahr der E-Business-Ankündigungen. Neue E-Business-Unternehmen schießen bei uns wie Pilze aus dem Boden. Daimler-Chrysler, Deutsche Bank, Eon, Siemens - die Reihe ließe sich fast beliebig fortsetzen. Kaum ein deutscher Konzern von Rang und Namen, der nicht vorgibt, sich durch das Internet neu zu erfinden. Das Geschäftsmodell ist in fast allen Fällen identisch: Man nehme einen (mindestens zweistelligen) Millionenbetrag und einen nach Internet und Aufbruch klingenden Namen und zeigt es "denen" mal so richtig.



Mit "denen" sind die vielen echten Internet-Unternehmen gemeint, die es gewagt haben, mit ein paar Leuten, Mut und einer pfiffigen Idee in den Revieren der Großen zu wildern. Doch damit ist jetzt Schluss! Zitat eines Siemens-Managers: "Bisher dominieren noch Dot-com-Unternehmen, langfristig werden aber viele vom Markt verschwinden." Das ist mehr als eine Warnung, die Luft für die Dot-coms wird dünner.



Deutschlands größter Elektronik-Konzern will zu einer "e-driven Company" werden und hat in München ein "Center of E-Excellence" gegründet. Sämtliche Geschäftsprozesse sollen auf eine E-Business-Plattform überführt werden. Kostenpunkt: Rund 1 Mrd. DM innerhalb der nächsten 18 Monate.



Daimler-Chrysler geht bei seiner Wandlung zum weltweiten E-Business-Konzern ähnlich vor - und zwar mit größter Eile. Internetangebote wie autoweb.com oder autobytel.com zwicken den Autogiganten gewaltig. Die Daimler-Manager haben erkannt, dass sich die Kunden sehr wohl im Internet informieren, ja sogar gelegentlich Autos kaufen. Und ein leuchtender Stern aus Stuttgart weist ihnen dabei nicht den Weg. Aber auch die vielen neue entstanden B2B-Marktplätze möchte der Konzern am liebsten aus der Welt schaffen.



Der Plan: Die Daimler-Chrysler AG soll das erste "durchgängig vernetzte Automobilunternehmen" werden. Dieses Ziel nannte Eckhard Cordes, im Daimler-Chrysler-Vorstand verantwortlich für Strategie und Informationstechnik. Der Konzern stellt rund 650 Mill. Euro bereit, um sich an Unternehmen zu beteiligen, die entsprechendes Wissen haben. Hinzu kommen nach früheren Angaben Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe für den Ausbau der internen Informationstechnik. Die Einkaufsplattform "Covisint", an der unter anderen auch General Motors und Ford beteiligt sind, ist derart mächtig, dass es nahezu unmöglich ist, für unabhängiges Unternehmen auf diesem Markt erfolgreich zu sein.



Die in diesem Jahr vorgestellten Business-Pläne der traditionellen Konzerne klingen allesamt nach Hau-Ruck-Aktion oder Dampfwalzen-Strategie. Immer handelt es sich um Summen, bei denen es Internet-Unternehmern schwindelig wird. Nun gilt es zu beobachten, was 2001 aus den E-Investitionen geworden ist. Und es bleibt zu hoffen, dass möglicht viele Dot-coms überleben.

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