Management bleibt trotz verschobenem Börsengangs unter Druck: Kommunen wollen bei EnBW Kasse machen

Management bleibt trotz verschobenem Börsengangs unter Druck
Kommunen wollen bei EnBW Kasse machen

Das Management der Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) bleibt unter Druck. Auch wenn der Aufsichtsrat des drittgrößten deutschen Energiekonzerns heute beschließt, die geplante Aktienplatzierung zu verschieben, bleibt nicht viel Zeit, das Unternehmen herauszuputzen.

brb STUTTGART. Die Kommunen werden darauf drängen, so bald wie möglich Kasse machen zu können. "Wir sind positiv gestimmt, dass wir noch in diesem Jahr eine Lösung finden", sagt Jochen Kübler, Oberbürgermeister von Öhringen gegenüber dem Handelsblatt. Er spricht für zwei große kommunale Zweckverbände. Die verkaufswilligen baden-württembergischen Kommunen halten 17,8 % der Anteile an der EnBW. Insgesamt will der Karlsruher Energiekonzern rund 25 % der Aktien an der Börse platzieren. Derzeit werden nur 1,5 % der Aktien an der Börse notiert.

Analysten halten den derzeitigen Kurs der EnBW-Aktie von 34 Euro für wenig aussagekräftig. Nur zu einem deutlich niedrigeren Aktienkurs geben sie einer Platzierung einer Chance. Ihre Schätzungen liegen bei 25 bis 27 Euro - ein Preis, mit dem die Kommunen nicht einverstanden wären. Das Land Baden-Württemberg hat für den Verkauf ihrer EnBW-Aktien an den größten europäischen Energiekonzern Electricité de France (EdF) im vergangenen Jahr 38,5 Euro erhalten. "Die Kommunen erwarten einen Preis von mindestens 33 Euro", sagt Kübler . "Versorger haben es derzeit an der Börse schwer", erklärt hingegen Lüder Schumacher, Analyst der Deutschen Bank. Es sei nicht absehbar, wann sich dieser Trend ändere.

EnBW-Chef Gerhard Goll will den Zeitgewinn durch eine Verschiebung des Börsengangs dafür nutzen, die Aktie herauszuputzen. Stille Reserven, zum Beispiel durch Verkauf von Immobilien, sollen den Aktionären sichtbar gemacht werden.

Im vergangenen Jahr konnte die EnBW insbesondere durch Konsolidierungen den Umsatz um rund 34 % auf 7,8 Mrd. Euro steigern. Ohne Zahlen zu nennen hat Goll eine Ergebnisverbesserung angekündigt.

Erklärungsbedürftig für Aktionäre bleibt auf jeden Fall Golls Einkaufstour außerhalb des Stromsektors. Der ehemalige Staatsrat unter Ministerpräsident Erwin Teufel betreibt gern Regionalpolitik. Manches Unternehmen, das einen Geldgeber sucht, hat Goll unter das schützende EnBW-Dach genommen. Jetzt wird er sie nur schwer wieder los, wie zum Beispiel den Schuhhersteller Salamander. Als Ganzes dürfte Salamander kaum zu verkaufen sein, heißt es in Firmenkreisen.

Zur Verschiebung des Börsengangs könnte auch der Imageschaden auf Grund der Pannen im Kernkraftwerk Philippsburg beigetragen haben. Philippsburg kommt zudem nicht so schnell aus den Schlagzeilen, nachdem nun auch noch ein Untersuchungsausschuss im Landtag von Baden-Württemberg droht.

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