Management Buyout-Modelle am Beispiel der Deutschen Beteiligungs AG
Kapitalbasis für die Zeit nach dem Generationswechsel

Private Equity, also außerbörsliches Beteiligungskapital, wird jetzt vom Mittelstand als Finanzierungsquelle zur Regelung der Unternehmensnachfolge verstärkt eingesetzt. Einmal ist der Markt reifer geworden, andererseits hat die Erbengeneration weniger Berührungsängste gegenüber Finanzinvestoren "von außen".

nw/pk FRANKFURT/M. Eine der erfahrenen Gesellschaften für Private Equity ist die Deutsche Beteiligungs AG (DBAG) in Frankfurt. Seit 1965 hat sie gut zwei Mrd. Euro investiert, in den vergangenen 20 Jahren wurden über 200 Transaktionen im deutschen Mittelstand realisiert. Nach Abschluss des gegenwärtigen "Fund Raisings", des Einsammelns von Anlagekapital, werden der DBAG aus eigenen Mitteln und aus dem von ihr gemanagten "Fonds IV" rund 100 Mill. Euro jährlich für mittelständische Buyouts zur Verfügung stehen. Die meisten Unternehmen, die für die Mittelvergabe in Frage kommen, haben einen Wert von mehr als 50 Mill. Euro. Daraus leiten sich Eigenkapitalinvestments - direkt oder gemeinsam mit anderen Fonds - von 10 Mill. bis maximal rund 60 Mill. Euro ab. Üblicherweise entfallen bei einem Management-Buyout (MBO) - also der Übernahme des Unternehmens durch vorhandene Führungskräfte - rund 40 % auf Eigenkapital und eigenkapitalähnliche Darlehen. 60 % werden über Fremdkapital finanziert.

DBAG-Vorstandssprecher Wilken von Hodenberg nennt eine Reihe von Voraussetzungen, die die Zielunternehmen erfüllen müssen. Besonderen Wert legt man auf das vorhandene Management, denn es soll das Unternehmen auch künftig führen. Die bisherigen Eigentümer müssen in der Regel bereit sein, eine Mehrheitsbeteiligung seitens der DBAG zu akzeptieren. Das setze bei Familieninhabern voraus, dass sie zur Vorbereitung eines MBO schon frühzeitig ein entsprechendes Team von Führungskräften aufbauen, dass dann die Leitung des Unternehmens übernimmt. Letztlich läuft ein MBO auf einen Rückzug des bisherigen Eigentümers hinaus, jedoch kann er seinem Unternehmen über eine Minderheitsbeteiligung weiter verbunden bleiben. Bei einem MBO müssen sich die Manager im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten selbst engagieren. "Der Beitrag des jeweiligen Managers soll so hoch sein, dass er im Verlustfall schmerzt, aber nicht den Ruin bedeutet", steckt von Hodenberg die Bandbreite ab.

Der Vorteil von Eigenkapitalbeteiligungen sei auch darin zu sehen, dass der auf das Eigenkapital entfallende Cash flow "praktisch zu 100 Prozent im Unternehmen bleibt, denn die Investoren verlangen keine laufende Verzinsung während der Haltedauer", so von Hodenberg. Die Laufzeit der Beteiligung betrage rund fünf Jahre, danach erfolge üblicherweise ein Verkauf an industrielle Partner oder Finanzinvestoren ("trade sale") bzw. ein Börsengang. In der Regel werde der Unternehmenswert über die Haltedauer deutlich gesteigert: Bei einem gelungenen Exit ließen sich dann zweistellige Renditen erzielen. Das Management partizipiere am Verkaufserlös bei Erreichen vorher vereinbarter Ziele weit überproportional, gemessen an den direkten Eigenkapitalinvestitionen. Favorisiert werden bei der DBAG vor allem Firmen aus der "old economy". Dazu zählen Unternehmen aus dem Handel und dem Maschinen- und Anlagenbau. "Klassische industrielle Themen des deutschen Mittelstandes", wie von Hodenberg erklärt. Aber die Auswahlkriterien sind streng. Von 300 bis 400 geprüften Investitionsmöglichkeiten pro Jahr werden letztlich nur drei bis fünf Beteiligungen realisiert.

Ein MBO kann nach Ansicht von Josef Trischler vom Verband deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) eine echte Alternative sein, wenn die Eigner im Rahmen eines Generationswechsels über den Rückzug aus dem aktiven Geschäft nachdenken. Trischler warnt Unternehmer, die eine Beteiligungsgesellschaft als Finanzier ins Unternehmen holen wollen und dann denken, es würde sich nichts ändern. Nicht selten werde das Unternehmen nach einem MBO an wechselnde Investoren weiter gereicht. Folge: Nach einiger Zeit ist es dann nicht mehr wiederzuerkennen oder es verschwindet völlig vom Markt. "Dies ist sicher nicht die Perspektive, die die meisten Unternehmer von der Zukunft ihres (Familien-)Unternehmens haben", sagt Trischler, der die Abteilung Betriebswirtschaft beim VDMA leitet.

Günstiger stellten sich vor allem kleinere Unternehmen mit zeitlich begrenztem Bedarf an Entwicklungskapital durch stille Beteiligungen oder anderen nachrangigen Darlehensformen zum Beispiel durch eine Landesbeteiligungsgesellschaft.

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%