Management der Zulieferkette nur in kleinen Schritten: Im E-Business gilt für Automanager jetzt die Kunst des Machbaren

Management der Zulieferkette nur in kleinen Schritten
Im E-Business gilt für Automanager jetzt die Kunst des Machbaren

Bei den E-Business-Strategen der Autobranche kehrt Pragmatismus ein. Machbares und Effizientes war auf der Handelsblatt-Tagung "E-Business-Strategien in der Automobilindustrie" in Mainz gefragt.

stw MAINZ. "Im E-Business macht heute niemand mehr etwas nur wegen strategischer Überlegungen", sagte Klaus Kaplaner, Chef der BMW-Tochter Nexolab. Immer sei ein konkreter Fall mit entsprechenden Renditezielen die Grundlage.

Vor allem im Kontakt der Hersteller mit den Zulieferern, dem Supply Chain Management (SCM), sieht Kaplaner riesiges Potenzial. Die Autokonzerne hätten ihre Läger zwar praktisch abgeschafft, aber dafür müssten die Zulieferer nun Reserven vorhalten. Das müssten sie nicht, wenn sie via SCM stets die aktuelle Produktionsplanung bekämen. Mit einer Vernetzung bis zum letzten Zulieferer ließen sich nahezu 20 % der Lagerkosten sparen.

Doch von diesem oft propagierten Ziel ist die Branche noch weit entfernt, die Liste der Enttäuschungen ist lang. Zum Beispiel müsse man sich von dem Traum verabschieden, alle IT-Systeme eines Unternehmens zu harmonisieren, sagte Norbert Seiter vom Zulieferer Hella KG. Das sei schon wegen der vielen Unternehmenskäufe in den vergangenen Jahren überhaupt nicht machbar. Zuhörer aus der Zulieferindustrie beklagten die Vielfalt der Systeme bei den Herstellern. Niemand wisse zurzeit, welche Investition sich lohne. Immer wieder klang durch, dass das mit großem Anspruch gestartete Einkaufsportal Covisint nicht in Gang komme. Kaplaner steuerte Ernüchterndes aus der Praxis bei. Er kenne Fälle - nicht BMW - wo zwischen den vom Hersteller elektronisch bestellten Teilen und der am nächsten Tag tatsächlich abgerufenen Menge eine Differenz von 70 % liege. Wenn die Prozesse beim Hersteller nicht funktionierten, helfe auch Vernetzung nicht.

Kaplaner sieht die Probleme im Rollenverständnis von Herstellern und Zulieferern. Sie müssten zu neuen Partnerschaften kommen und sich Chancen und Risiken des SCM teilen. BMW arbeite gerade an einem solchen Modell, Details nannte er aber nicht.

Auch Hella hat Konsequenzen gezogen und konzentriert sich vorerst auf eine Web-Version der etablierten Vernetzungstechnik EDI. Es sei schon viel damit gewonnen, dieses System durchgängig in allen Stufen der Zulieferkette einzusetzen, Papierformulare abzuschaffen und deren elektronische Version zu standardisieren, sagte Seiter. Auch er hätte gern weiter gehende Lösungen, aber man müsse sich auf das Machbare konzentrieren.

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