Management des Baukonzerns meldet Insolvenz an
Holzmann bricht zusammen

Der Baukonzern Holzmann ist pleite. Der Vorstand meldete am Donnerstag Insolvenz an, nachdem sich die Banken nicht auf eine Rettung hatten einigen können. Die Suche nach den Schuldigen beginnt.

jkn FRANKFURT/M. Rund zweieinhalb Jahre nach dem spektakulären Versuch von Bundeskanzler Gerhard Schröder, den Baukonzern Holzmann zu retten, ist der Konzern unter der Schuldenlast zusammengebrochen. Trotz des eindringlichen Appells des Vorstands an die Gläubigerbanken blieben Dresdner Bank, Commerzbank und Hypo-Vereinsbank bei der Ablehnung des Rettungskonzepts. Am Abend meldete das Holzmann-Management Insolvenz an.

Offensichtlich will das Holzmann- Management eine reine Abwicklung des Unternehmens verhindern. Wie das zuständige Amtsgericht am Donnerstag mitteilte, möchte der Holzmann-Vorstand den Gläubigern einen Insolvenzplan vorlegen. Dieses Mittel, das mit dem neuen Insolvenzrecht geschaffen wurde, ermöglicht es dem Management, gemeinsam mit dem Insolvenzverwalter das Unternehmen fortzuführen. Der Frankfurter Rechtsanwalt Ottmar Hermann soll das Insolvenzverfahren bei Holzmann übernehmen. Dies teilte das Amtsgericht Frankfurt mit.

Noch in allerletzter Minute hatte die Deutsche Bank als größter Kreditgeber und Anteilseigner von Holzmann für ein Überbrückungspaket noch einmal in die eigene Kasse gegriffen. Die Bank wolle 50 Mill. Euro als Barmittel zur Verfügung stellen, hatte Holzmann-Finanzchef Johannes Ohlinger am Donnerstag erklärt. Zusätzlich habe das Institut eine Aval-Linie über 10 Mill. Euro zugesichert. Avale sind Bürgschaften, die Baufirmen ihren Bauherren zur Absicherung der Projekte einräumen.

Doch diese Nachbesserungen des Überbrückungspakets halfen ebenso wenig wie der Appell der IG Bau, den Konzern zu retten. Auch rund 500 im Frankfurter Bankenviertel demonstrierende Holzmann-Mitarbeiter konnten Dresdner Bank, Commerzbank und Hypo-Vereinsbank nicht dazu bewegen, in die Riege der positiv gestimmten Gläubiger zurückzukehren.

Unmittelbar nach Bekanntwerden der Insolvenz begann bei allen Beteiligten die Suche nach den Schuldigen. "Die Deutsche Bank setzte sich nachdrücklich für ein klar strukturiertes Entschuldungskonzept ein, dem letztlich jedoch drei Banken ihre Unterstützung verweigerten", erklärte die Deutsche Bank. Dagegen kritisierte die Commerzbank, ein tragfähiges Fortführungskonzept sei noch nicht einmal in Grundzügen entwickelt worden.

Bundeskanzler Schröder sagte am Donnerstagabend, er bedauere, dass das Stabilisierungskonzept nicht umgesetzt worden sei. Einen Kompromiss zum Erhalt des Unternehmens hätte er begrüßt. Eine neuerliche Rettungsaktion kündigte Schröder nicht an.

Holzmann musste 2001 Verluste von 237 Millionen Euro verkraften. Damit sei das Eigenkapital aufgezehrt, sagte Ohlinger. Von der Insolvenz sind bei Holzmann 23 000 Beschäftigte betroffen. Hinzu kommen Tausende weiterer Stellen bei den Zulieferfirmen. Bei den Kreditinstituten steht Holzmann mit 1,5 Mrd. Euro in der Kreide. Darüber hinaus drohen den Banken weitere Verluste, da Bürgschaften über 1,8 Mrd. Euro fällig werden können.

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