Management erwirbt alle Anteile des Unternehmens
Pro Sieben Sat 1 verkauft Nachrichtenagentur ddp

Der TV-Konzern Pro Sieben Sat 1 Media AG hat sich nach langen Verhandlungen von der Nachrichtenagentur ddp getrennt. Das ddp-Management übernimmt das Unternehmen rückwirkend zum 1. Juni 2003, wurde gestern mitgeteilt. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart, er dürfte sich aber nicht in nennenswerter Höhe bewegen.

cbu MÜNCHEN. Schon seit längerem sucht Pro-Sieben 1-Chef-Sat Urs Rohner nach einem Käufer für ddp. Der Grund: Der Verlustbringer gehöre nicht mehr zum Kerngeschäft von Deutschlands größtem TV-Konzern, heißt es. In den vorigen Monaten wurde offenbar mit mehreren Interessenten gesprochen, auch mit Verlagshäusern.

Jetzt übernimmt aber die SFG Beteiligungs-GmbH 100 % der ddp- Anteile. Mehrheitsgesellschaft der SFG sind ddp-Geschäftsführer Lutz Schumacher und der Vertriebsleiter Wilfried Hub. Der Einstieg soll über Darlehen finanziert werden, sagte ein Sprecher von Pro Sieben.

ddp bezeichnet sich als zweitgrößte deutsche Nachrichtenagentur. Marktführer ist mit weitem Abstand die Deutsche Presse-Agentur (dpa) aus Hamburg. ddp mit Hauptsitz in Berlin beschäftigt rund 160 fest angestellte Mitarbeiter. dpa kommt dagegen auf gut 1 200. Zuletzt geriet angesichts der allgemeinen Zeitungskrise aber auch der Marktführer, der von den großen Medienunternehmen getragen wird, unter Druck. Daneben sind in Deutschland internationale Agenturen wie Reuters, AP, AFP, Bloomberg oder Dow Jones aktiv.

Durch den Management-Buy-Out bleibt ddp unabhängig. Die Geschäftsbeziehung zur Pro-Sieben- Sat 1-Gruppe sei langfristig gesichert, hieß es gestern. Nach eigenen Angaben hat ddp rund 400 Kunden. Noch der alte Pro-Sieben-Chef Georg Kofler, jetzt Boss des Pay-TV-Unternehmens Premiere, übernahm 1998 die Nachrichtenagentur, die damals noch unter ddp/ADN firmierte. ADN war die frühere staatliche Agentur der ehemaligen DDR. Der Name wurde im Jahr 2000 getilgt. Kofler träumte damals vom Aufbau eines umfassenden Medienkonzerns. Er gründetet 2000 auch den Nachrichtenkanal N 24.

Die Mehrheit an Pro Sieben Sat 1 wurde vor vier Wochen vom US-Investor Haim Saban übernommen. Es wird erwartet, dass der neue Eigentümer den Konzern wieder auf Gewinn trimmt. Die Pro Sieben- Sat 1-Aktie lag gestern mit fast 3 % im Minus bei 9,50 Euro.

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