Management fehlt eine Erfolg versprechende Konzernstrategie bei Warenhäusern
Analysten haben wenig Hoffnung für Karstadt-Quelle-Aktie

Würde am Samstag der Essener Einzelhandelskonzern Karstadt-Quelle liquidiert und das eingezahlte Eigenkapital an die Aktionäre zurückgegeben, wäre die Freude unter ihnen groß. Für jeden Anteil erhielten sie dann nämlich 14,24 Euro - fast einen Euro mehr, als man ihnen dafür derzeit an der Börse zahlt.

DÜSSELDORF. Das Vertrauen der Finanzmärkte in Europas größten Warenhaus- und Versandhandelskonzern ist dahin. In den vergangenen zwölf Monaten verlor die einstmals im Dax gehandelte Aktie 61,14 % ihres Wertes, während der Dax selbst nur um rund 45 % nach unten rutschte.

Glaubt man den Börsenexperten, wird sich an der Talfahrt vorerst wenig ändern. 10 von 22 Analysten, die der Informationsdienst Bloomberg in den vergangenen sechs Monaten befragte, gaben für Karstadt-Quelle einen eindeutig negativen Ausblick. Eine Kaufempfehlung sprach niemand aus.

"Ein verlorenes Jahr", kommentierte Sal. Oppenheim die von Karstadt-Quelle vor kurzem vorgelegten Zahlen für 2002, die deutlich hinter den Vorjahreswerten zurückblieben. Allein wegen der stillen Reserven von 2,7 Mrd. Euro im Immobilienbesitz, ließ die Bank die Bewertung unverändert bei "neutral".

Immerhin erwarten viele Analysten für 2003 positive Impulse aus dem ertragreichen Immobiliengeschäft. Und auch der boomende Versandhandel, der bei Karstadt Quelle - inzwischen die Hälfte des Umsatzes generiert, ist ein Lichtblick.

Den Essener Konzern plagen allerdings gleich zwei veritable Verlustbringer: Erstmals seit der Fusion von Karstadt und Quelle rutschten die 190 Warenhäuser des Konzerns auch ohne außerordentliche Belastungen in die Verlustzone. Die Effekte des vor zwei Jahren aufgelegten, kostspieligen Restrukturierungsprogramms, mit dem der Geschäftsbereich wieder auf Vordermann gebracht werden sollte, sind offenbar verpufft. Nun will Karstadt-Chef Wolfgang Urban mit einem um 40 % erhöhten Werbebudget nachlegen.

Währenddessen scheint das Management diejenigen 80 Warenhäuser nicht in den Griff zu bekommen, die wegen ihrer geringen Größe und ihres schlechten Standortes nicht in Karstadts "Themenhaus"-Konzept passen. Was mit ihnen geschehen soll, wollte man eigentlich im April entscheiden. Doch bislang hat Urban lediglich angekündigt, die Sortimentsbreite in diesen Häusern zu verringern.

Noch trostloser sieht die Lage bei Karstadts Fachgeschäften aus, zu denen unter anderem die Filialisten Sinn-Leffers, Wehmeyer, Runners Point und Schaulandt zählen. Mit jedem Euro Umsatz verlor der Konzern 2002 dort im Durchschnitt fast 10 Cent. Bis auf Runners Point gingen die Umsätze in sämtlichen Fachgeschäften zurück - zum Teil sogar trotz Flächenausweitung. Abgesehen vom schrittweisen Verkauf der verlustreichen Schaulandt-Standorte bleibt Konzernchef Urban auch hier den Aktionären die Antwort darauf schuldig, wie man mit den Ketten wieder in die schwarzen Zahlen zurückkehren will. Volker Bosse, Analyst der Hypo-Vereinsbank, rechnet daher für Karstadts stationären Handel auch 2003 mit einem negativen Ertrag vor Steuern (EBT) von 115 Mill. Euro, 2004 soll das Minus 66,2 Mill. Euro betragen.

Zu einem zweiten Verlustbringer hat sich die Touristiksparte entwickelt. Das Defizit des zusammen mit Lufthansa gehaltenen Joint Ventures Thomas Cook riss 2002 ein Loch von 72 Mill. Euro in die Konzernkasse. Nach dem Ende des Irak-Krieges rechnen Experten allerdings mit einer Belebung im Reisemarkt - und schwarzen Zahlen in diesem Bereich.

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