Management-Holding mit vier Teilkonzernen
Aus Bayer Alt wird Bayer Neu

Nach einem völlig missglückten Jahr 2001 hat sich die Führung des Chemie- und Pharmariesen Bayer AG für 2002 zwei Ziele gesteckt: Sie will den Konzern völlig umkrempeln und gleichzeitig den Gewinn deutlich verbessern.

agr LEVERKUSEN. Beides hängt allerdings eng zusammen, denn der höhere Gewinn soll vor allem aus Unternehmensverkäufen und aus Konstensenkungen resultieren, wie Bayer - Chef Manfred Schneider und sein designierter Nachfolger Werner Wenning gestern auf der Bilanzpressekonferenz in Leverkusen erklärten.

Schneider rechnet mit ein bis zwei Milliarden Euro Gewinn aus den Verkäufen. Gleichzeitig erwartet er schon für das laufende Jahr "ergebniswirksame Netto-Einsparungen von mehr als 500 Mill. Euro". Das Kostensenkungsprogramm sieht ab 2005 jährlich 1,8 Mrd. Euro Einsparungen vor.

Zum Verkauf stehen neben dem Geschäft mit Haushaltsinsektiziden der Duftstoffhersteller Haarmann & Reimer (H&R), die Tochter Rhein Chemie Rheinau und die Beteiligung an Polymer Latex. Schneider zufolge gibt es mehrere Interessenten für eine komplette Übernahme von H&R. Verbindliche Angebote erwarte er bis Mai und einen Vertragsabschluss im Laufe des Sommers. Gleiches gelte für die Rhein Chemie. Auch den Anteil an Polymer Latex will Bayer noch in diesem Jahr veräußern. Den größten Teil seines Wohnungsbestandes hat der Konzern schon Anfang des Jahres an die Essener Treuhandstelle GmbH abgegeben.

Umbau soll Wettbewerbsfähigkeit verbessern

Von diesen Randgeschäften bereinigt, will Bayer den Konzern in eine Management-Holding mit vier Teilkonzernen in der Rechtsform einer Aktiengesellschaft sowie drei Servicegesellschaften umbauen. "Wir wollen ein neues Bayer schaffen", sagte Schneider. Die neue Eigenständigkeit soll die Töchter beweglicher machen, vor allem bei der Suche nach Partnern. Wenning verspricht sich davon auch Synergien im hohen dreistelligen Millionenbereich. Der Umbau solle aber nicht in erster Linie die Kosten senken, sondern die Wettbewerbsfähigkeit der Geschäftsfelder verbessern.

"Wir wollen den Bayer-Konzern als Ganzes zusammenhalten", stellte Wenning klar. Im Arbeitsgebiet Gesundheit habe die Suche nach Partnern oberste Priorität. Mit Aventis Behring hat Bayer bereits eine Absichtserklärung zur Gründung eines Joint Ventures unterzeichnet. Für die Chemiesparte sucht der Konzern ebenfalls Partner. Gespräche darüber liefen, sagte Schneider. Bei den Polymeren will Bayer am kräftigsten umstrukturieren. Im Bereich Pflanzenschutz steht die Integration der 2001 übernommenen Aventis Crop Science im Vordergrund.

Während die Führung mit Hochdruck den Umbau des Konzerns betreibt, lief das Geschäft in den ersten Monaten 2002 schleppend an. "Der Januar war enttäuschend, der Februar verlief nach den ersten, vorläufigen Daten besser und die Stimmung in den ersten Märztagen hellt sich auf", beschrieb Schneider den zähen Start. Eine konkrete Ergebnis- und Umsatzprognose für 2002 will das Unternehmen wegen der konjunkturellen Unsicherheit nicht riskieren. "Wir warten zunächst die weitere Entwicklung im ersten Quartal ab", sagte Wenning.

Das Jahr 2001 hat schließlich eindrücklich demonstriert, wie schnell Prognosen hinfällig werden können. Während die Sparten Polymere und Chemie mit der schwachen Konjunktur kämpften, erschütterte eine Pannenserie den Pharmabereich in seinen Grundfesten. Am härtesten traf Bayer der Verlust des Verkaufsschlagers Lipobay: Der Konzern nahm das Medikament nach einer Reihe von Todesfällen von Patienten vom Markt. Die Pharma-Pannen kosteten Bayer rund eine Milliarde Euro. Das operative Ergebnis brach denn auch im vergangenen Jahr um 51 % auf 1,6 Mrd. Euro ein, der Konzerngewinn um 47 % auf knapp eine Mrd. Euro. Die Aktionäre müssen es ausbaden: Die Dividende sinkt von 1,40 auf 0,90 Euro je Aktie.

Bayer-Zahlen übertrafen Analysten-Erwartungen

Dennoch übertrafen die Zahlen die Erwartungen der Analysten. "Die Zahlen von Bayer sind sehr robust", sagte Deka-Fondsmanager Trudbert Merkel. Analyst Dirk Thiele von der BHF-Bank zeigte sich vom positiven Ausblick erfreut. Die Bayer-Aktie stieg um knapp ein Prozent.

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