Manager bauen Kassenbestände ab und kaufen Aktien zu
Fondsmanager blasen zur Aufholjagd

Die Aktienkurse sind in der letzten Zeit zu stark gefallen, meinen Fondsmanager, und kaufen wieder stärker Aktien zu. Allerdings rechnen die Manager noch nicht mit einem nachhaltigem Aufschwung. Dafür müssten die Firmengewinne steigen und die volkswirtschaftlichen Daten ein besseres Bild bieten.

FRANKFURT/M. Die Jagd nach billigen Schnäppchen am Aktienmarkt ist in vollem Gang. Wie eine Umfrage des Handelsblatts ergab, bauen die Manager der großen deutschen, europäischen und internationalen Fonds derzeit ihre Barreserven ab und steigen an der Börse ein. In jüngster Zeit seien die Kurse zu stark gesunken, heißt es, und außerdem erwarten viele Fondsmanager mittelfristig eine Erholung, wenngleich die Börse auch weiterhin schwankungsanfällig bleibe.

Zu den Gesellschaften, die ihre Barreserven am stärksten zurückgefahren haben, gehört die Deutsche-Bank-Tochter DWS, unter anderem Bei ihren Fonds Vermögensbildungsfond 1, DWS 50 Top Welt und DWS Akkumula wurden Quoten von 15 % zur Jahresmitte auf 7 bis 8 % zurückgefahren - und die Manager erwägen einen weiteren Abbau. Aktienchef Klaus Kaldemorgen hat unter anderem Versicherer und SAP zugekauft. Er hält es für ein gutes Zeichen, dass der Konjunkturpessimismus weiche. Positiv sieht er auch, dass manche Titel stiegen, obwohl es schlechte Nachrichten gebe. Beispiel Telekom: Interimschef Helmut Sihler habe ja gesagt, entweder wolle er eine Kapitalerhöhung oder Voicestream verkaufen - beides sei für den Aktienkurs negativ, und der Titel sei trotzdem gestiegen.

Rally im Bärenmarkt

Ebenso wie die Fondsmanager der deutschen Activest-Fonds hat auch SEB-Invest-Aktienfonds-Manager Axel Zeuner seine liquiden Mittel deutlich heruntergefahren, rechnet er doch mit einer fortgesetzten Erholung. Er hat seine Barreservequtoe von bis zu 5 Prozent im Mai auf 3 Prozent gesenkt. Seine Cashquote "in Richtung ein Prozent" weiter abbauen will er aber erst, wenn der wichtige charttechnische Widerstand bei 3 950 Punkten überschritten worden sei. Dann sieht er nämlich Potenzial bis Jahresende bis zu 4 700 Punkten im Deutschen Aktienindex (Dax). Wie Zeuner bezieht sich auch Jens Ehrhardt aus München, einer der größten bankunabhängigen Vermögensverwalter hierzulande, auf die Charttechnik. "Die Stimmung an der Börse ist übertrieben schlecht gewesen", sagt er, nun rechnet er mit einer technisch bedingten Erholung - "einer Rally im Bärenmarkt" - , wobei er sich auf etwa sechs Monate bezieht. Daher hält Ehrhardt momentan nur noch Barreserven zwischen 20 und 25 Prozent; bis Juni lagen die im Schnitt noch bei 45 Prozent. Allerdings beont der Vermögensverwalter, der langfristige Abwärtstrend beim Dax sei noch nicht gebrochen, daher längerfristig Vorsicht angebracht.

Damit trifft er den Tenor der Fondsmanager, die sich überwiegend auf die fundamentaler Faktoren verlassen. Dazu gehört auch DWS-Manager Volker Dosch, der nur von einer mittelfristigen Aufwärtsbewegung ausgeht: "Die Bäume werden nicht in den Himmel wachsen." Denn der MArkt wolle Verbesserung bei den volkswirtscahftlichen Daten sehen sowie einen nachhaltigen Gewinnanstieg bei den Unternehmen.

Fondsmanager erwarten Range von 3 200 bis 4 400 Punkten

Deka-Fondsmanager Reinhard Pfingsten betont, er rechne zwar bis zum Jahresende mit Zuwächsen bis zu 10 Prozent - bei seinem Europa-Aktienfonds AriDeka liegt denn auch seine Barreserve zurzeit unter einem Prozent. Doch gleichzeitig warnt er davor, die wirtschaftliche Lage allzu rosig einzuschätzen: Noch werde der Konsum durch die schlechte Börsenstimmung gedämpft. Und die Unternehmen investierten nicht oder verzögerten Investititonen, weil sie entweder keine Kredite bekämen oder hohe Zinsen dafür zahlen müssten. Auch sei es unrealistisch zu erwarten, dass in den USA selbst bei anziehender Konjunktur ähnliche Wachstumsraten wie zwischen 1995 und 2000 zu erwarten seien.

Limits sind dem Aktienmarkt auch nach der Einschätzung der Activest gesetzt, wie Fondsmanager Stefan Müller erklärt. Zwar seien alle drei deutschen Aktienfonds im Moment voll investiert, nachdem noch vor vier bis sechs Wochen Barreserven zwischen 5 und zehn Prozent gehalten worden waren. Doch die Manager sind der Meinung, dass der Dax in diesem Jahr innerhalb der Tradingrange von 3 200 bis zu 4 400 Punkten verharren dürfte. Gegen Jahresende könnte der Index das obere Ende der Range erreichen.

Fonds bauen Reserven weiter ab

Manche Fondsmanager - etwa bei Fidelity und UBS - betonen, eine niedrige Barreservenquote allein sei kein Zeichen für eine positive Börseneinschätzung. "Wenn Aktienfonds als Etikett dransteht, sollten auch Aktien drin sein", sagt etwa Pfingsten.

Dennoch: Fakt ist, das die meisten Fonds ihre Reserven weiter abbauen oder bereits stark investiert sind. Offensichtlich erwarten sie also zumindest mittelfristig Gewinne.

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