Manager, die in diesem Jahr von sich reden machten
Von Aufsteigern, Absteigern und Tatverdächtigen

Medienkrise und Bilanzskandale: Mancher Visionär, manche Pop-Ikone der Wirtschaft musste abdanken. Nüchterne Macher haben die Macht übernommen.

Der Herr über das magentafarbene T hat gleich eine ganze Halle in Hannover gemietet. Bundeskanzler Gerhard Schröder und Kanzlerkandidat Edmund Stoiber erweisen dem Starmanager auf der Cebit ihre Referenz. Ron Sommer ahnt im Frühjahr nicht, welche Rolle sie ihm später im Wahlkampf zudenken werden. Und die beiden Politiker wissen davon ebenfalls noch nichts.

Zwei Monate später legt Sommer die aktuelle Bilanz vor: Milliardenschulden und der hohe Nettoverlust lassen sich nicht schön reden. Wenig später fällt die T-Aktie unter den Ausgabekurs. Ein reichlich blasser Sommer steht Ende Mai in der Köln Arena vor den Aktionären - Pfiffe, Buhrufe, Sprechchöre erschallen. Vor deren Wut bekommt jetzt die SPD Angst und nutzt sie für ihren Wahlkampf. Es folgt der T-Day (16. Juli): Sommer muss gehen.

Sein Rücktritt ist die große Chance für Kai-Uwe Ricke. Aber der Chef der Mobilfunk-Sparte ist nicht erste Wahl. Erst nachdem nahezu alle dankend abgelehnt haben, die in der deutschen Wirtschaft Rang und Namen haben, darf der 41-Jährige in das Büro des Vorstandsvorsitzenden im Bonner Hauptquartier umziehen. Mit ihm rücken T-Online-Chef Thomas Holtrop und Mobilfunkchef René Obermann in den Vorstand auf, der Ricke einmal ablösen könnte.

Das zu Ende gehende Jahr wird als Jahr der spektakulären Hinausschmisse in die Geschichte eingehen. Da zeigt sich ein deutscher Verteidigungsminister in Zeiten von Afghanistan und drohendem Irak-Krieg beim Wasserspiel mit einer Gräfin und stürzt darüber. Und seinen PR-Berater Moritz Hunzinger - ein Mann der sie angeblich alle kennt - will mit einem Mal keiner mehr kennen.

Es fegt auch machtbewusste Bosse von Technologie- und Medienhäusern wie Vivendi-Chef Jean-Marie Messier und einst gefeierte Vordenker wie AOL-Chef Robert Pittman von ihren Chefsesseln. In Deutschland strauchelt Mobilcom-Gründer Gerhard Schmid über die eigenen ehrgeizigen Pläne und unterliegt im Streit mit France Télécom. Der Patriarch der Kirch-Gruppe, Leo Kirch, wird von Mächten aus seinem Unternehmen gedrängt, denen er nach endlosem Kampf nichts mehr entgegensetzen kann: den Gläubigerbanken.

Für Überraschung sorgt die Entlassung von Thomas Middelhoff. Der Vorstandsvorsitzende von Bertelsmann scheidet im Juli aus dem Gütersloher Medienkonzern aus. Nicht nur die Internet-Fangemeinde ist schockiert. Immerhin hat der Mann, der intern zwar nie unumstritten war, bis zuletzt gute Zahlen vorgelegt. Doch seine Strategie kollidiert mit den traditionelleren Ansichten des Aufsichtsrates. Zuletzt kehrt ihm auch die Familie Mohn den Rücken zu.

Mancher vermutet, dass an seinem Abgang eine Dame mitgewirkt hat: Liz Mohn. Die 61-jährige Gattin des Verlegers gewinnt in diesem Jahr an Einfluss. Sie wird Vorsitzende des Bertelsmann-Verwaltungsrates und hat damit die Kontrolle über die Aktienmehrheit beim Medienriesen.

Zu den Gewinnern des Jahres gehört auch Jürgen Weber. Ihm gelingt der Turnaround - schon zum zweiten Mal in seiner Karriere als Lufthansa-Chef. Nach den Terroranschlägen von New York schreibt seine Airline erstmals nach acht Jahren rote Zahlen. Doch der Chefpilot schafft schneller als erwartet die Wende, obwohl der Konkurrenzdruck durch aggressive Billigflieger wie der Ryanair des Iren Michael O?Leary steigt. Nur zwölf Monate später fliegt Weber das Unternehmen in die Gewinnzone. Das ist die Krönung seiner Karriere, die er im kommenden Jahr beenden wird, wenn er den Steuerknüppel an Wolfgang Mayrhuber übergibt.

Gut läuft es auch für Dieter Zetsche. Vor zwei Jahren hat ihn Konzernchef Jürgen Schrempp in die Chrysler-Zentrale nach Auburn Hills geschickt, um die Krise beim US-Partner in den Griff zu bekommen. Zetsche schafft die Trendwende und liefert dieses Jahr wieder schwarze Zahlen. Damit empfiehlt er sich für höhere Weihen wie sein Kollege Bernhard Mattes von Ford in Köln.

Andere Firmenlenker wie der Chef des Oberhausener Maschinen- und Anlagenbauers Babcock-Borsig haben wenig Glück und Geschick. Klaus Lederer habe mit dem Verkauf des "besten Babcock-Stücks", der Werftengruppe HDW, den Konzern in die Pleite geführt. So lautet einer der gegen ihn erhobenen Vorwürfe. Lederer steigt unfreiwillig zum "meistgehassten Manager" der Republik auf und tritt dann ab.

Wachsendes Misstrauen schlägt vor allem den Firmenlenkern in den USA entgegen. Das macht selbst vor Managerlegende Jack Welch nicht halt. Das Bild des Ex-Chefs von General Electric verliert nach einer Schlammschlacht im Scheidungskrieg mit seiner Frau an Glanz. Sein Stern sinkt genau wie die der betrugsverdächtigen Manager Dennis Kozlowski, ehemals Chef des US-Konzerns Tyco, und Bernie Ebbers, Ex-Chef des Telekomkonzerns Worldcom.

Land unter auch in der Finanzszene der Schweiz, wo reihenweise Topführungskräfte abtreten und Krisenmanagern Platz machen müssen. Dagegen geht die Amtsübergabe beim Spitzenposten, den Deutschland zu vergeben hat, wohl geordnet über die Bühne. Im Mai übernimmt Josef Ackermann den Vorsitz im Vorstand der Deutschen Bank und löst eine Kulturrevolution aus: Der Schweizer ist der erste Ausländer an der Spitze und er verfügt im verkleinerten Vorstand über mehr Macht als seine Vorgänger.

Nicht weniger revolutionär geht es rheinabwärts bei Bayer in Leverkusen zu. Da übernimmt Werner Wenning im April die Macht und treibt die Aufspaltung des Konzerns in vier selbstständige Aktiengesellschaften voran, wogegen sich sein Vorgänger Manfred Schneider immer gewehrt hat. Doch die Suche nach einem Partner für die durch den Lipobay-Skandal geschädigte Pharmasparte gestaltet sich für den Aufsteiger schwierig, auch weil Bayer Einfluss verliert.

Das hat Heiner Kamps schon hinter sich. Er scheidet Ende November aus dem operativen Geschäft seines Backimperiums aus - der letzte Akt der Übernahme durch die italienische Nudel-Dynastie Barilla.

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