Manager erwarten tief greifende Umwälzungen
Investitionen in E-Business steigen

Die Internet-Euphorie ist vorbei. Doch der neue Realismus ist weit davon entfernt, das E-Business auszubremsen. Europaweit sehen sich Unternehmer erst am Anfang der Entwicklung und planen trotz Wirtschaftsflaute weiter umfangreiche Investitionen. Dabei sind deutsche Manager allerdings skeptischer als andere.

HB DÜSSELDORF. Obwohl messbare Erfolge noch Mangelware sind, setzen Europas Unternehmen mehr denn je auf eine elektronische Vernetzung ihrer Aktivitäten. Große Firmen der so genannten Old Economy haben die Vorreiterrolle übernommen und wollen mehr in E-Business investieren denn je.

Für die kommenden zwölf Monate sind trotz Wirtschaftsflaute im Schnitt bis zu 15 % mehr Ausgaben für E-Projekte eingeplant als im Vorjahr. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Unternehmensberatung Accenture. Im vierten Jahr in Folge wurden 840 Vorstandsmitglieder aus 25 Ländern zu ihren E-Business-Aktivitäten befragt.

Die zentrale Aussage ist klar: Ging es früher noch darum, der Konkurrenz um jeden Preis voraus zu sein, setzen die Unternehmen heute auf solide Planung und erreichbare Ziele. Längst stehen auch Umsatzsteigerungen nicht mehr im Vordergrund: Nur 13 % nennen das noch als vorrangiges Ziel. Die Aktivitäten konzentrieren sich statt dessen auf Ziele wie verkürzte Lieferzeiten, kostengünstigere Zahlungsabwicklungen und geringere Vertriebs- und Lagerkosten.

Doch der Weg ist noch weit. Jedes Unternehmen arbeitet zur Zeit an mehreren Projekten gleichzeitig - bei deutschen Industrieunternehmen sind es laut Cap Gemini Ernst & Young im Schnitt zehn. Davon seien die meisten noch in der Testphase, was den Anstieg der Investitionen erkläre. Denn wirklich teuer sind nicht die Planungen, sondern die Integration der Systeme in vorhandene Strukturen.

Doch hohen Kosten zum Trotz sind die Unternehmen vom Erfolg ihrer Anstrengungen überzeugt. Mehr als die Hälfte der von Accenture befragten europäischen Manager gaben an, dass sich bereits Erfolge abzeichneten. Doch im Detail zeigen sich deutliche Unterschiede. Nur jedes dritte deutsche Industrieunternehmen etwa registriert operative Erfolge durch E-Business, sprich Kostensenkungen oder Gewinnsteigerungen. So jedenfalls das Ergebnis der Studie von Gap Gemini.

"Große Potenziale"

Selbst ein Unternehmen wie Daimler-Chrysler, E-Business-Vorreiter in Deutschland, kann den Erfolg seiner Projekte noch nicht mit konkreten Zahlen belegen. Lediglich "große Potenziale" vom Einkauf bis zur Verbesserung der Kundenbindung durch das im August gestartete Online-Portal sieht bisher Andreas Vill, Sprecher E-Business bei den Stuttgarter Konzern. Sobald sich ein Projekt in der Testphase als aussichtsreich erwiesen habe, werde weiter investiert, erläutert er.

Deutsche Manager sind generell skeptischer als ihre europäischen Kollegen. Während europaweit für 63 % der Manager E-Commerce Alltag ist, gilt das in Deutschland nur für 46 %. Auch halten nur 43 % der deutschen Manager E-Commerce für überlebenswichtig, europaweit sind es 53 %.

Unbefriedigende Erträge, Sicherheitsbedenken und Akzeptanzprobleme sind die häufigsten Argumente, die deutsche Manager vorbringen. Und das, obwohl 78 % einräumen, dass sie "tief greifende Veränderungen" in den kommenden drei Jahren erwarten.

Thomas Köhler, Sprecher der deutschen Accenture-Geschäftsführung, warnt: "Die deutschen Unternehmen müssen jetzt bereit sein für Innovationen, sonst laufen sie Gefahr, abgehängt zu werden." Das gilt um so mehr, als 83 % aller Befragten überzeugt sind, dass durch neue Technologien wie Mobil-, TV- oder Voice-Commerce bald noch dramatischere Veränderungen auf die Wirtschaft zukommen werden als durch den bisher üblichen E-Commerce.

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