Manager-Fortbildung in Japan und Korea
Der Reis ruft

Die EU schickt Manager nach Fernost und trägt fast alle Kosten - ein wenig bekanntes Programm wird zum Karriere-Turbo.

Vor vier Jahren hat Holger Clasing einen Hauptgewinn gezogen - seiner Ansicht nach. Der 34jährige Geschäftsführer des Logistikdienstleisters B2X Semiconductor GmbH in München wechselte über das europäische Executive Training Programme (ETP) für 18 Monate nach Japan - für den Asien-Fan ein "Sechser im Lotto".

Mittlerweile lebt er wieder in München, ist mit einer Japanerin verheiratet und schwärmt noch immer vom östlichen Wunderland: "Es ist faszinierend, wie die Menschen miteinander umgehen. Keiner versucht, den anderen zu beklauen, alle sind liebenswürdig und zurückhaltend."

Weniger positiv hat Jochen Hillebrand die fremde Kultur erlebt: "Japan ist eine der kaputtesten Gesellschaften, die ich je getroffen habe: narzistisch und rassistisch." Dennoch will auch der Vertriebsmanager der Software-Firma Metafinanz Informationssysteme den Aufenthalt nicht missen: "Das war so ein richtiger Karrierepusher."

Jedes Jahr werden 40 Manager gefördert

Beide Manager haben vom Bemühen der Europäischen Union (EU) profitiert, europäischen Firmen über die Ausbildung ihrer Führungskräfte den Geschäftskontakt mit Japan zu erleichtern. Seit über zwanzig Jahren schon werden jährlich rund vierzig Jungmanager mit EU-Mitteln nach Nippon geschickt - und verschaffen sich damit beste Aufstiegschancen in der Heimat.

Im diesjährigen Durchlauf ist das Programm um das Zielland Korea erweitert worden. Fünfzehn Leute sollen neun Monate lang Koreanisch lernen und in lokalen Firmen hospitieren: "Der koreanische Markt hat für die europäischen Firmen an Bedeutung gewonnen", begründet Francisco Garcia, ETP-Programmmanager bei der Europäischen Kommission, die Neuausrichtung. Doch Japan bleibe Zielland Nummer eins.

Durchschnittlich 110 000 Euro investiert die Union in jeden Teilnehmer des Japan-Programms: Unterricht, Lebenshaltungskosten, Versicherung - fast alles übernimmt Brüssel. Trotzdem ist das Training nicht überlaufen, die vierzig Kandidaten werden aus gerade mal hundert Bewerbungen ausgewählt.

Einzige Aufgabe: Das Gastland verstehen lernen

Eine Bedingung muss dabei unbedingt erfüllt sein: "Wir nehmen nur Leute aus Firmen, die Geschäftsbeziehungen zu Japan haben oder zumindest aufbauen wollen", betont Garcia. Eine Absichtserklärung genügt nicht, der Business-Plan muss überzeugen.

In einem Assessment Center in Brüssel werden die Anwärter unter die Lupe genommen. Pluspunkte bringen internationale Erfahrung sowie ausgeprägtes interkulturelles Interesse, Selbstdisziplin und Kommunikationsfähigkeit. Nur eine einzige Aufgabe müssen die Auserwählten erfüllen: Ihr Gastland verstehen lernen. Dafür geht es zurück in die Grundschule. In Japan dauert der Sprachkurs zwölf Monate, in Korea sechs. Unterrichtet wird den ganzen Tag in Kleinstgruppen mit drei Teilnehmern.

Die Lehrer sprechen kein Englisch - und arbeiten nach dem lokal gebräuchlichen Schulsystem: "Man hat den Status eines Erstklässlers und wird auch so behandelt", erinnert sich Clasing. Gelernt wird durch Wiederholung - wenn nötig dutzendfach, Fragen sind unzulässig, diskutieren nutzt nichts: "Und wenn Sie ganze Tage schwänzen, gibt es Gehaltsabzug", ergänzt Hillebrand.

Ein echter Schocker

Zur Gewöhnung an den Frontalunterricht kommt der Kulturschock. Clasing: "Die ersten Tage befindet man sich in einem völligen Kommunikationsvakuum. Die wenigsten Japaner sprechen Englisch, nichts können Sie lesen, sich nur mit Händen und Füßen unterhalten."

Ein "grausamer Sprung" war der Wechsel nach Tokio auch für Jan Peter Arnz. Der 42-jährige Geschäftsführer der Schmiede Carl Sülberg GmbH hatte zuvor mehrere Jahre in den USA verbracht. Auf direkte Amerikaner folgten nun indirekte Japaner, nach Hamburgern und Fritten kamen roher Fisch und Reis.

Erst nach etwa sechs Monaten setze die Gewöhnungsphase ein, berichten die Teilnehmer. Die Sprachkenntnisse reichen dann, um Gesprächen auf Japanisch zu folgen, es ergeben sich auch Kontakte außerhalb der europäischen Gruppe. Nach zwölf Monaten sollten alle in der Lage sein, Firmenberichte zu lesen, sich in Diskussionen einzubringen und Präsentationen auf Japanisch zu halten, erklärt EU-Vertreter Garcia.

Praktikumssuche auf japanisch

Denn die Konversationsfähigkeiten haben die Europäer im abschließenden Praktikum bitter nötig. Sechs Monate lang hospitieren sie in japanischen Unternehmen, schon die Praktikumsplätze müssen sich die ETPler mit Unterstützung der Kommission selber suchen. Laut einem Bericht der Kommission kommen die Jungmanager ganz überwiegend in den Bereichen Handel und Dienstleistungen unter, auch Elektrotechnik und Maschinenbau sind vertreten.

Zu viele Erwartungen an echte Projektarbeit sollte keiner haben, "das Praktikum ist vor allem dazu da, Kontakte zu knüpfen", meint Programm-Teilnehmer Arnz. Bei einem Maschinenbauer außerhalb Tokios wechselte der deutsche Fachmann durch sämtliche Abteilungen, musste als Europäer auch mal Vorträge über Land und Leute daheim und die Einführung des Euro halten.

Dennoch: Wie Jochen Hillebrand bringt auch den meisten anderen ETP-Teilnehmer der Japan-Aufenthalt den gewünschten Karriereschub - unter Umständen jedoch nicht in ihrer Entsenderfirma. Christian Schwarzkopf, Vorsitzender der ETP Association, des Alumni-Netzwerkes von ETP, kennt den Grund: "Nicht alle Unternehmen sind in der Lage, ihren Mitarbeitern eine Aufgabe zu bieten, in der sie ihre neuen Kenntnisse auch nutzen können" - etwa weil sich die Strategie geändert hat. Wer aber so viel in das Studium von Wirtschaft, Sprache und Kultur Japans investiert habe, der wolle dann im Job damit zu tun haben.

Und außerdem: So mancher kommt gar nicht mehr zurück: Ein Drittel aller ETP-Teilnehmer lebt heute im Land der aufgehenden Sonne.

Jetzt bewerben!

Die Bewerbungsfrist für den diesjährigen Durchlauf des Executive Training Programme (Korea und Japan) läuft noch bis Anfang August. Die Auswahl übernimmt die Personalberatung SHL.

Ansprechpartnerin:
Frau Birgit Graff, SHL Deutschland GmbH
Hans-Henny-Jahnn-Weg 17
22085 Hamburg
Tel.: 040/227 27 6-0
etp.germany@shlgroup.com

Mehr Infos unter: www.etp.org

ETP Alumni-Netzwerk: www.etpaj.org

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