Manager gehen von Bord – Bewegung in den Bieter-Konsortien
Aufbruchstimmung bei Kirch Media

Der Verkauf der insolventen Kirch Media ist noch lange nicht abgeschlossen, da verlassen bereits die ersten Manager das Unternehmen. Die Anzeichen mehren sich, dass Leo Kirchs Stammgeschäft aufgeteilt wird.

jojo MÜNCHEN. Im Rennen um die insolvente Kirch Media haben offenbar drei Konsortien die Nase vorn: Die Commerzbank zusammen mit dem Hollywood-Studio Columbia, der französische Sender TF 1 gemeinsam mit dem US-Medienunternehmer Haim Saban sowie die Investmentbank Lehman Brothers in Verbindung mit dem saudischen Prinzen Al Waleed.

Noch ist allerdings nichts entschieden. Erst im September soll feststehen, wer Leo Kirchs Stammgeschäft (Pro-Sieben-Gruppe, Film- und Sportrechte-Handel) endgültig übernehmen darf. In Münchener Bankenkreisen hieß es gestern, dass nach wie vor viel Bewegung in den Bietergemeinschaften sei. So wird nicht ausgeschlossen, dass Mitglieder des bisherigen Konsortiums der Verlage Springer, Bauer, Spiegel und Hypo-Vereinsbank sich anderen Gruppen anschließen. Dieses Konsortium hatte bislang nur 1,4 Mrd. Euro geboten und gilt deshalb als chancenlos. Allerdings wollte die Gruppe um Springer Kirch Media ohne die Sportrechte erwerben. Die höchste Offerte mit 2,6 Mrd. Euro soll von Haim Saban und TF 1 stammen. Ganz aus dem Rennen ist dagegen offenbar der amerikanische Medienkonzern Viacom.

In den nächsten Wochen bekommen die drei favorisierten Bieter nun einen tieferen Einblick in die Bücher von Kirch Media. Erst nach dieser eingehenden Unternehmensprüfung, der so genannten Due Diligence, müssen sie verbindliche Angebote abgeben. Deshalb ist noch völlig offen, ob das Münchener Unternehmen als Ganzes oder in Teilen an den Mann gebracht wird.

In München wird allerdings bereits seit längerem darüber spekuliert, dass die Einzelteile separat veräußert werden könnten. Der Abgang von Sportrechte-Chef Alexander Liegl gab diesen Vermutungen am Wochenende neue Nahrung. Der Jurist verlasse Kirch Media in gegenseitigem Einvernehmen, sagte ein Kirch-Sprecher, ohne Details zu nennen. Liegl hatte erst vor wenigen Wochen wieder die Fußball-Bundesliga-Rechte für Kirch Media ergattert. Darüber hinaus hat er in den vergangenen Monaten die Rechte an der Fußball-WM erfolgreich vermarktet. Die Sport-Sparte von Kirch wird bereits seit Monaten umgebaut und vom Rest des Konzerns entflochten. Experten halten es deshalb für gut möglich, dass Kirch-Sport eigenständig bestehen kann.

Darüber hinaus hat auch Finanzchef Herbert Schroder seinen Schreibtisch in der Konzernzentrale in Ismaning geräumt. Der Abgang sei aber keine Überraschung, heißt es bei Kirch, da Schroder ursprünglich bereits wegen der für diesen Sommer geplanten Fusion mit der Pro-Sieben-Gruppe hätte abgelöst werden sollen.

Kirch Media - wie auch die übrigen Obergesellschaften von Kirch - hatten jedoch im Frühjahr Insolvenz angemeldet. Deshalb wird momentan auch ein Käufer für den Pay-TV-Kanal Premiere gesucht. Für den Mehrheitsanteil an der Pro-Sieben-Gruppe halten Beobachter eine getrennte Verwertung ebenfalls für immer wahrscheinlicher.

Bewegung gibt es auch im Streit zwischen Firmengründer Leo Kirch und dem Springer Verlag. Die außerordentliche Hauptversammlung, die Springer-Großaktionär Kirch beantragt hatte, soll nun Ende September stattfinden. Kirch wirft dem Verlagshaus vor, durch die Ausübung einer Verkaufsoption über einen Anteil an der Pro Sieben Sat.1 wesentlich zur Pleite seines Medienimperiums beigetragen zu haben. Daher hatte er gefordert, den Vorgang untersuchen zu lassen.

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