Manager hoffen auf Gespräche mit den USA
Wirtschaft besorgt über gestörte US-Beziehungen

Die Irritationen und Befürchtungen deutscher Wirtschaftslenker über die angespannten deutsch-amerikanischen Beziehungen kann Fred B. Irwin, Präsident der Amerikanischen Handelskammer in Deutschland, nicht teilen.

BERLIN. "Wir müssen das relativieren. Es ist meine tiefste Überzeugung, dass die Differenzen zwischen deutschen und amerikanischen Politikern keine negativen Auswirkungen auf die Wirtschaftsbeziehungen beider Länder haben werden", sagte Irwin dem Handelsblatt. Da spiele sich vieles auf psychologischer Ebene ab, was sich kurzfristig klären werde.

Dagegen ist der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie, Michael Rogowski, sicher, dass die deutsche Wirtschaft unter den Differenzen noch leiden werde. Dabei bezieht er sich auf die Äußerungen des Kanzlers zum Irak-Krieg und den Vergleich der zurückgetretenen Justizministerin Däubler-Gmelin zwischen Bush und Hitler.

Auch der Vorstandschef der Altana AG, Nikolaus Schweickart, ist besorgt: "Die Wiederherstellung des zerstörten Vertrauens zur USA halte ich als Wirtschaftsvertreter für mindestens genauso wichtig wie eine Arbeitsmarkt- und Gesundheitsreform. Dort sind erhebliche Friktionen eingetreten, die sich auf die Wirtschaft niederschlagen". Emotional sei ein unermesslicher Schaden eingetreten. "Viele unserer Mitglieder berichten, dass ihre Geschäftspartner irritiert und entsetzt seien", berichtet Gerhard Hanke, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA).

"Die Wellen schlagen hoch, die Verbitterung ist groß", bringt Horst D. Dietz seine aktuellen Eindrücke aus den USA auf den Punkt. Dietz ist frisch gekürter Chef des Industrial Investment Council (IIC), der für die Akquise ausländischer Investoren in den neuen Ländern verantwortlich ist. Konkrete Auswirkungen auf die Tätigkeit des IIC vermag Dietz jedoch nicht feststellen. Förderlich sei der Streit sicher nicht, doch dramatische Gefahren könne er auch nicht ausmachen. Amerikanische Gesprächspartner sprechen von "Arbeitsfehlern" auf der politischen Ebene, so Dietz.

Auf Unternehmensebene spürt der Sportwagenhersteller Porsche, der stark vom US-Geschäft abhängig ist, noch keine Auswirkungen. "Wir gehen davon aus, dass sich die Lage wieder entspannt", so ein Sprecher gegenüber dem Handelsblatt.

Auch bei Daimler-Chrysler ist die Reaktion eher verhalten. Noch sei nichts zu bemerken. Mahnend meldete sich aber Konzernchef Jürgen Schrempp zu Wort: "Außenpolitische Differenzen dürfen uns nicht vergessen lassen, wie wichtig die transatlantischen Beziehungen gerade für uns Deutsche sind." Schrempp mahnte beim Kanzler während einer Rede vor der Mitgliederversammlung des Arbeitgeberverbands Südwestmetall "Leadership" an. "Das bedeutet aus Sicht der internationalen Partner vor allem Glaubwürdigkeit, Verlässlichkeit und permanenten Austausch der jeweiligen politischen Ansichten", so Schrempp in Fellbach.

Wenn auch nach Einschätzung des amerikanischen Handelskammerchefs Irwin Gesprächsbedarf zwischen Bush und Schröder besteht, so sieht er doch keinen Anlass zur Panik. Bei Investitionsentscheidungen würden die deutschen Standorte der 2 200 US-Firmen in den USA wie bisher mit anderen Auslandsstandorten konkurrieren. Diese Entscheidungen seien langfristiger Natur und werden nach Einschätzung Irwins nicht von kurzfristigen Spannungen auf politischer Ebene beeinflusst. "Es gab und gibt doch immer wieder Spannungen zwischen den Ländern, die keine negativen Auswirkungen auf die Wirtschaftsbeziehungen haben", relativiert Irwin mit Blick auf kontroverse Themen wie Kyoto-Klimaschutzabkommen, Internationaler Strafgerichtshof oder Todesstrafe.

Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Ludwig Georg Braun, hat die Regierung aufgefordert, das Verhältnis zu den USA von wahlkampfbezogenen Irritationen zu befreien, bevor ein wirtschaftlicher Schaden entstehe. Das hält auch Irwin für eine gute Idee. Viele Manager wünschen sich, dass Bundeskanzler Schröder in ein Flugzeug steigt und mit dem US-Präsidenten spricht. "Ein Vier-Augen-Gespräch kann Wunder wirken", glaubt auch Irwin.

Quelle: Handelsblatt

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