Manager kämpft um sein Lebenswerk
Meister im Krisenmanagement: Jürgen Schrempp

Jürgen Schrempp gilt als einer der härtesten Manager der Autoindustrie - und dieses Jahr hatte er gleich mehrfach Gelegenheit, diesem Ruf gerecht zu werden. Eine Krise nach der anderen tat sich bei Deutschlands größtem Industriekonzern auf.

Die Milliardenklage des Ex-Chrysler-Großaktionärs Kirk Kerkorian, das Desaster mit dem Mautsystem Toll Collect, der erzwungene Rückzug beim japanischen Partner Mitsubishi Motors, das Ende der Allianz mit dem koreanischen Autokonzern Hyundai, Qualitätsprobleme bei der Marke Mercedes. Doch Schrempp, der groß gewachsene Badener, meistert die Schwierigkeiten.

Auf dem Höhepunkt der Krise läuft er lächelnd durch die Produktionshallen, schüttelt Hände, klopft Schultern, macht Witze mit den anwesenden Journalisten. Die Gelassenheit mag aufgesetzt sein. Doch letztlich ist sie berechtigt. Denn am Ende eines heiklen Jahres hat der Daimler-Chrysler-Chef den Autokonzern wieder fest im Griff. Nach der schwierigen Einigung über ein umfangreiches Sparpaket bei Mercedes setzt sich der Konzernchef auch beim Vorstandsumbau durch - und kann nach einer Gewinnwende der lange kriselnden US-Sparte Chrysler trotz aller Probleme die Jahresprognose halten.

Fast vergessen sind die turbulenten Tage Ende April, als Wolfgang Bernhard, der designierte Nachfolger von Mercedes-Chef Jürgen Hubbert, überraschend abgesetzt wird und die hohen Verluste bei Mitsubishi Motors beinahe sogar zum Sturz des Konzernchefs Jürgen Schrempp geführt hätten.

Schrempp geht gestärkt aus der Führungskrise hervor - und kämpft jetzt um sein Lebenswerk. Denn der Top-Manager, dessen Vertrag bis 2008 läuft, will in den nächsten Jahren noch beweisen, dass seine Strategie vom Weltkonzern kein Flop war. Das Team dafür steht nun. Die wichtigste Aufgabe kommt dabei dem neuen Mercedes-Chef Eckhard Cordes zu, der die Vorzeigesparte schnell wieder zu alter Stärke führen soll. Um 62 Prozent brach im jüngsten Quartal der operative Gewinn der Mercedes-Gruppe ein, neben wachsenden Schwierigkeiten bei der Tochter Smart auch wegen Qualitätsproblemen bei der Marke mit dem Stern.

Schrempp will mit guten Zahlen abtreten - und kann darauf nicht ewig warten. Im Führungszirkel gilt es als ausgemachte Sache, dass der Vorstandschef, der im September 60 Jahre alt geworden ist, seinen Vertrag nicht mehr bis zum Ende im Jahr 2008 erfüllt.

Hoffnungen, Schrempp zu beerben, kann sich neben Cordes vor allem Chrysler-Chef Dieter Zetsche machen. Mit der Beförderung zum Mercedes-Chef hat Schrempp Cordes quasi automatisch in die Rolle eines Kronprinzen gedrängt.

Doch die Top-Personalie ist keine Vorentscheidung, heißt es in Unternehmenskreisen fast beschwörend. Schafft Zetsche nachhaltig die Wende bei Chrysler, geben ihm Aufsichtsräte selbst auf den Job des Vorstandschefs gute Chancen.

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