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Manager mit Umweltschutz auf Erfolgskurs

Umfassende Corporate Governance beherzigt auch ökologische und soziale Grundsätze

SUSANNE BERGIUS
HANDELSBLATT, 10.10.2003
Enron, Worldcom und die Börsenkrise haben Wirtschaft und Gesellschaft wach gerüttelt. Blindes Vertrauen in börsennotierte Konzerne ist der Forderung nach guter "Corporate Governance (CG)" gewichen. Aktionäre, Mitarbeiter, Fremdkapitalgeber, Lieferanten, Kunden und der Staat fordern eine offene und zuverlässige Betriebsführung. "Dabei geht es auch um nachhaltiges Wirtschaften und unternehmerische Verantwortung", sagt Christian Strenger, Mitglied der Regierungskommission Corporate Governance und Aufsichtsrat der DWS Investment.

Das bestätigt eine Studie der Wirtschaftsprüfer von KPMG. Danach ziehen mehr als die Hälfte der befragten Vermögensverwalter auch nicht finanzbezogene Berichte wie das Sustainability-Reporting für die Beurteilung der Unternehmensführung heran. "Gute Corporate Governance, Nachhaltigkeit und unternehmerische Verantwortung sind integrale Bestandteile, die sich gegenseitig ergänzen", erläutert Strenger. Starke Governance-Strukturen und die "gelebte" Qualität ihrer Umsetzung seien notwendige Voraussetzung für nachhaltiges Wirtschaften.

Die Corporate Governance ist durch Gesetze und Selbstverpflichtungen am deutlichsten geregelt, wenn auch je nach Land unterschiedlich. Nachhaltigkeit scheint mittlerweile ebenfalls recht klar definiert zu sein, selbst wenn Investmentfonds und Ratingagenturen unterschiedlichen Maßstäbe anlegen. Am diffusesten sind die sozialen Aspekte unternehmerischer Verantwortung. Trotzdem ist vielen Konzernchefs klar, dass deren Missachtung sogar zur Bestandsgefährdung führen kann.

Aber nur glaubwürdiges, an der langfristigen Unternehmenssicherung orientiertes Handeln kann Vertrauen der Aktionäre und sonstiger Interessengruppen wieder herstellen. Erstes Gebot ist Transparenz, die Fehlentwicklungen frühzeitig aufdeckt oder verhindert. Das verlangt klare, nachprüfbare Ziele und stetige, zuverlässige Informationen. Richtlinien sind vorhanden: Die Berichtsstandards der Global Reporting Initiative und die deutsche Norm zu Umweltkommunikation ISO 14063 beinhalten ähnliche Anforderungen.

Für besonders wichtig hält Strenger unabhängige und qualifizierte Aufsichtsräte. "Dabei kommt es auf Persönlichkeiten mit Statur an, die auch ein begründetes Nein durchhalten. Bei Ausrichtung auf nachhaltiges Wirtschaften werden sie auf eine Umweltbilanz oder die aktive Wahrnehmung der Rolle als ,good Corporate Citizen? achten." Angesichts der zunehmenden Komplexität nachhaltigen Wirtschaftens empfiehlt Strenger einen fachlich qualifizierten Ausschuss, der Formulierung und Einhaltung von Nachhaltigkeitskriterien sichert. In der deutschen Praxis konzentrieren sich Aufsichtsräte jedoch meist auf ökonomische Nachhaltigkeit. So hat noch kein Unternehmen des Dax, Mdax und des Smax einen Sustainability-Ausschuss, wie das Deutsche Aktieninstitut (DAI) Anfang 2003 in einer Studie ermittelte.

Ein ausgewogenes Kräfteverhältnis zwischen Vorstand und Aufsichtsrat diene ebenfalls der Verfolgung langfristiger Ziele, sagt Strenger: "Das betrifft etwa die Umstellung auf umweltschonende Produktionsverfahren, deren Rendite nicht kurzfristig realisierbar ist." Auch die Vergütungen sollten leistungsorientiert und langfristig ausgerichtet sein. Nur dann habe das Management ausreichendes Eigeninteresse, nachhaltig zu wirtschaften.

Entscheidend für den Erfolg nachhaltigen Wirtschaftens ist jedoch die Einbindung aller Stakeholder. Der Austausch mit Managern, Mitarbeitern, Aktionären, Analysten, Kunden, Lieferanten, Interessengruppen, Regierung und Medien schafft Vertrauen und ermöglicht, Verbesserungspotenzial aufzuzeigen.

Auch weil dauerhaft erfolgreiche professionelle Anleger meist auf lange Sicht investieren, ist gute Corporate Governance bedeutsam. "Sie enthält ein beträchtliches Potenzial zur langfristigen Ertragssteigerung und dient den Beziehungen zu allen Stakeholdern", so Strenger. Christine Helbig vom DAI bekräftigt: "Eine transparente, verantwortungsvolle Unternehmensführung erweist sich zunehmend als wichtiger Faktor für erfolgreiche Eigenkapitalbeschaffung." Sie empfiehlt unternehmenseigene, maßgeschneiderte Governance-Grundsätze, die auch das Engagement für nachhaltiges Wirtschaften formulieren.

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