Manager reduzieren den Bond-Anteil
Pensionsfonds bleiben Aktien treu

Der anhaltende Kursverfall an den Börsen verunsichert Investoren. Große Versicherer verkaufen Aktien aus Sorge, dass sie die Überschuss-Beteiligungen ihrer Kunden erneut senken müssen. Dagegen sehen die meisten Pensionsfonds keine Veranlassung, ihre Aktienquote zurückzufahren. Im Gegenteil: Einige kaufen sogar hinzu.

NEW YORK/LONDON/FRANKFURT/DÜSSELDORF. Viele Pensionsfonds sehen die aktuelle Schwäche bei vielen Aktien als Chance zum Nachkaufen. Dies bestätigt sich in Großbritannien und den USA, wie eine Handelsblatt-Umfrage in den Ländern mit den größten Pensionsfonds ergibt. Auch in Deutschland, wo derartige Altersvorsorge-Einrichtungen gerade am Entstehen sind, sorgt sich kaum jemand, dass die Aktienkurse dauerhaft niedrig bleiben. Optimismus und die Nachfrage nach Aktien überwiegt.

Der auf den ersten Blick vielleicht ungewöhnliche Trend bestätigt sich in Großbritannien. Der Informationsdienstleister Lipper ermittelte, dass die Aktienquote in gemischten Fonds heute meist höher ist als vor einem Jahr. In der Kategorie der so genannten "vorsichtig" gemanagten Fonds, die vor allem auf defensive Werte setzen, hat sich der Aktienanteil um fast 15% erhöht. Die Tendenz trifft auch für die Altersversorgung zu: "Viele Pensionsfonds schauen sich ihre Strukturen derzeit an", sagt Charles Prideaux von Merrill Lynch Investment Managers. Doch angesichts der erwarteten wirtschaftlichen Erholung in den USA vertrauen viele weiter auf Aktien. "Wir sagen unseren Kunden zwar: Rechnet nicht mehr mit den Überschüssen der späten 90er Jahre, aber Renditen von 6-10 % sollten noch drin sein", so Prideaux. An ein langes Siechtum der Aktienmärkte glaubt Prideaux nicht: "Der korrektive Mechanismus auf Fehlentwicklungen ist in Europa und den Vereinigten Staaten wesentlich höher als in Japan."

Auch die großen amerikanischen Pensionsfonds investieren nach wie vor weit mehr Geld in Aktien als in festverzinsliche Anleihen. Die größte Pensions-Fondsverwaltung California Public Employees Retirement System (Calpers) hält derzeit, wie bereits in den Jahren zuvor, gut 64 % der gemanagten Summe (151 Mrd. $) in nationalen und internationalen Aktien. 36 % sind in festverzinslichen Wertpapieren angelegt. "Das hat der Verwaltungsrat im Mai 2000 beschlossen, in nächster Zeit wird sich daran nichts ändern", sagt Calpers-Sprecher Brad Pacheco.

Der Bundesstaat Florida ist trotz Verlusten von fast 10 Mrd. $ seit Juni 2000 mit zwei Drittel der verwalteten Fonds (125 Mrd. $) in Aktien investiert. Allerdings soll der Anteil in den nächsten zwei Jahren um 5 % reduziert werden. New York will den Aktienanteil in seinen Pensionsvermögen, die zu 61 % in Aktien investiert sind, um 8 % senken. "Die Fondsmanager schichten nicht allzu viel um", sagt Investmentberater Peter Bernstein: "Zwar haben sie verstanden, dass Aktien in den nächsten Jahren nicht mehr die gleichen Renditen haben dürften, aber keiner will hinten anstehen, sollte es doch zu neuen Kursgewinnen kommen."

Auch deutsche Pensionsfonds stehen in den Startlöchern

In Deutschland stehen die Pensionsfonds erst in den Startlöchern. Bisher hat die Finanzaufsicht zehn Anbietern grünes Licht gegeben, weitere 17 Pensionsfonds warten auf ihre Zulassung. Für sie stellt sich nicht die Frage nach Umschichtungen, sondern nach der Neuanlage der Altersvorsorgegelder. Doch ebenso wie in Großbritannien und den USA sehen auch deutsche Pensionsfonds angesichts niedriger Zinsen und Aktienkurse gute Einstiegsmöglichkeiten - ganz im Gegensatz zu den Versicherern: Aus Angst, die Überschuss-Beteiligungen ihrer Kunden erneut senken zu müssen, reduzieren die Assekuranzen ihre Aktienquote.

"Dax-Stände von 4 600 bis 4 800 Punkten bieten ein Einstiegsniveau, von dem wir durchaus Gebrauch machen werden", sagt Bernd Helms von der Gerling Gesellschaft für Vermögensverwaltung. Er hält eine Aktienquote beim Gerling Pensionsfonds von 10 % bis 25 % für vernünftig. Das ist deutlich weniger als in den USA.

Deutschlands Altersversorgungseinrichtungen wollen ihre Aktienquote mittelfristig sogar erhöhen. "Wir spüren wegen der anhaltenden Börsenunsicherheiten jetzt allerdings ein gewisses Zögern bei der Realisierung dieser Pläne", schränkt Jörg Grünberg vom Consultingunternehmen Feri Institutional Management ein. Peter Schwicht von J.P. Morgan Fleming Asset Management registriert keinen Trend zur Änderung der Aktien- oder Rentenquoten. Die Interessenlage sei eindeutig: "Wir hatten in diesem Jahr mehr Anfragen von Kunden zur Verwaltung von Aktienbeständen als von Anleiheportfolios." Bei diesen Kunden handele es sich meist um Pensionskassen und um berufsständische Versorgungswerke. Schwicht sieht die Lage in Deutschland wie im übrigen Europa: "Viele Kunden denken eher über einen Wechsel des Vermögensverwalters nach als über die Senkung der Aktienquote."

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