Manager sagen vor dem Kongress aus
Bilanzskandale: SEC verlangt Offenbarungseid

Die Untersuchungen im Finanzskandal um Worldcom gehen weiter. Die US-Börsenaufsicht besinnt sich auf einen Trick, und schafft so eine neue Möglichkeit zur Strafverfolgung.

bba/kk/wsj WASHINGTON. Die US-Börsenaufsicht SEC will Bilanzbetrügereien großer Unternehmen künftig mit einem Offenbarungseid einen Riegel vorzuschieben. Die Behörde hat eine Verfügung erlassen, wonach Vorstandsvorsitzende und Finanzchefs von US-Konzernen unter Eid aussagen müssen, dass die bisher veröffentlichten Bilanzen ihres Unternehmens korrekt erstellt wurden und alle relevanten Informationen enthalten.

Neue Möglichkeiten zur Strafverfolgung

Die Verfügung gilt für Unternehmen, die 2001 einen Jahresumsatz von mehr als 1,2 Mrd. $ erwirtschafteten. Das trifft auf rund 950 US-Konzerne zu. Die SEC-Vorschrift kann weitreichende Folgen für die Konzernvertreter haben, die nicht die Wahrheit sagen: Sie können zivilrechtlich wegen Betrugs belangt werden. Auch eine strafrechtliche Verfolgung wegen Falschaussagen gegenüber der US-Regierung oder wegen Meineid sei möglich, sagen Juristen. Selbst Gefängnisstrafen sind vorgesehen. Die SEC selbst kann nicht klagen. Die Behörde kann die Angelegenheit aber an das Justizministerium weiterleiten.

Aussagen über die Richtigkeit der Bilanz müssen schriftlich erfolgen

Die Verfügung, die schon in der vergangenen Woche erlassen wurde, bislang aber wenig öffentliche Beachtung fand, hat noch einen weiteren Effekt: Sie könnte dazu führen, dass in den kommenden Wochen zahlreiche Unternehmen ihre aktuellen Ergebnisse nachprüfen und ihre Bilanzen neu veröffentlichen müssen. Die Aussagen über die Richtigkeit der Bilanz müssen schriftlich erfolgen, die Aussagen werden dann öffentlich zugänglich gemacht. Sie müssen bei der überwiegenden Zahl der in Frage kommenden Unternehmen bis zum 14. August 2002 vorliegen. Bis dahin wird der nächste Finanzbericht der Konzerne an die SEC fällig.

SEC reagiert auf Kritik

In der Zwischenzeit hat die SEC noch einen weiteren Vorschlag entwickelt, um Bilanzbetrug zu verhindern. Diese Regelung, die von der Behörde allerdings erst Ende August beraten wird, würde sich auch auf künftigen Finanzberichte an die SEC beziehen und könnte von allen börsennotierten Gesellschaften eingefordert werden. Mit neuen und vor allem strikteren Vorschriften für die Rechnungslegung reagiert die SEC offenbar auf wachsende Kritik von Investoren und Anlegern. Der SEC und ihrem Vorsitzenden, Harvey Pitt, wird vorgeworfen, bei den jüngsten Finanzskandalen von Enron, Andersen, Xerox, Tyco, Imclone und Worldcom nicht hart genug durchgegriffen zu haben.

Untersuchungen im Fall Worldcom gehen weiter

Unterdessen gehen die Untersuchungen im Fall des konkursgefährdeten Telekomkonzerns Worldcom weiter: Am heutigen Montag werden verschiedene Manager des Unternehmens und der ehemaligen Worldcom-Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Arthur Andersen vor dem US-Kongress aussagen. Auch der im April zurückgetretene Worldcom-Chef Bernard Ebbers wird dem Ausschuss für Finanzdienstleistungen Frage und Antwort stehen müssen. Cynthia Cooper, die interne Worldcom-Wirtschaftsprüferin, die die Bilanzfälschung als erste entdeckt hatte, wurde entschuldigt. Sie soll als Kronzeugin für das Justizministerium und im Prozess der SEC gegen Worldcom aussagen.

Das US-Justizministerium will die internen Untersuchungen bei Worldcom stoppen und möglichst schnell mit den Mitarbeitern sprechen. So solle verhindert werden, dass das Management die Mitarbeiter in ihren Aussagen beeinflusst.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%