Manager sehen mittelfristig genug Potenzial um aktuelle Marktschwäche durchzustehen
Investmentbanker erwarten keinen Stellenabbau in Deutschland

Deutschlands Investment-Banker befinden sich in einer privilegierten Stellung. Anders als in den USA und Europa sind ihre Arbeitsplätze noch vergleichsweise sicher, obwohl der Markt für Börseneinführungen auch hier zu Lande quasi lahm liegt, und das Geschäft mit Fusionen- und Übernahmen (M&A) ebenfalls stark zurückgegangen ist.

mm/nw FRANKFURT/M. Deutschland biete aber mittelfristig ein so großes Geschäftspotenzial, dass es voraussichtlich nicht zu Entlassungen kommen wird. Davon gehen führende Manager mehrerer Investmentbanken aus.

"Wir werden in Deutschland eine Sonderkonjunktur erleben. Der Restrukturierungsbedarf der Unternehmen wird dazu führen, dass Transaktionsvolumina und Provisionseinnahmen in der zweiten Hälfte des nächsten Jahres wieder spürbar ansteigen", sagte Hermann Prelle, Managing Director bei UBS Warburg, am Rande eines Bankenforums an der European Business School. Prelle ist - wie seine Kollegen von Morgan Stanley, Credit Suisse First Boston, Merrill Lynch und Lehman Brothers - zuversichtlich, dass die Investmenthäuser in Deutschland die Zahl ihrer Beschäftigen mindestens stabil halten werden. Malcolm Thwaites, Managing Director bei Merrill Lynch, sieht Deutschland sogar als einzigen Markt, in dem zurzeit noch Führungskräfte eingestellt werden.

In den USA trifft indessen eine Hiobsbotschaft nach der anderen die großen Investment-Häuser: Goldman Sachs will weitere 300 bis 400 Jobs streichen, Credit Suisse First Boston (CSFB) 2 000 und Morgan Stanley rund 200. Vor den Terror-Attacken hatten die Investmentbanken insgesamt bereits 25 000 Stellen gekürzt.

"Das Geschäft läuft zäh"

Auch in Europa sind die Aussichten insgesamt schlecht: "Es ist damit zu rechnen, dass die Zahl der Mitarbeiter im Investment-Banking bei allen Häusern in Europa nochmals um zehn bis dreißig Prozent reduziert wird", sagte Andreas Halin, Personalberater bei Spencer Stuart. Im Investment-Banking arbeiteten alle noch mit den Kapazitäten des sehr erfolgreichen Jahres 2000. Auch in Deutschland sind die Kapazitäten nicht ausgelastet, bestätigen Banker. "Das Geschäft läuft zäh", sagte Norbert Reis, Managing Director bei CSFB. Die Volumina von M&A-Transaktionen hätten sich deutlich verringert, bei Eigenkapitalemissionen gebe es einen spürbaren Rückgang. Gut liefen zurzeit noch die Bereiche Wandelanleihen und Zinsprodukte, sagte Jan van Nieuwenhuizen, Managing Director bei Morgan Stanley.

Im M&A-Geschäft erwarten die Banker im nächsten Jahr mehr Aktivität, allerdings mit einem klaren Fokus: "Es wird in 2002 defensive Transaktionen geben, die die Rationalisierung der Unternehmen vorantreiben und ihre Kosten senken", prognostizierte Prelle. Die Steuerreform werde Transaktionen erleichtern. Die Durststrecke, bis die M&A- und Aktienmärkte wieder zulegen, glauben die Investment-Banker ohne Entlassungen überstehen zu können. Zumal die meisten nicht erwarten, dass die Überkapazitäten auf die Margen drücken. "Im Investmentbanking läuft der Wettbewerb in erster Linie über die Qualität, nicht den Preis", sagte Reis. Es wäre Selbstmord, in Deutschland kräftig Stellen abzubauen, um kurzatmig auf Probleme zu reagieren, sagte ein Investment-Banker, der namentlich nicht zitiert werden möchte. Denn wer jetzt gute Leute entlasse, habe es später schwer, sie zu ersetzen. "Dafür gibt es noch zu wenig erfahrene Investment-Banker in Deutschland."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%