Manager sind mit abgeschlossenen Projekten zufrieden
Firmen fahren Outsourcing zurück

Die große Mehrheit der deutschen Unternehmen ist mit ihren Erfahrungen beim Outsourcing zufrieden. Gleichwohl wollen viele in der nächsten Zeit keine weiteren Bereiche auslagern.

FRANKFURT/M. Das ist das Ergebnis des jüngsten Handelsblatts Business Monitors, einer regelmäßigen repräsentativen Umfrage unter deutschen Top-Managern. Im Auftrag des Handelsblatts und der Unternehmensberatung Droege & Comp. hat das Meinungsforschungsinstitut Psephos dafür 810 Führungskräfte befragt.

Danach geben 69 % der befragten Manager an, vorerst kein weiteres Outsourcing zu planen. Knapp ein Drittel der Firmen wird in den nächsten Jahren jedoch weitere Bereiche und Funktionen "outsourcen". Trotz der Zurückhaltung vieler Manager sehen Experten den grundsätzlichen Trend zur Auslagerung bestätigt. "Outsourcing steht nach wie vor oben auf der Agenda", sagt Volker Elders, Partner der Unternehmensberatung Droege & Comp. Das kann Rainer Schwarz, Chef der zu 50 % privatisierten Flughafen Düsseldorf GmbH, nur bestätigen. "Wir denken über weitere Outsourcing-Projekte nach, etwa im Bereich Facility-Management sowie Informationstechnologie und Kommunikation", kündigt er an.

Der überwiegende Teil der Manager hat mit dem Outsourcing positive Erfahrungen. Insgesamt lagerten rund 40 % der Firmen in den zurückliegenden drei bis vier Jahren Bereiche aus, darunter in erster Linie Teile der Produktion, IT-Services sowie Personaldienstleistungen. Ihre Erfahrungen bezeichnen 66 % der Manager als "sehr gut" oder "gut". Die erzielten Spareffekte beziffern sie in der Regel mit 5 bis 20 %. Werte von 30 % und mehr werden nur von einer kleinen Minderheit genannt. "Einsparungen von 30 Prozent sind sehr euphorisch", glaubt Elders.

"Signifikante Kostenersparnis"

Auch Manager Schwarz ist mit den Erfolgen bei der Auslagerung zufrieden. "Die bisher realisierten Outsourcing-Projekte wie zum Beispiel Reinigungsleistungen haben zu einer signifikanten Kostenersparnis geführt", berichtet er. Die Flughafen Düsseldorf GmbH gilt als ein Beispiel dafür, dass Outsourcing ein wichtiges Instrument bei der Restrukturierung sein kann. Der Flughafen-Betreiber befindet sich gerade im Wandel von einer öffentlich-rechtlichen Institution zu einem Industrieunternehmen. So wurden die Bodenverkehrs- und die Gepäckdienste in eine Tochter ausgelagert.

In einem zweiten Schritt will der Flughafen-Betreiber eine Tochter für die Abfertigungsdienste gründen, an der er aber nur noch zu 49 % beteiligt sein wird. Geschäftsführer Schwarz will externe Dienstleister als Partner gewinnen. "Outsourcing spielt für uns eine große Rolle. Flughafen-Betreiber haben historisch bedingt eine große Zahl von Betreiberfunktionen. Wir haben eine langfristige Strategie, mit der wir uns auf unsere Kernaufgaben konzentrieren", sagt er.

Allerdings sehen viele Manager das Potenzial für eine Auslagerung weiterer Bereiche als erschöpft an. Immerhin 66 % der Firmen, die keine weiteren Outsourcing-Projekte planen, sind dieser Ansicht. Unternehmen, die Outsourcing generell ablehnen, fürchten vor allem, die Kontrolle über wichtige Unternehmensbereiche zu verlieren - 45 % nennen dies als Argument gegen Outsourcing.

Vorbereitung entscheidet über Erfolg

Für Berater Elders belegen die Umfrageergebnisse, wie wichtig es ist, ein Outsourcing-Projekt genau vorzubereiten. "Ein intensives Pre-Outsourcing ist für den Erfolg enorm wichtig. Dazu zählt zum Beispiel die genaue Definition der Schnittstellen zwischen Auftraggeber und Dienstleister, aber auch ein exakter Leistungskatalog", sagt er. Dem pflichtet Schwarz bei: "Eine umfassende Prüfung und eine klare Strategie ist bei Outsourcing absolut unumgänglich. Outsourcing-Vorhaben sollten nicht von kurzfristigen bilanziellen Betrachtungen bestimmt werden."

Das haben offensichtlich auch die meisten der Manager mit Outsourcing-Erfahrung erkannt. So nennen deutlich mehr als die Hälfte eine klare vertragliche Definition der zugekauften Dienstleistungen sowie eine klare Definition der Aufgabenteilung als wichtige Erfolgsfaktoren für eine Auslagerung. Doch Elders weiß, dass zwischen Anspruch und Wirklichkeit eine große Lücke klafft. "Häufig will ein Unternehmen, wenn die Entscheidung zugunsten einer Auslagerung gefallen ist, auch sehr schnell die Ergebnisse sehen. Viele Projekte werden deshalb überhastet durchgeführt", sagt er.

Quelle: Handelsblatt Nr. 057 vom 22.03.04 Seite 10

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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