Manager sollen künftig stärker haften
Zeit der Feierabendmandate ist endgültig vorbei

Die Vorstellung, dass deutsche Top-Manager sich wie beim Mannesmann-Prozess vor Gericht verantworten müssen, treibt den Siemens-Chef Heinrich von Pierer zur Weißglut. "Es kann nicht sein, dass unternehmerische Entscheidungen dadurch beeinträchtigt werden, dass man über sich immer das Damoklesschwert eines Untreue-Straftatbestandes sieht."

Von Pierers Sorge ist begründet. Tatsächlich ist in diesem Jahr die Chance größer als bisher, dass sich Manager oder Aufsichtsräte vor Gericht für das rechtfertigen müssen, was sie selbst als legitimes wirtschaftliches Handels empfinden. Der legendäre Ausspruch des Ex-Vorstandssprechers der Deutschen Bank, Herman-Josef Abs gilt nicht mehr: "Es ist leichter, eine eingeseifte Sau am Schwanz zu packen, als einen Aufsichtsrat zur Verantwortung zu ziehen."

Das sich dies nun ändern soll, liegt allerdings weniger an der öffentlichen Diskussionen rund um den Mannesmann-Prozess und den Deutschen Corporate-Governance-Kodex. Die Bundesregierung plant neue Gesetze wie die Einführung einer Direkthaftung der Unternehmensorgane für Falschinformationen, die den Aktienkurs beeinflussen, und eine Neudefinition der Manager- und Aufsichtsratshaftung. Das Ziel ist, den Schutz für Aktionäre zu stärken.

Deutschlands Manager blicken mit gemischten Gefühlen auf die neuen Regeln. "Sorge macht Vorständen und Aufsichtsräten nicht das, was ohnehin schon Gesetz ist. Klare Haftungsregelungen gibt es schließlich bereits seit langem", erklärt Anwalt Hans-Ulrich Wilsing, Partner von Linklaters in Köln. "Es ist zu befürchten, dass künftig eine falsche oder unvollständige Erklärung eine unmittelbare persönliche Haftung gegenüber Anlegern begründet." Das ist neu. Bislang haftete in so einem Fall die Gesellschaft. Sie konnte nur einzelne Akteure in Regress nehmen.

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