Manager streben nach einer hohen absoluten Rendite
Hedge Funds wollen Schwächen der traditionellen Fonds beseitigen

Hedge Funds sind zur Zeit in aller Munde. Sie unterscheiden sich von traditionellen Investmentfonds in einem wesentlichen Punkt: Hedge- Fund-Manager verfolgen einen so genannten "absolute return approach", streben also nach einer hohen absoluten Rendite. Traditionelle Investmentmanager mit einem Index als Renditereferenz (Benchmark) verfolgen einen relativen Ansatz. Ihr Ziel ist es, den Referenzindex (etwa den Dax) zu schlagen - das heißt, eine höhere Rendite zu erzielen, ohne aber höhere Risiken einzugehen. Trifft eine Überrendite ein, spricht man von Outperformance.

Dem absoluten Ansatz liegt dagegen kein Index zu Grunde. Ziel ist es, eine positive absolute Rendite zu erwirtschaften. Hedge-Fund-Manager sind oft spezialisiert und richten sich nach den Investmentopportunitäten in ihrem Spezialgebiet. Ein Manager in Convertible Arbitrage sucht zum Beispiel nach Marktineffizienzen im Markt für Wandelanleihen (Convertibles). Bei einer Fülle von Investmentopportunitäten, wird der Manager Fremdkapital (Leverage) aufnehmen, um die Rendite zu erhöhen oder gewisse Risiken, wie zum Beispiel Markt- oder Kreditrisiken, abzusichern (hedgen).

Ein Beispiel verdeutlicht die unterschiedlichen Ansätze. Angenommen, der Dax fällt in einem Jahr um 32 %. Ein traditioneller Manager mit dem Dax als Benchmark, der eine Rendite von minus 30 % aufweist, wird zufrieden sein. Eine Outperformance von 200 Basispunkten nach Abzug aller Kommissionen pro Jahr gilt in der Branche als hoch. Ein Hedge-Fund-Manager, der 30 % der ihm anvertrauten Gelder verliert, ist Geschichte. Viele seiner Investoren werden nach einem solchen Verlust ihre restlichen Vermögenswerte zurückziehen. Die Geldgeber vertrauten dem Hedge Fund ihr Vermögen unter der Prämisse an, dass der Manager Investmentopportunitäten in seinem Spezialgebiet sucht. Der Worst-Case tritt ein, wenn die Investmentopportunitäten gleich Null sind. Dann erwartet der Investor, dass der Manager nicht investiert und somit kein Geld verliert. Versagen unter dem absoluten Ansatz ist daher mit Vermögenszerstörung gleichzusetzen. Beim relativen Ansatz ist dies anders: Der Erhalt von Vermögen ist nicht Bestandteil der Zielsetzung.

Nicht nur das Renditeziel ist beim relativen Ansatz an einen Marktindex gebunden, sondern auch das Risikoziel. Der Unterschied, wie Risiko zwischen traditionellen Managern und Hedge-Fund-Managern definiert wird, könnte kaum größer sein. Der traditionelle Manager definiert Risiko als "aktives Risiko" (active risk), während ein Hedge-Fund-Manager Risiko als "totales Risiko" (total risk) definiert. Aktives Risiko heißt, von der Benchmark abzuweichen und somit ggf. die Benchmark zu untertreffen. Ein traditioneller Manager wird ein Umschichten von Aktien in risikolose Geldmarktanlagen als Risikoerhöhung ansehen, da die Wahrscheinlichkeit steigt, von der Benchmark geschlagen zu werden.

Ein Hedge-Fund-Manager, der Aktien besitzt und diese verkauft, um das Geld zum risikolosen Zinssatz anzulegen, wird die Transaktion als Risikominderung definieren. Die gleiche Transaktion (Verkauf von Aktien) wird von beiden Ansätzen entgegengesetzt beurteilt. Viele Hedge-Fund-Investoren und-Manager glauben, dass der relative Ansatz ausgedient hat. Der Hauptgrund, warum man eine Benchmark hat, ist, dass man den Manager nach einem oder zwei Jahren messen und zur Rechenschaft ziehen kann.

Ohne Messgröße geht das nicht. Der Nachteil des relativen Ansatzes ist, dass es für traditionelle Manager kaum Anreize gibt, Vermögen zu schützen. Ferner entzieht man dem Manager die Möglichkeit, sein Risiko nach Investmentopportunitäten in seinem vordefinierten Gebiet zu steuern. Der absolute Ansatz versucht, diese Schwächen zu korrigieren und die Interessen der Investoren mit denen der Manager in Einklang zu bringen.



  • Alexander M. Ineichen, CFA Managing Director, Head of Equity Derivatives Research, UBS Warburg London



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