Manager und Modemacher Baldessarini wechselt in den Aufsichtsrat
Hugo Boss-Chef Baldessarini tritt ab

Sein Name klingt etwas ungewöhnlich: Werner Baldessarini. Doch die Mischung aus Deutsch und Italienisch passt genau zu dem Image, dass der Manager in den 27 Jahren seines Engagements für das Modeunternehmen Hugo Boss verkörpert hat: Kreativität gepaart mit schwäbischer Bodenständigkeit.

dpa METZINGEN. Mit Baldessarini zieht sich einer der wenigen deutschen Spieler in der internationalen Modeszene aus dem aktiven Geschäft zurück. "Ich bin ein Glückskind", meint der 57-Jährige mit Blick auf seine Karriere. Als langjähriger Kreativ-Kopf von Hugo Boss stellte Baldessarini die Weichen für den Erfolg des Unternehmens mit Sitz in Metzingen bei Stuttgart. In seinen dreieinhalb Jahren als Vorstandschef steigerte er den Umsatz um mehr als 400 Millionen Euro auf heute 1,1 Milliarden Euro, die Zahl der Mitarbeiter verdoppelte sich fast.

Angefangen hat Baldessarini als Verkäufer in einem Münchner Modehaus. Während seiner Ausbildung erstand er eine Krawatte, die teurer als sein monatliches Lehrgeld von 65 Mark war. Seitdem kommen zu der Sammlung jede Saison ein paar neue Krawatten hinzu, obwohl der Modemacher mit der beeindruckenden Bassstimme selbst nie Schlips trägt. Unabhängig bleiben, Risiko wagen - das ist für Baldessarini entscheidend. "Er mag keine steifen Anzüge mit dickem Schulterpolster, seine Mode muss lebendig sein", sagt der Betriebsratsvorsitzende Antonio Simina, der seinen Chef seit Jahrzehnten kennt und ihn als "Bauchmenschen" beschreibt.

Zwischen Lässigkeit und Konvention

Baldessarini und damit auch Hugo Boss stehen für den Balanceakt zwischen Lässigkeit und Konvention. Vorn, aber nicht zu weit vorn im Rennen mit dem Zeitgeist soll das Unternehmen positioniert sein. BOSS bediene einen breiten Markt, von Richard Gere bis Norbert Blüm, betont Baldessarini. Er setzte sich auch für den Einstieg ins Damengeschäft ein. Der Erfolg, mit dem Baldessarini fest rechnet, lässt bisher noch auf sich warten und bleibt Aufgabe für seinen Nachfolger, den promovierten Betriebswirt Bruno Sälzer (44), derzeit die Nummer zwei bei Hugo Boss.

Als Kreativer, der über Jahre die Boss-Kollektionen selbst entwickelte, ist Baldessarini wohl die Ausnahme an der Spitze des Unternehmens: Seine beiden Vorgänger und auch Sälzer kamen ursprünglich aus der Industrie. "Ich suche lieber eine Farbkarte heraus als drei Aktenordner durchzusehen", gibt Baldessarini zu. Einen Sinn für kaufmännische Zusammenhänge hatte er jedoch schon von Kindheit an: Die Eltern betrieben in München einen Textilgroßhandel.

Seit dem 11. September spürt Baldessarini eine Verunsicherung in der Branche. Auf dem Weg zur Modenschau in New York, als die Katastrophe passierte, musste sein Flugzeug in Neufundland zwischenlanden. Die folgenden Nächte verbrachte er in einer Turnhalle. "Eine Erfahrung, die ich nicht missen, aber auch nicht wiederholen möchte", erzählt Baldessarini. Nachdenklichkeit registriert er auch bei den Kunden: Nachdem spontanes Shopping in den vergangenen Jahren hoch im Kurs stand, gehe der Trend nun wieder zu bewussterem Konsum.

Der Ausstieg des Managers und seine Begründung, sich mehr den "Luxusfaktor Zeit" zu gönnen, kam überraschend. Baldessarini zeigt sich seinerseits erstaunt über die Verwunderung bei manchen seiner Kollegen in der Branche. Zwar wird er sich auch künftig um die nach ihm benannte Nobelmarke des Unternehmens kümmern und noch gelegentlich in der als "Vatikan" bekannten Vorstandsetage in Metzingen anzutreffen sein. Doch 70 Prozent seiner Zeit sei nicht verplant. Alte Freundschaften pflegen, skifahren an seinem Wohnort Kitzbühel und reisen - das hat er sich fest vorgenommen. "Ich war noch nie richtig im Louvre", sagt Baldessarini.

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