Manager votieren für Stoiber
In Treue fest zum Kandidaten

Geht es nach den Managern, heißt der nächste Kanzler Stoiber. Kurz vor der Wahl stellt das Handelsblatt Management Barometer der rot-grünen Regierung ein schlechtes Zeugnis aus.

HB DÜSSELDORF. Edmund Stoiber lächelt zuversichtlich. Angela Merkel schaut ihn aufmunternd an. Doch alles, was der Kanzlerkandidat heraus bekommt, ist ein - "Äh!". Auf den Wahlplakaten der Union, in der Nähe des Kölner Stadtgartens, hat ein Kritiker vor die Lippen des bayerischen Herausforderers eine weiße Sprechblase aufgeklebt. Darin steht, fett und schwarz gedruckt, das Lieblingsfüllwort des Kandidaten. Ist er so ratlos, wie es das Plakat nahe legt?

Betrachtet man die Umfrageergebnisse der Meinungsforschungsinstitute in den letzten Tagen, könnte es fast so sein. Denn Fernsehduell und Irak-Krise haben Gerhard Schröder Aufwind gegeben. Nicht jedoch bei deutschen Top-Managern: Rund 70 % der Geschäftsführer und Vorstandsmitglieder wünschen sich Edmund Stoiber als Kanzler. Das ergab die erstmalige Befragung deutscher Entscheider im Rahmen des "Handelsblatt Management-Barometers", einer Kooperation von Handelsblatt Karriere & Management und dem Meinungsforscher Innofact.

Besonders bei kleineren Unternehmen mit weniger als 1 000 Mitarbeitern finden sich im Management die Stoiber-Anhänger (zwischen 50 % und 58 %). Dagegen erhält der Kanzlerkandidat etwas weniger Stimmen aus Unternehmen mit über 1 000 Angestellten (um die 47 %).

"Viele Unternehmer sind am Ende der Legislaturperiode von Rot-Grün enttäuscht", meint Max Schön, Präsident der Arbeitsgemeinschaft Selbständiger Unternehmer in Berlin. Kleinere Unternehmen spürten kaum etwas von den zaghaften Steuerreformen der Regierung. "Ob sie in einigen Jahren ein paar Prozent weniger Steuern zahlen, ändert heute nicht ihr Verhalten", glaubt Schön. "Sie kämpfen jetzt um ihr Überleben."

Unter dem designierten Wirtschaftsminister Lothar Späth soll nun alles anders werden. Mit den Worten "Wir bereiten mit dieser personellen Entscheidung den Aufschwung vor", hatte Stoiber im Mai den Kandidaten für das Wirtschaftsressort vorgestellt. Viele Manager scheinen der gleichen Auffassung zu sein: Späth ist bei ihnen der Top-Favorit für den Posten.

Der Jenoptik-Chef soll eine umstrittene Entscheidung von Rot-Grün wieder rückgängig machen: die Steuerfreiheit von Veräußerungsgewinnen bei Kapitalgesellschaften. Späth hat erst vor kurzem ein "Missverhältnis in der Besteuerung" bei den Beteiligungsverkäufen kritisiert.

Deutsche Manager sind unzufrieden mit Schröder


Die Nibelungentreue für Stoiber ist nicht weiter erstaunlich. Deutsche Manager sind unzufrieden mit Schröder & Co. Dementsprechend vernichtend ist die Schulnote, mit der sie die Bundesregierung bewerten: Ausreichend - das hat schon zu Schulzeiten kaum jemanden jubeln lassen.

Die Versetzung in die nächste Legislaturperiode könnte die SPD trotzdem schaffen. Immerhin 47 Prozent der Manager kann sich eine Beteiligung der Genossen an der Regierungsmacht in der einen oder anderen Form vorstellen. Am liebsten wäre den SPD-nahen Entscheidern eine Fortsetzung der rot-grünen Regierung (23,3 %). Eine große Koalition reißt niemand wirklich vom Stuhl (7,5 %). Da bevorzugen Führungskräfte schon eher eine links-liberale Regierung (11,9 %).

Welcher Kanzler auch immer ab dem 22. September die Zügel in die Hand nimmt - den "größten Handlungsbedarf" sehen die Manager im Durchschnitt in einer Steuerreform: 41,3 % auf einer Wichtigkeitsskala bis 100 % erhalten die Aufgaben "Steuern senken" und "Steuern vereinfachen". Der Bereich "Lohnnebenkosten reduzieren" bekommt 19,1 %. Mit rund 16 % bewerten die Manager das Feld "Bürokratie abbauen". Kein Wunder: Steuergesetze und-erklärungen sind laut "Management-Barometer" der größte bürokratische Aufwand, den der Staat der Wirtschaft auferlegt.

In diesen Punkten sind sich die Manager einig. Doch mit einer Wichtigkeit von 11,9 % möchten Geschäftsführer und Vorstandsmitglieder den Kündigungsschutz zurückfahren. Beim mittleren und unteren Management sind es nur rund 4 %. Eine ähnliche Differenz findet sich bei der Forderung "Rückführung der Mitbestimmung auf den Stand von 1998". Mit 7,3 % stimmt das Top-Management dafür. In den unteren Führungsetagen erhält dieser Bereich nur um die 3,5 %.

Auf den unteren Ebenen ist die Angst vor Entlassungen groß


Keine Frage - die Position der Manager färbt auf ihr Urteil ab, sagt auch Carsten Frigge, Geschäftsführer der Unternehmensberatung C4-Consulting: "Führungskräfte wollen häufig den Ertrag steigern, indem sie die Kosten reduzieren. Im mittleren und unteren Management hofft man dagegen bessere Ergebnisse zu erreichen, indem die Geschäftstätigkeiten ausgeweitet werden." Auf den unteren Ebenen sei die Angst vor Entlassungen groß.

Für die Unternehmenslenker ist der Personalabbau jedoch nicht das wichtigste Thema. Am meisten beschäftigen sie sich derzeit mit dem Vertrieb. "Überall herrscht eine enorme Kaufzurückhaltung, und die wird in diesem Bereich am deutlichsten sichtbar", sagt Frigge. An zweiter Stelle bereitet den Entscheidern die Finanzierung Kopfzerbrechen. Controlling, Marketing und Personalabbau spielen eine etwa gleich große Rolle. Weniger wichtig sind Fragen der Rechnungslegung, Wirtschaftsprüfung und die Unternehmensaufsicht (Corporate Governance).

In einem Punkt sind sich die Manager einig: Die hohe Arbeitslosigkeit in Deutschland ist überwiegend hausgemacht. 76,3% der Führungskräfte machen die Einstellung von Mitarbeitern "weitgehend" oder "rein" von nationalen Faktoren abhängig. Gerhard Schröder hatte behauptet, vor allem die schlechte Weltwirtschaft sei schuld an den derzeit rund vier Millionen Arbeitslosen in Deutschland.

Ob diese Fakten die Wahl entscheiden, bleibt ungewiss, und auch die Plakatschmierer geben darauf keine Antwort. So wurden auch in Düsseldorf Konterfeis verunziert. Eine parteipolitische Präferenz war aber nicht erkennbar: Jeder Abgebildete bekam eine rote Clowns-Nase aufgesprüht.

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