Manager wollen Kirch-Firmen kaufen
Pro-Sieben-Kurs erhält Auftrieb

Am Mittwoch kletterte das im M-Dax notierte Papier in einem schwachen Umfeld um zeitweise über 5 % auf etwa 8,5 Euro.

jojo MÜNCHEN. "Der Kursanstieg macht deutlich, dass die Anleger honorieren, wenn Pro Sieben möglichst weit von Kirch Media getrennt wird. Damit sinkt die Gefahr weiterer Quersubventionen", begründet Stefan Weiss von der West LB die gute Performance.

Auslöser des unerwarteten Kursfeuerwerks sind Überlegungen der Sanierer der insolventen Kirch Media, Pro Sieben möglicherweise separat zu verkaufen. Damit würde der Senderverbund endgültig von der ungeliebten Mutter gelöst. Noch besser: Ein Käufer von Pro Sieben würde verpflichtet, die Filmbibliothek von Kirch Media mit zeitlicher Verzögerung in das Unternehmen einzubringen. Pro Sieben könnte dann direkt auf die Filmrechte zugreifen, was nach Ansicht von Unternehmenskennern zu deutlichen Einsparungen führen würde.

Die Pro-Sieben-Gruppe mit den vier Sendern Pro Sieben, Sat 1, Kabel 1 und N 24 gilt als begehrtester Teil von Kirch Media. Bislang hieß es allerdings, Kirch Media würde nur im Paket verkauft. Auf Initiative des Pro-Sieben-Managements wird jetzt aber auch erwogen, den Senderverbund einzeln anzubieten. Das käme Pro-Sieben-Chef Urs Rohner gerade recht, der mit den Filmrechten einen schlagkräftigen TV-Konzern aufbauen könnte. Der Schweizer Manager hat in den vergangenen Wochen offenbar selbst mit zahlreichen Investoren verhandelt. Anscheinend konnte er die Kirch-Sanierer Hans-Joachim Ziems und Wolfgang van Betteray nun von seinem Konzept eines abgerundeten Pro-Sieben-Konzerns überzeugen.

Spätestens in vier Wochen würde fest stehen, wer den Zuschlag für die insolvente Kirch Media - und damit Pro Sieben - bekommen werde, hieß es gestern in München. Banker bezweifeln hingegen, dass es so schnell zu einer Einigung kommt. Das Kerngeschäft des Medienunternehmers Leo Kirch ist seit April insolvent. Drei Konsortien sind derzeit in der Endauswahl für die Übernahme der Firma.

"Dass Pro Sieben jetzt alleine angeboten wird zeigt, dass der Verkauf von Kirch Media unglaublich schwierig ist", zeigte sich ein Medienanalyst gestern skeptisch, dass es schnell zu einem Abschluss kommt. Und noch etwas macht einen Einzel-Verkauf von Pro Sieben schwierig: Welcher Investor auch immer einsteigt, er müsste letztlich doch die Filmbibliothek kaufen und finanzieren. Eine Kapitalerhöhung bei Pro Sieben sei dafür im derzeitigen Umfeld aber nahezu unmöglich, hieß es gestern bei Banken.

Für viele kleinere Kirch-Firmen würden Verhandlungen über so genannte Management-Buyouts geführt, verlautete am Mittwoch in Kirch-Kreisen. Mit Investoren im Rücken wollen offenbar zahlreiche Manager ihre Firmen übernehmen. Viele der Geschäftsführer klagen darüber, dass ihr Geschäft wegen der Unsicherheit durch die Insolvenz der Mutter Kirch Media gelähmt wird.

Quelle: Handelsblatt

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