Managergehälter stehen auf der Agenda vieler Hauptversammlungen: US-Aktionäre fordern kurze Leine für Konzernbosse

Managergehälter stehen auf der Agenda vieler Hauptversammlungen
US-Aktionäre fordern kurze Leine für Konzernbosse

Die Apple Computer Inc. soll die Kosten ihrer Aktienoptionen künftig in der Bilanz ausweisen. Beim Mischkonzern General Electric Co. soll sich Firmenchef Jeff Immelt die Macht mit einem Chairman teilen. Die Citigroup Inc. soll die Pensionen für Konzernlenker Sandy Weill kürzen. Was wie eine Revolution in der Unternehmenslandschaft der USA klingt, sind Vorschläge, die aufgebrachte Aktionäre auf den kommenden Hauptversammlungen einbringen wollen.

NEW YORK. Die in den nächsten drei Monaten anstehenden Aktionärstreffen in den USA werden in diesem Jahr ungewohnt stürmisch verlaufen. Die als gemütliche Kaffeerunden bekannten Versammlungen dürften zu einer Plattform für eine neu erwachte Aktionärsdemokratie werden. Nie zuvor haben Investoren so viele Anträge und Vorschläge eingebracht. Das Top-Thema ist eine bessere Unternehmensführung im Allgemeinen und eine leistungsgerechtere Bezahlung der Manager im Besonderen.

"Der Aufstand der Aktionäre ist eine direkte Folge der von Enron, Worldcom & Co. ausgelösten Skandalwelle", sagt Patrick McGurn, Direktor beim Institutional Shareholder Service (ISS). Seine Organisation berät die großen institutionellen Anleger in den USA. Viele Investoren fühlten sich düpiert - sie haben durch Bilanzfälschungen, Vetternwirtschaft und astronomische Managergehälter viel Geld verloren.

Jetzt wollen insbesondere institutionelle Anleger den Starmanagern stärker auf die Finger schauen - und hauen. "Die Investoren verlassen sich nicht auf das Sarbanes-Oxley-Gesetz", sagt McGurn. "Sie nehmen ihr Schicksal selbst in die Hand." Der US-Kongress hatte im vergangenen Jahr die Regeln für Bilanzierung und Unternehmensführung erheblich verschärft.

"Die Aktionäre sind deutlich aktiver geworden", bestätigt auch Allie Monaco vom unabhängigen Investor Responsibility Research Center (IRRC) in Washington. Das IRRC hat bislang fast 900 Anträge gezählt, die Anleger auf den kommenden Hauptversammlungen von rund 2 000 Unternehmen einbringen wollen. Im gesamten Jahr 2002 waren es nur 800. "659 Vorschläge beschäftigen sich mit einer besseren Unternehmensführung", sagt Monaco. Der Rest drehe sich um die Themen Soziales und Umwelt.

Selbst wenn die Anträge von der Mehrheit der Aktionäre angenommen werden, sind sie für das Management nicht bindend. Viele Manager wollen sich jedoch nicht öffentlich bloß stellen lassen und versuchen den Zorn der Anleger im Vorfeld zu mindern. So haben General Electric und Coca-Cola bereits die Abfindungszahlungen für ihre Manager gekürzt. Der Chemiekonzern Dow Chemical ist einem Aktionärsantrag zuvorgekommen und will die Macht an der Konzernspitze künftig auf zwei Schultern verteilen.

Angeführt wird die Graswurzelrevolution von den Gewerkschaften. Mit einem Pensionsvermögen von 400 Mrd. $ sind die Gewerkschaften eine bedeutende Macht auf den Hauptversammlungen. "Unsere Fonds werden aktiver als jemals zu vor sein", kündigt John Sweeney vom Gewerkschaftsbund AFL-CIO an. Aber auch die großen Pensionsfonds Calpers und TIAA-CREF wollen die US-Manager an die kurze Leine nehmen.

Die Palette der Verbesserungs-Vorschläge ist ebenso breit wie die Liste der Manager-Verfehlungen lang ist. Sie reicht von der Bilanzierung der Aktienoptionen über eine stärkere Kontrolle des Managements im Board bis hin zu der Aufforderung, den Firmensitz aus Steueroasen wieder in die USA zu verlegen. "Das Top-Thema sind jedoch eindeutig die Manager-Gehälter", sagt IRRC-Expertin Monaco.

"Nach dem Aufschrei über die Gehaltsexplosion ist das keine Überraschung", sagt Yvonne Chen, Managing Direktor bei der Beratungsfirma Pearl Meyer & Partners in New York.

Chen sieht allerdings nur wenig Möglichkeiten für eine stärkere Mitbestimmung der Aktionäre in dieser Frage. "Ich erwarte jedoch, dass die Aktienoptionsprogramme stärker an die Leistung der Manager ausgerichtet werden."

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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