Managerhaftung
Verkehrte Welt im Wahlkampf

Es geschieht doch noch etwas in dieser von Plattitüden gequälten Wahlkampfrepublik. In allen politischen Lagern macht man Front gegen die Bilanzmanipulierer in den Unternehmen, die mit ihrem undurchsichtigen Handeln die Akteure an den Finanzmärkten verunsichern.

Enron, Worldcom, und vergessen wir bitte nicht Flowtex, zwingen dazu, Konsequenzen zu ziehen. Es geht darum, mehr Transparenz für die Eigentümer der Unternehmen zu schaffen - und das sind immer noch die Aktionäre, die ganz nebenbei natürlich auch noch Wähler sind.

Erstaunlich an der Situation ist freilich, dass sich ausgerechnet die größte Oppositionspartei bei der Frage, wie denn die Manager im Falle von Fehlverhalten von den Aktionären in Haftung genommen werden können, ins Bremserhäuschen setzt. Die Union ist offenbar nicht einmal bereit, den Aktionären einen Schadensersatzanspruch bei falschen Geschäftsberichten oder Bilanzen einzuräumen. Exakt dafür plädiert aber die SPD. Die Sozialdemokraten gehen sogar noch weiter: Sie wollen auch eine Bündelung von Aktionärsklagen zulassen, was die Union aus verfassungsrechtlichen Gründen ablehnt, obwohl zahlreiche Experten bereits rechtskonforme Wege aufgezeigt haben.

Was den US-Aktionären an Informationen zusteht, kann den deutschen Aktionären bei aller Unterschiedlichkeit der rechtlichen Ausgangsbasis guten Gewissens niemand verweigern. Mit ihrer defensiven Haltung in dieser Frage wird die Union ihrem Anspruch nicht gerecht, die Regierungsverantwortung zu übernehmen. Vor allem aber wird ein derartiger Ansatz nicht dazu beitragen, die Finanzmärkte wieder zu beruhigen. Wer als Aktionär sein gut verdientes Geld in ein Unternehmen steckt, hat auch ein Anrecht darauf, darüber informiert zu werden, was mit seinem Geld geschieht. Und er hat ebenso ein Recht darauf, gegen Manager im Falle eines Fehlverhaltens vorzugehen.

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