Manche Assekuranz-Aktien würden überproportional von einer Erholung profitieren: Wenn Versicherer, dann ausländische

Manche Assekuranz-Aktien würden überproportional von einer Erholung profitieren
Wenn Versicherer, dann ausländische

Auf Versicherer-Aktien zu setzen hat nur Sinn, wenn man an eine allgemeine Erholung der Börsen glaubt. Findet die Baisse ein Ende, werden nach Expertenmeinung vor allem relativ solide Gesellschaften aus dem Ausland überproportional profitieren. Die deutschen Konzerne stecken hingegen noch tief in Umbauarbeiten.

DÜSSELDORF. Kein Zweifel: Nicht nur deutsche Banken, auch deutsche Versicherer haben zurzeit kein gutes Image. Merrill Lynch beispielsweise hat kürzlich die Aktien der Allianz ebenso wie die der Münchener Rück zum Verkauf empfohlen. Dabei hält sich die Aktie der Münchener Rück recht gut, weil dieser Konzern, anders als die Allianz, offenbar keine Kapitalerhöhung plant, sondern sich am Anleihenmarkt Geld besorgt.

Die Analysten der Schweizer Privatbank Pictet nehmen gegenüber der Allianz kein Blatt vor den Mund: "Nach unserer Meinung ist die beständig schwache Wertentwicklung das Ergebnis von schlecht umgesetzten Fusionsplänen, einer unscharf ausgerichteten Geschäftspolitik und der Unattraktivität der gesamten Versicherungsbranche." Die Vereins und Westbank - empfiehlt zwar tapfer die Münchener Rück zum Kauf, warnt aber ausdrücklich vor ihren großen Beteiligungen bei anderen deutschen Finanzhäusern, vor allem der Hypo-Vereinsbank, zu der die Vereins und Westbank - gehört.

Nur die Hannover Rück kann sich der Missgunst gegenüber deutschen Titeln entziehen. Allerdings geriet der Kurs in vergangenen Tagen nach einer Herabstufung durch die Ratingagentur Moody?s unter Druck.

Ausländische Konzerne stehen im Urteil der Experten besser da. Vor allem ING und Fortis werden immer noch gern empfohlen. Jochen Schmitt von der Landesbank Rheinland-Pfalz etwa nennt sie "grundsolide und günstig bewertet". Aber auch die Schweizer Rück hat trotz der Dividendenkürzung Freunde, weil sie offenbar über eine recht gute Kapitaldecke verfügt.

Die Gründe für das schlechte Abschneiden der deutschen Konzerne liegen auf der Hand: Der deutsche Aktienmarkt läuft besonders schlecht, die gegenseitige Verflechtungen der Finanzkonzerne sind immer noch hoch, auch wenn sie jetzt - zum Teil auch getrieben vom Kapitalmangel - zurückgefahren werden. Dazu kommt: Die Allianz ist noch kein richtig funktionierender Allfinanzkonzern, aber nach der Übernahme der Dresdner Bank auch kein reiner Versicherer mehr. Münchener Rück wiederum betreibt - anders als fast alle Konkurrenten - auch das Erstversicherungsgeschäft. Beiden fehlt also die von den Analysten geliebte "Fokussierung", während auf der anderen Seite die theoretischen Vorzüge einer Risikostreuung auf mehrere Geschäftsfelder nicht so recht deutlich werden.

Allianz und Münchener Rück haben 2002 besonders schlecht abgeschnitten. In den zwei kurzen Börsenrallys der vergangenen Monate haben sie sich dennoch nicht mehr als die Aktien der Konkurrenten erholt - der Hebel hat besser nach unten als nach oben funktioniert.

Der Hebel ist dabei entscheidend. In Versicherungsaktien zu investieren hat nur Sinn, wenn man von steigenden Börsen ausgeht. Die meisten Aktien der Branche vergrößern die Börsenbewegungen, wie die Tabelle zeigt. Dabei dürfte dieser Hebel allmählich abnehmen, weil die Versicherer ihre Aktienbestände abgebaut beziehungsweise besichert haben - zum Teil sind die heftigen Reaktionen daher nur mehr psychologische Reflexe.

Wer einen Titel mit möglichst großem Hebel sucht, bei dem aber keine übermäßigen Probleme sichtbar geworden sind, könnte Axa wählen. Sie hat solide Ergebnisse veröffentlicht. Allerdings warnen Analysten, dass sie noch auf hohen unrealisierten Kursverlusten sitze und möglicherweise Abschreibungen auf früher übernommene Unternehmen vornehmen müsse - die eine oder andere Überraschung steht vielleicht noch aus.

Selbst relativ "solide" Werte wie ING, Fortis oder Schweizer Rück bieten einen ordentlichen Hebel, wenn die Börsen wieder steigen. Bei der Allianz dürfte der Hebel nach oben dagegen erst dann wieder richtig wirken, wenn sie ihre angekündigte Kapitalerhöhung mit Erfolg durchgezogen und gezeigt hat, dass sie die Probleme bei der Dresdner Bank doch in den Griff bekommt.

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